Gronau. Beinahe haushoch türmen sich die gepressten Stoffballen beim Textilrecycler Altex in Gronau. Und was passiert damit? Sie werden zerschnitten, zerrissen, zerkleinert – bis nur Fasern übrig bleiben! Letztlich finden sich diese etwa als Dämmstoffe in Haushaltsgeräten oder in technischen Nadelvliesen für die Automobil-Industrie wieder.

Sammeln, bearbeiten, einer neuen Nutzung zuführen. „Aktuell wird in den Medien oft über das Thema Nachhaltigkeit oder ‚cradle to cradle‘ berichtet, also vom Ursprung zum Ursprung. Wir praktizieren die nachhaltige Kreislaufwirtschaft schon seit über 80 Jahren“, sagt Dania Stienemann.

Zwei Unternehmen: Das eine ist Rohstoffquelle fürs andere

Sie trägt gemeinsam mit Dirk Tunney und ihrem Bruder Karsten die Verantwortung im Unternehmen Altex Gronauer Filz. Zum Familienunternehmen gehören zwei Betriebe, beide mit Sitz in der westfälischen Kleinstadt – und mit insgesamt 260 Beschäftigten. Beide sind eng verbunden. Altex Textil Recycling kauft und verwertet Alttextilien, die zum Teil beim Schwesterunternehmen weiterverarbeitet werden: So ist die eine Firma sicherer Rohstoff-Lieferant für die andere. Altex spiele seine Stärken dabei voll aus, sagen die Geschäftsführer Karsten Stienemann (Altex Textil Recycling) und Dirk Tunney (Altex Gronauer Filz). Stienemann: „Ob Naturfasern oder künstliche Materialien, wir können die Stoffe genau so mischen, wie der Kunde es wünscht.“

Dämmung für Reitplätze und Autoreifen wird zu Putzlappen

Altkleider, Industrieabfälle, Gewebe – alles, was aus Abfällen oder Produktionsresten verfügbar ist, wird sinnvoll wiederverwendet. So bieten die Gronauer etwa Filz-Nadelvliese an mit Fasern aus recycelten Sicherheitsgurten. Das Material kehrt sogar an seinen ursprünglichen Einsatzort zurück. In Form gepresst, dient es als schallschluckende Schale in Pkw-Radkästen oder als Kofferraumverkleidung. Und aus den Resten der Produktion für Reifen lösen die Spezialisten Viskosefäden für die Putzlappen-Produktion.

„Ein Schwerpunkt bei uns ist der Reitplatzbau“, sagt Karsten Stienemann. Dort verbergen sich Textilfetzen unter dem Sand, made in Gronau: „Etwa vier Kilo werden pro Quadratmeter zugemischt.“ Die textile Polsterung verringert die Rutschgefahr für Ross und Reiter und kann später aus dem Sand gesiebt werden.

Rund 3.000 Tonnen davon liefert Altex pro Jahr - übrigens nicht nur ins pferdeverliebte westfälische Umland, sondern weltweit.