Hagen. Lebenslänglich – das kann sich Adnan Güngör gut vorstellen, wenn er über seine Zukunft bei Waelzholz nachdenkt. Der 21-Jährige macht in dem Hagener Kaltwalzwerk eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologen und ist sich sicher: Besser geht es nicht.

Technisch begeistert war er schon immer. Wenn er seinen Vater im Betrieb besuchte, faszinierten ihn die großen Maschinen. Werkzeugmechaniker wie er wollte der Junge werden; nach einem Praktikum war der Ausbildungsplatz sicher.

„Hier ist alles zukunftsorientierter“

Gerade angefangen, ging der Ausbildungsbetrieb allerdings in die Insolvenz. Freunde von Güngör schwärmten von Waelzholz. Das Interesse war geweckt, die freie Lehrstelle passte. Werkzeugmechaniker und Verfahrenstechnologe Stahlumformung seien zwar zwei völlig unterschiedliche Berufe. „Aber ich bin gar nicht traurig, dass das so gelaufen ist“, sagt der Hagener heute: „Hier ist alles viel zukunftsorientierter.“

Der Ausbildungsablauf gefällt ihm. „Nach der Einführungswoche war ich einige Wochen im Unternehmen, und auch jetzt während der Grundausbildung in der Lehrwerkstatt bin ich immer wieder mal hier“, erzählt er. So kennt er sich, obwohl noch kein ganzes Jahr dabei, schon ziemlich gut aus: „Das ist toll. Andere Azubis, die erst nach der Grundausbildung in ihren Betrieb kommen, haben kaum Ahnung, wie es da läuft.“

Verfahrenstechnologen bedienen Walz-, Glüh- und Scherenanlagen

Waelzholz setzt auf seine – möglichst selbst ausgebildeten – Verfahrenstechnologen, wenn es um die komplexe Fertigung der hochwertigen Stahlwerkstoffe geht. Sie bedienen die Walz-, Glüh- und Scherenanlagen, an denen die unterschiedlichsten Bandstähle individuell produziert werden. „Da gibt es keine Serienfertigung. Wir arbeiten immer angepasst für jeden Kunden“, sagt Güngör.

An jeder Anlage arbeitet ein Team von drei, vier Leuten. „Mal richtet man die Anlage ein, mal stellt man die Maße ein, mal bedient man das Steuerpult. Jeder muss sich dabei auf jeden verlassen können“, erklärt der Azubi. „Dabei vergeht die Zeit so schnell. Und am Ende ist etwas Gutes entstanden.“ Im Team arbeiten, sich für andere einsetzen – das ist Güngörs Ding. Am Cuno-Berufskolleg ist er Schülersprecher und hat erste Aktionen organisiert, nicht nur für die Schule: einen Besuch im Seniorenheim, eine Spendenaktion und einen Bowling-Kindernachmittag für Flüchtlinge aus der Ukraine. „Es ist nicht immer einfach, andere zu motivieren“, sagt er, möchte aber in den kommenden Jahren etwas bewegen. Er knüpft an einen erfolgreichen Vorgänger an – auch der war Waelzholz-Azubi.

Hagener Firma Waelzholz unterstützt das soziale Engagement

Das Unternehmen schätzt das soziale Engagement. „Wir unterstützen das sehr“, sagt Ausbildungsleiter Marco Luciani. Das ist bei der Einstellung ein Faktor. „Es muss passen. Wir brauchen auch keine theoretischen Überflieger, sondern Leute, die Spaß an der Arbeit haben. Alles andere kann man bei Bedarf mit Nachhilfe ausgleichen.“

In der Regel werden alle Azubis übernommen: „Eine Ausbildung über die dreieinhalb Jahre kostet 100.000 Euro. Das ist ein großer Wert.“ Und eine Investition in die Zukunft. Auch in die von Adnan Güngör.

Nachgefragt

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht, und technisch interessiert war ich schon immer.

Was reizt Sie am meisten?

Man arbeitet im Team und die Aufgaben wechseln. Das finde ich gut.

Worauf kommt es an?

Ausgeschlafen und konzentriert sein. Es sind ja schon große Werte, mit denen man umgeht. Da muss man sorgfältig arbeiten.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

Alle Beiträge der Autorin