Kreuztal. Es nieselt, bei Temperaturen nur knapp über null. Dabei ist es schon Ende April, als Silke Tammert in Winterberg an ihre körperlichen Grenzen geht. Die 33-Jährige taucht an einer tiefen Erdgrube auf, zieht sich an einem Seil hoch, Schlammspuren im Gesicht. Sie rennt, klettert über eine hohe Wand und rutscht - direkt ins eiskalte Wasser. Noch eine Herausforderung, dann ist einer der härtesten Hindernisläufe Deutschlands, der Suzuki Lake Run, geschafft.

Zwölf Kilometer rauf und runter durch den Wald, durch Wasser und Matsch: Silke Tammert von der Metallfirma Eisenbau Krämer lässt seit Jahren keinen Extrem-Hindernislauf aus. Mehr noch: Die Ingenieurin hat mehrere Kollegen dafür begeistert, mitzumachen. 14 Teilnehmer des Lake Runs tragen das schwarz-grüne Firmentrikot des Rohrproduzenten aus dem Siegerland.

„Wichtig ist, sich beim Wettkampf gegenseitig zu helfen“

„Wir sind es gewohnt, in der Kälte zu laufen. 2017 hat es sogar geschneit“, lächelt Tammert. Aber die Metaller sind hart im Nehmen. „In unserer Mannschaft gibt es Maschinenbediener, Abteilungsleiter, eine Verkäuferin, Azubis. Man muss nicht superfit sein, die normale Kondition reicht. Wichtig ist, sich gegenseitig zu helfen.“

Das fördert den Teamgeist. „Denn kaum einer schafft die zweieinhalb Meter hohe Wand alleine“, erzählt sie, „aber wenn der Kollege eine Räuberleiter macht, dann geht es.“ Gemeinsam etwas stemmen und Hindernisse überwinden – das gilt auch im Job. Die Wirtschaftsingenieurin arbeitet am Stammsitz Kreuztal (Siegerland) des Familienunternehmens im Projektmanagement. Eisenbau Krämer ist auf längsnahtgeschweißte Rohre spezialisiert – und Tammert ist für die Projekte aus dem Offshore-Bereich verantwortlich.

„Die Rohre bilden die Unterkonstruktion für Ölplattformen und Windparks und stehen zum größten Teil im Wasser“, erklärt sie. „Das Besondere: Es sind fast immer Einzelanfertigungen mit verschiedenen Durchmessern und Wanddicken sowie unterschiedlichen Profilschnitten an den Enden, damit man die Rohre schräg aneinander anbauen kann.“ Die Aufträge laufen über alle drei Standorte: Kreuztal, Hilchenbach und Recklinghausen. In den Hochphasen pendelt sie zwischen denen hin und her.

Silke Tammert arbeitet bei Eisenbau Krämer im Siegerland, einem Spezialisten im Rohr-Geschäft

Schließlich muss die junge Frau dafür sorgen, dass die Auftragsabwicklung reibungslos läuft, dass genug Kapazitäten vorhanden sind, dass die Qualität stimmt - und die Kosten im Rahmen bleiben. Eine komplexe Tätigkeit also.

Dank der Digitalisierung kann Tammert leichter den Überblick behalten. „In unserem neuen Pipetracking-System für die Fertigung wird jeder Arbeitsvorgang minutengenau festgehalten.“ Damit kann sie dem Kunden jederzeit Auskunft geben, wie weit seine Rohre sind. „Wir sind deutlich vernetzter als 2015, als ich hier angefangen habe“, sagt Tammert, die ihren Masterabschluss an der Uni Siegen gemacht hat. „Und wir sind auch heute viel internationaler. Ich spreche fast den ganzen Tag Englisch bei der Arbeit.“

Arbeitgeber sponsert die Trikots und übernimmt die Anmeldegebühren

Ihren guten Draht zu den anderen Werken nutzt die Ingenieurin auch, um für ihren Sport zu werben. Ihr Traum ist, den Hindernislauf bei EBK und seinen rund 400 Mitarbeitern zu etablieren. Die Unternehmensleitung sieht das gern: Sie sponsert die Trikots, übernimmt die Anmeldegebühren für die Rennen - und fördert so das Miteinander.

Tammert: „Kollegen, die sich vorher nicht gekannt haben, verstehen sich jetzt blendend. Man weiß das Team zu schätzen, wenn man zusammen durch den Dreck gekrochen ist.“

Nachgefragt

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich trete in die Fußstapfen meiner Eltern. Er ist Ingenieur, sie Englischlehrerin. Ich habe als Wirtschaftsingenieurin mit Stahl und Technik zu tun, aber auch mit viel Kommunikation.

Was reizt Sie am meisten?

Auch wenn das Projekt erfolgreich war, gibt es immer irgendwelche Stellschrauben, die man beim nächsten Mal nachjustieren kann.

Worauf kommt es an?

Auf Entscheidungsfreude und klare Worte. Die größte Herausforderung ist, alle Fäden zusammenzuhalten.