Das will keiner erleben. Am ersten Tag in der neuen Firma macht man sich gleich unbeliebt oder begeht einen dummen Fehler. Um das zu vermeiden, sollte man ein paar Dinge beachten. Welche das sind, erklären zwei Expertinnen für das Thema: Anika Peschl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Arbeits- und Leistungsfähigkeit am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) in Düsseldorf, und Christina Binsmaier, Beraterin und Trainerin rund um das Thema Job aus München.

Was sind die typischen Fettnäpfchen, in die neue Mitarbeiter treten können?

Die beiden Expertinnen zählen dazu mehrere Punkte, die sich eindeutig als ein Riesen-Fauxpas am ersten Arbeitstag erweisen können. Dazu gehören:

  • Unpünktlich erscheinen: „Der erste Eindruck ist eben besonders wichtig“, weiß Peschl. „Planen Sie für den Arbeitsweg einen Zeitpuffer ein oder nehmen Sie eine Bahn früher. Vermeiden Sie es aber auch, überpünktlich zu erscheinen.“ 10 bis 15 Minuten früher sind in Ordnung.
  • Gleich Verbesserungsvorschläge anbringen: „Direkt zu Beginn eine Liste mit Ideen vorzulegen, kommt nicht gut an. Sammeln Sie Vorschläge und bringen Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt behutsam ein“, rät die Expertin.
  • Ständige Vergleiche mit dem vorherigen Arbeitgeber: Das zeigt nicht gerade, dass man bereit ist für neue Aufgaben und das neue Unternehmen. „Wenn Sie ständig von dem alten Arbeitgeber sprechen, könnte es den Eindruck erwecken, dass Sie noch nicht komplett mit ihrem alten Job abgeschlossen haben.“
  • Sich zu stark profilieren: „In den ersten Arbeitstagen ist es wichtig, das Unternehmen und die Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und sich zu integrieren. Sie werden noch früh genug die Gelegenheit bekommen, mit Ihren Fähigkeiten zu überzeugen“, rät Peschl.
  • Klagen und Jammern: Ja, es ist viel Input an den ersten Tagen, das ist teilweise eventuell anstrengend und verwirrend. „Das ist völlig normal, denn Sie müssen sich erst mal orientieren und einleben. Bleiben Sie trotzdem positiv!“
  • Überstunden schieben oder früher gehen: Am besten an die vereinbarten Arbeitszeiten halten. „Zeigen Sie Engagement und Interesse an Ihrem neuen Job. Das bedeutet nicht, dass Sie am ersten Arbeitstag Überstunden schieben sollten. Auch bei der ersten Gelegenheit die Flucht zu ergreifen, kommt nicht gut an.“
  • Zu wenig kommunizieren: Für Beraterin Binsmaier hingegen ist ein typisches Fettnäpfchen, „dass man zu wenig kommuniziert, weil man denkt, man weiß schon, wie es geht, oder sich nicht traut, nachzufragen“. 

Wer diese Hürden erfolgreich umschifft hat, muss noch weitere Fragen für sich klären.

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Was ziehe ich bloß am ersten Arbeitstag im neuen Job an?

Anpassen ist die beste Strategie. „Tragen Sie, was in der Branche oder in dem Unternehmen üblich ist“, sagt Binsmaier. „Falls Sie das noch nicht so genau wissen, bleiben Sie bei Business Casual, damit macht man für den Einstieg nichts verkehrt.“

Der Dresscode hänge vom Arbeitsumfeld ab, sagt auch Peschl. Tipp von der Expertin: Ans Vorstellungsgespräch zurückdenken. Welche Outfits waren da zu beobachten? „Lieber zu chic, als den Eindruck zu erwecken, sich über die Kleidung keine Gedanken gemacht zu haben“, sagt Peschl. Und am Vorabend des ersten Arbeitstags sollte man auf Knoblauch und Alkohol verzichten. Generelle körperliche Hygiene ist natürlich vorausgesetzt.

Wie ist das mit dem Ansprechen: Duzen oder siezen?

„Im Zweifel ist das ‚Sie‘ immer der bessere Weg“, sagt Peschl. „Es gilt herauszufinden, wie der Ton im Unternehmen ist. Wenn man vorab darüber informiert wurde, dass grundsätzlich eine Duz-Kultur im Unternehmen vorherrscht, ist es auch möglich nachzufragen oder abzuwarten, wie man von den Kollegen angesprochen wird.“

Aufgaben, Abläufe, Gepflogenheiten: Welche Fragen sollte ich unbedingt stellen?

„Fragen sind extrem wichtig, und Sie können damit steuern, wie gut Ihnen der Einstieg in den neuen Job gelingt“, sagt Binsmaier. Deshalb am besten schon vor dem ersten Arbeitstag überlegen, was Sie alles wissen möchten und für einen guten Einstieg brauchen. Die Fragen sind dabei sehr individuell auf den Arbeitsplatz angepasst, daher ist es schwierig, konkrete Fragen vorzugeben. „Aber: Wenn Sie etwas nicht gleich verstehen, haben Sie keine Angst vorm Nachfragen. Sagen Sie einfach, wo genau Sie noch nicht klarsehen, und bitten Sie um mehr Hintergrund oder den fehlenden Zusammenhang.“

Übrigens: In manchen Unternehmen ist es üblich, dass neue Kolleginnen und Kollegen einen Einstand geben. „Erkundigen Sie sich, in welchem Rahmen ein Einstand bei Ihrem neuen Arbeitgeber üblich ist“, rät Peschl.

Können zu viele Fragen auch nerven?

Ja! „Wenn sie unnötig sind oder die Antwort schon mal gegeben wurde“, sagt Binsmaier. „Fühlen Sie sich in die Situation und Ihr Gegenüber ein. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Gesprächspartner ist gerade gestresst, dann verlegen Sie zeitlich unkritische Fragen auf einen anderen Moment. Das, was Sie unbedingt wissen müssen, um weiterzumachen, sollten Sie aber unbedingt fragen.“

Welche Tipps gibt es, um ein schlechtes Namensgedächtnis auszugleichen?

Man muss sich viele neue Gesichter und Namen merken, „versuchen Sie, sich diese möglichst einzuprägen“, sagt Peschl. „Hilfreich kann es sein, Eselsbrücken zu bilden oder den Namen des Gegenübers bei der Vorstellung zu wiederholen. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie den Namen beim ersten Mal nicht richtig verstanden haben.“

Unangenehm werde es, wenn man sich nicht mehr daran erinnern kann, eine Kollegin oder einen Kollegen bereits kennengelernt zu haben. Auf vielen Unternehmenswebsites sind Informationen mit Fotos zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu finden. „Es ist hilfreich, wenn man sich vorab mit den neuen Gesichtern vertraut macht.“

Mit den neuen Kollegen Mittagessen gehen, auch wenn ich keinen Hunger habe?

„Die Teilnahme an sozialen Zusammenkünften ist wichtig“, sagt die Expertin des ifaa. „Ein gemeinsames Mittagessen ist eine gute Möglichkeit, auch abseits des Arbeitsplatzes neue Kontakte zu knüpfen.“ Also Angebot am ersten Tag nicht ausschlagen.

Was ist, wenn der erste Arbeitstag wegen Corona im Homeoffice starten muss?

„Homeoffice ist für alle eine besondere Situation, die aber mittlerweile ganz gut eingespielt ist – die meisten Unternehmen sammeln seit dem ersten Lockdown im März Erfahrungen und haben ihren ganz eigenen Weg gefunden“, sagt Binsmaier und empfiehlt: „Nutzen Sie alle Kanäle, die im Unternehmen angeboten werden, Intranet, Chat-Funktionen, Teams-Kanäle oder was auch immer da ist, und werden Sie selbst aktiv.“

Stellen Sie sich neuen Kollegen vor, vereinbaren Sie Coffee-Chats oder treffen Sie sich zu Gesprächen im virtuellen Raum. „Sagen Sie von sich aus, wenn Sie etwas nicht wissen oder mit einer Aufgabe fertig sind und Kapazitäten haben. Warten Sie nicht auf neue Anweisungen.“

Wie kläre ich online Fragen der Einarbeitung mit meinem Vorgesetzten?

Auch im Homeoffice ist auf eine angemessene Erscheinung achten, sagt Peschl. „Dann macht man auch bei spontanen Videokonferenzen einen guten Eindruck.“ Auch der Hintergrund ist wichtig. „Im Homeoffice ist auch ihr Arbeitsplatz zu sehen – im Zweifel sollte das ein aufgeräumter Raum sein oder gegebenenfalls ein virtueller Hintergrund“, ergänzt Binsmaier. „Sorgen Sie für eine störungsfreie Zone, wenn Sie in einer Videokonferenz stecken, gute Beleuchtung und eine Kamera auf Augenhöhe sowie ein vernünftiges Mikrofon.“ Solche und weitere Regeln gelten übrigens auch für online geführte Vorstellungsgespräche. Wie man sich auf solche Gespräche am besten vorbereiten kann, lesen Sie auf aktiv-online.de: Video-Vorstellungsgespräch: Worauf Bewerber achten sollten.

Durch den Start im Homeoffice können sich mehr Fragen ergeben als üblich. „Ich würde daher schnell klären, wie die Einarbeitung aussehen soll, welche Erwartungen da sind und wie auch das Kennenlernen im virtuellen Raum gestaltet wird. Und ich würde mit reingeben, was ich mir wünsche und was ich von meiner Seite dazu beitragen kann“, sagt Binsmaier.

Was sind unverzeihliche Fehler?

„Keine Wertschätzung oder Dank zu zeigen, wenn Kolleginnen oder Kollegen geholfen und unterstützt haben, zu viele Pausen zu machen, Däumchen drehen statt Hilfe anbieten oder sich selbstständig Aufgaben suchen“, sagt Peschl.

Hinzukommt: Ständig am Smartphone zu sein oder private Telefonate zu führen, mache auch einen sehr schlechten Eindruck. Außerdem gehe es gar nicht, über Kolleginnen oder Kollegen herzuziehen oder in einen Konflikt zu geraten, kein Interesse an den Arbeitsaufgaben und dem Unternehmen zeigen oder Kollegen und Kolleginnen ständig von der Arbeit abzuhalten. „Hier ist ein gewisses Feingefühl wichtig.“

Alles berücksichtigt, trotzdem geht etwas schief. Was kann man tun?

„Dann ist das eine super Gelegenheit, um dazuzulernen – meistens für beide Seiten“, sagt Binsmaier. „In dem Fall rate ich dazu, offen in die Analyse zu gehen und das Gelernte zu reflektieren und zu teilen. Dazu nutze ich gern die „Fail forward“-Technik. Das ist ein Begriff aus der Software-Entwicklung. Für alles, was schiefläuft schreibe ich zwei Dinge auf, die geklappt haben und die ich beibehalte, und eine Sache, die ich beim nächsten Mal besser machen möchte und auch wie das konkret aussehen könnte. Wenn etwas wirklich richtig schiefgeht, dann erhöhe ich das Verhältnis auf fünf zu drei. Auf diese Art fokussiere ich auf kontinuierliche Verbesserung und behalte dabei auch im Auge, was schon geklappt hat.“