Der Flughafen Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zählt zu den größten Airports der Welt. Im vergangenen Jahr wurden hier rund 90 Millionen Passagiere abgefertigt. Damit liegt der Flughafen international auf Rang drei, direkt hinter Atlanta (USA) und Peking (China).

Eine gewaltige Logistik-Herausforderung für die Airlines, denn die Fluggäste, vor allem die Langstrecken-Passagiere, erwarten eine optimale Versorgung an Bord – der Nachschub an Snacks, Menüs, Tomatensaft und Champagner muss auch über den Wolken reibungslos funktionieren. Gleiches gilt für Duty-Free- und Serviceartikel, die im Flieger verkauft werden.

Förderanlage aus dem Norden für Bord-Snacks am Flughafen in Dubai

Die Flugzeuge müssen also in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts in Dubai schnell und effizient beschickt werden, ehe sie wieder abheben. Dass das klappt, ist vor allem einem norddeutschen Mittelständler zu verdanken, der seinen Sitz in Bremen hat: dem Familienunternehmen Louis Schierholz, das 1925 gegründet wurde und in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag feiert.

Die Förderanlage, die das Expertenteam von Schierholz für Dubai entwarf und baute, ist die größte, die der Bremer Betrieb bislang geliefert hat. Über drei Kilometer Länge hat das Elektrohängebahn-System, das die Trolleys im gefüllten Zustand zu den Flugzeugen transportiert und leer zurück zum Dienstleister bringt.

Verschiedene Module für die passgenaue Lösung

„Es ist kein Zufall, dass dieser Auftrag nach Bremen ging“, sagt Michael Seeger. „Wir haben viel Erfahrung mit Aufträgen dieser Art und haben schon mehrere große Flughäfen mit unseren Anlagen ausgestattet.“

Die Louis Schierholz GmbH investiert ihre Gewinne konsequent in den Betrieb

Seeger leitet den Vertrieb von Louis Schierholz und ist seit fast zehn Jahren für das Unternehmen tätig. Der studierte Maschinenbauer mit BWL-Abschluss ist bestens vertraut mit dem Markt und den Anforderungen der Industrie.

„Unsere Spezialität ist die Entwicklung und Realisierung individueller Materialfluss-Lösungen“, sagt er. „Die Kunden kommen aus den Bereichen Oberflächentechnik, Nahrungsmittel, Automotive, Flugzeug- und Reifen-Industrie und haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Dafür stehen verschiedene Module zur Verfügung, die sich je nach Bedarf kombinieren lassen: unsere Elektrohängebahn, das Fördersystem Power & Free sowie Kreis- und Bodenförderer.“

Alles begann mit Entmistungsanlagen für die Landwirtschaft

Anfang 2019 wurde das Portfolio noch einmal erweitert, und zwar durch Übernahme der Brandenburger Firma KJ Sonderanlagen - Hebezeuge - Bühnentechnik mit Sitz in Ludwigsfelde. Vertriebsleiter Seeger: „In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Fördersystemen für lange und schwere Güter deutlich gestiegen. Darauf haben wir reagiert. KJ ist eines der wenigen Unternehmen im Markt, das Shuttle-Systeme für schwere Nutzlasten von 500 Kilogramm bis 50 Tonnen anbietet.“

Als das Unternehmen vor 95 Jahren durch Louis und Herrmann Schierholz gegründet wurde, war das Geschäftsmodell noch ein anderes. Seeger: „Die Firma begann als Stahlbauschlosserei für Landwirtschaft, Handwerk und Kleinindustrie. In erster Linie wurden Entmistungsanlagen gebaut, die den Bauern ihre tägliche Arbeit enorm erleichterten.“

Kletterfreudige Elektrohängebahn

Bald jedoch entwickelte sich der Betrieb zu einem Spezialisten für Förder- und Hebetechnik. Bereits 1935 lieferte Schierholz die erste Hängebahnanlage an Industriekunden. Sie ermöglichte es, die Transportvorgänge im Werk zu optimieren und die Produktion deutlich effizienter zu gestalten. 20 Jahre später kamen die Hanseaten mit der Deutschen Post ins Geschäft und bauten die erste Hängebahnanlage für den Transport von Postbeuteln.

Anfang der 90er Jahre legte Schierholz den technologischen Grundstein für seine heutigen Transport- und Logistiksysteme: Die Bremer entwickelten eine Elektrohängebahn, die bis zu 90-Grad-Steigungen meistert und noch heute in der Auto-Industrie kostspielige Hubwerke ersetzt.

Übernahme der Firma durch leitende Mitarbeiter

Änderungen gab es auch in der Eigentümerstruktur. 1994 wurde die Firma an eine Schweizer Holding verkauft, weil der Sohn des Gründers keinen passenden Nachfolger fand. Kurz nach der Jahrtausendwende stieg ein börsennotierter Investor ein, der sich allerdings nach zwei Jahren schon wieder verabschiedete.

Und das war, wie ein älterer Mitarbeiter erzählt, ein „echter Glücksfall für uns alle und für den ganzen Betrieb“. Denn der Verkauf lief über ein sogenanntes „Management-­Buy-out“ (MBO), bei dem die Firmenanteile an zwei leitende Mitarbeiter veräußert wurden. Eine davon war die heutige Geschäftsführerin Birgit Nikisch.

Niedrige Fluktuation

Heute, 15 Jahre später, ist Louis Schierholz ein international erfolgreicher Spezialist für intelligente Materialfluss-Lösungen mit rund 200 Beschäftigten, von denen die meisten am Stammsitz Bremen arbeiten. Ein weiteres Werk steht im tschechischen Pilsen, wo vor allem die Vorproduktion für die Fertigung in Norddeutschland stattfindet.

Die Fluktuation in der Belegschaft ist gering, viele Mitarbeiter sind seit langer Zeit dabei. Einer von ihnen ist Bernhard Tegeler, der im Februar 1983 bei Schierholz anheuerte. Der 59-Jährige war lange für die Firma im Ausland unterwegs und zählt zu den erfahrensten Mitarbeitern im Unternehmen. „Auch nach so langer Zeit macht die Arbeit immer noch Spaß“, sagt er. „Die Stimmung ist gut, und der Laden läuft.“

Eigenes Technikum für neue Entwicklungen

Vertriebsleiter Seeger nickt: „Der Gewinn wird konsequent in den Betrieb investiert Das ist ein wichtiger Teil unserer Geschäftsphilosophie. Es unterscheidet uns von vielen großen Unternehmen und ermöglicht es, das eigene Angebot stetig zu erweitern.“

Ein Beispiel ist das hauseigene Technikum, das 2008 eingeweiht wurde. Dort gibt es einen Show Room und Testanlagen für kundenspezifische Entwicklungen. Aktuell werden hier neue Komponenten für eine Elektrohängebahn getestet.

Immer neue Flaschen und Gebinde

Seeger deutet auf eine Palette mit Mineralwasserflaschen. „Ein gutes Beispiel für die geänderten Anforderungen unserer Kunden“, sagt er. „Früher war das Wasserangebot im Handel relativ überschaubar, heute gibt es Hunderte von verschiedenen Produkten. Wenn Sie im Supermarkt vor dem Getränkeregal stehen, sehen Sie kleine und große Flaschen in allen Formen und Farben, Wasser mit Kohlensäure und ohne sowie Gebinde in allen Varianten. Beim Bier ist es nicht anders.“

Die Abfüller können mit dieser Entwicklung nur Schritt halten, wenn sie ihre innerbetrieblichen Transport- und Logistikprozesse entsprechend anpassen. Und da ein Ende des Trends kaum abzusehen ist, muss die Louis Schierholz GmbH sich um die Zukunft wohl keine Sorgen machen.