München Mal kurz die Welt retten, das kann keiner allein. Bayerns Betriebe sind dabei und haben jede Menge Innovationen parat: Sie entwickeln intelligente Technologien und neue Produkte, mit denen sich Energie und Ressourcen sparen lassen, was indirekt auch das Klima schützt. aktiv  zeigt hier einige spannende Beispiele aus der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

Moderne Antriebe, saubere Energieerzeugung, umweltfreundliche Produkte und effiziente Maschinen – ­was der Umwelt nützt, bringt oft auch die heimische Industrie voran. Denn die Nachfrage nach solchen Technologien wird steigen, nicht zuletzt wegen der immer höheren Klimakosten. Eine Studie des Bundesumweltministeriums zeigt auf, dass der Weltmarkt für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz bis 2025 auf über 5,9 Billionen Euro wachsen dürfte. Gut, wenn solche Produkte aus Bayern kommen: Man müsse hier Leitanbieter werden, betont die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft in einem Positionspapier zum Klimaschutz. Sie setzt auf den Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem: eine starke Industrie vor Ort, die nicht zuletzt klimafreundliche Technologien entwickelt, so Arbeitsplätze schafft und den sozialen ­Frieden sichert.

Neuberger: Präzise Steuerung sorgt für gutes Raumklima in Gebäuden

Schnell geprüft: Die Steuerungsprogramme und die Verbrauchsdaten sind auch elektronisch aufrufbar.

Wer denkt schon jedes Mal daran, im Büro das Licht zu löschen, bevor er in die Mittagspause geht? Schlauer ist da Gebäudetechnik: „Die vergisst das nicht – und dreht sogar automatisch die Heizung runter“, sagt Jürgen Metzger, Vertriebsleiter bei Neuberger in Rothenburg ob der Tauber.

Das fränkische Unternehmen (540 Mitarbeiter) stellt Systeme zur Gebäudeautomation her. Sie erfassen, überwachen und optimieren den Energieverbrauch in Räumen, vom Kindergarten bis zur Großanlage in Forschung oder Industrie. Bis zu 50 Prozent Energie lassen sich nach Unternehmensangaben sparen, wenn ein Bauwerk mit modernster Gebäudetechnik ausgerüstet ist.

Sie umfasst unter anderem Energiezähler, Temperaturfühler, Bewegungsmelder, Automatisierungsgeräte und Software zur Steuerung. „Wir schreiben für jedes Gebäude ein eigenes Programm, das zum Bau und seiner Nutzung passt“, so Metzger.

Ziel ist das perfekte Zusammenspiel aller gebäudetechnischen Anlagen. Zum Beispiel: Lüftet man, bemerkt ein Sensor im Rahmen, dass das Fenster offen steht – und stellt im Sommer die Kühlung, im Winter die Heizung ab. Sogar die Wettervorhersage wird mitbedacht: „Ist ein Kälteeinbruch angesagt, bläst die Anlage die warme Luft nachts nicht nach draußen, sondern behält sie drin.“ Umgekehrt wird die Kühlung reduziert, wenn nach einer Hitzewelle wieder normale Temperaturen folgen.

Die Systeme sind schon in vielen öffentlichen Gebäuden eingebaut. In Schulen hat man früher durchgeheizt, wie Metzger erklärt – heute koppelt man Heizung und Licht an den Stundenplan.

Auch beim Sonnenschutz hilft die Steuerung. Sie nutzt möglichst viel Tageslicht. Müssen Jalousien geschlossen werden, weil es blendet, folgt der Winkel der Lamellen dem Sonnenstand und berechnet selbst den Schatten der umstehenden Bäume ein.

Siemens: Intelligente Batterie speichert Solarstrom im Eigenheim

Schicke Batterie: Der flache, schwarze Siemens-Akku für private Nutzer braucht nicht viel Platz.

Intelligente Stromspeicherung, die die Umwelt schont: ein weiterer Beitrag zum Klimaschutz aus Bayerns Industrie. Weit über eine halbe Million Photovoltaikanlagen decken im Freistaat den Strombedarf von dreieinhalb Millionen Haushalten. Angesichts sinkender Einspeisevergütungen für neue Anlagen und steigender Strompreise wird es immer sinnvoller, den privat erzeugten Solarstrom auch so weit wie möglich selbst zu nutzen.

Der Technologiekonzern Siemens hat daher einen Speicher für Privathaushalte entwickelt: einen flachen Lithium-Ionen-Akku, der problemlos in jeden Keller passen dürfte. So könne jeder einen Beitrag zur Energiewende leisten, heißt es beim Unternehmen.

Die Technik wurde in Erlangen entwickelt, von Regensburg betreut und wird seit diesem Jahr von der Siemens-Tochter Alpha Verteilertechnik (200 Mitarbeiter) in Cham gefertigt – damit ist der Speicher ein rein bayerisches Produkt.

Die Sache funktioniert so: Scheint tagsüber die Sonne, produziert die Solaranlage in der Regel mehr Energie, als ein normaler Haushalt verbraucht. Während man ohne Stromspeicher die Ü̈berschüsse ins Netz einspeisen und den nachts benötigen Strom teuer zukaufen muss, hilft der Batteriespeicher im Keller, die Sonnenenergie vollständig selbst zu nutzen.

Die Anlage ist dabei aber mehr als ein reiner Speicher. Sie stimmt die Be- und Entladevorgänge auf den Verbrauch der Geräte im Haus ab und berücksichtigt die Ertragsprognose der installierten Photovoltaik. So kann der Stromspeicher vorausschauend und sanft geladen werden und bleibt lange einsatzbereit. Und die Nutzer können das Maximum aus ihrer Solaranlage herausholen.

Der Speicher ist nach Angaben des Unternehmens für einen mittleren vierstelligen Betrag zu haben. Er lässt sich schrittweise erweitern. Bis zu sechs Einheiten mit je 3,3 Kilowattstunden können nachgerüstet werden, falls die Familie mal ein Elektroauto anschafft – oder mehr Strom verbraucht.

ebm papst: Sparsame Ventilatoren halten Lebensmittel im Supermarkt frisch

Alltäglicher Einkauf: Die Kühlung der Waren verbraucht weniger Strom – dafür sorgen Motoren von ebm papst.

Ventilatoren laufen oft rund um die Uhr, etwa in den Kühltheken und Gemüseauslagen im Supermarkt. Den Energieverbrauch zu senken, bringt hier also besonders viel. Das Unternehmen ebm papst hat dafür eine neue Generation besonders sparsamer Motoren entwickelt, die in Landshut gefertigt werden. Mit 70 Prozent (!) weniger Leistungsaufnahme ist der sogenannte „NiQ“-Motor noch effizienter als bisher verwendete Motoren, da er auf einer komplett neu entwickelten Motorplattform basiert.

Das Unternehmen rechnet vor: Würde man in einem typischen Supermarkt alle der etwa 200 Ventilatoren in den Kühlmöbeln durch besagte Motoren ersetzen, würde der jährliche Energieverbrauch des Supermarkts um rund 39 Megawattstunden sinken, was pro Jahr 5.000 Euro Stromkosten spare und etwa 23 Tonnen CO2 vermeide.

Eine Besonderheit des sparsamen und leisen Motors ist, dass er zwei Drehzahlstufen besitzt: So kann man umschalten, etwa zwischen voller Leistung am Tag und reduziertem Nachtbetrieb.

Optional läuft der Motor bei jedem Start automatisch kurz – rückwärts! So wird der angesammelte Staub aus dem Wärmetauscher geblasen, was für eine längere Lebensdauer der Geräte sorgt. Zeitpunkt und Dauer des Rückwärtslaufs sind auch individuell festlegbar, so kann der Kunde etwa den Abtauzyklus seiner Kühlgeräte zur Reinigung nutzen. Ältere Anlagen lassen sich mit der energiesparenden Technik problemlos nachrüsten.

Innerhalb der Unternehmensgruppe stellt ebm papst noch weitere energieeffiziente Lösungen für Luft- und Antriebstechnik her, etwa kompakte Lüfter zur Kühlung von Rechenzentren oder Telekommunikationsanlagen. Die Firma ist ein Vorreiter bei effizienten Motortechnologien mit hohem Wirkungsgrad, langer Lebensdauer und intelligenter Regelung. Würde ganz Europa beim Lüften, Kühlen und Klimatisieren auf die moderne Technik umstellen, könnten nach Firmenangaben vier Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

BSH: Effiziente Hausgeräte verbrauchen weniger Wasser, Strom und Spülmittel

Nachhaltigkeit – die hat auch mit gebrauchtem Geschirr oder schmutziger Wäsche zu tun! Hausgerätehersteller BSH entwickelt besonders energieeffiziente Helfer für zu Hause. Sie sparen nicht nur Strom, sondern auch Wasser, Spül- und Waschmittel.

Unsere Kühl- und Gefrierschränke sind ja im Dauereinsatz, sie schlucken rund ein Fünftel der Energie im Haushalt. Der Verbrauch wurde hier laut BSH in den letzten 20 Jahren um 75 Prozent gesenkt. Moderne Geräte halten die Lebensmittel zudem länger frisch. Groß sind die Einsparungen auch beim Geschirrspüler: Der Stromverbrauch der BSH-Geräte ist um 36 Prozent, der Wasserverbrauch um 56 Prozent gesunken.

Nach einer Studie der Uni Bonn schneiden Spülmaschinen übrigens besser ab als das Spülbecken: Das Sparprogramm der Maschine verbraucht rund 10 Liter Wasser – für die gleiche Menge Geschirr beim Spülen von Hand fließen 117 Liter den Abfluss hinunter. Die BSH-Trocknungstechnologie mit Zeolith spart zusätzlich Energie: Die porösen Kügelchen entwickeln beim Kontakt mit Wasser Wärme und entziehen der Luft Feuchtigkeit – so kann ohne zusätzliches Aufheizen getrocknet werden.

Mehrere Tausend Liter Wasser pro Haushalt und Jahr sparen Waschmaschinen, die Reinigungsmittel selbst dosieren: Weil nie zu viel Pulver in die Trommel gelangt, entfallen zusätzliche Spülgänge am Ende des Programms.