Schüttorf. Stück für Stück näht Martina Alfes die orange-gelben Einzelteile einer Jacke zusammen. Einer speziellen Jacke! „Das ist etwas anderes als eine Modekollektion“, zeigt die 52-Jährige beim aktiv-Besuch. Der Stoff sei schwerer und schwieriger zu nähen. „Und die Nähte werden zusätzlich verschweißt“, sagt Alfes. Die gelernte Modenäherin arbeitet in den Rofa Bekleidungswerken im niedersächsischen Schüttorf. Und die Jacke soll bald einen Menschen vor Unbill bewahren.

So könnte sie von einem Müllwerker getragen werden, der bei Wind und Wetter Tonnen leert. Der eingearbeitete Reflexstreifen wird ihn besser sichtbar machen für vorbeifahrende Autos.

Die Kundschaft kommt aus allen möglichen Branchen – von der Raffinerie bis zum Handwerker

„Menschen zu schützen, das ist unser Geschäft“, sagt Rofa-Verkaufsleiter Siegfried Kiewitt. Seit den 1960er Jahren fertigt das 1897 gegründete Familienunternehmen Arbeitskleidung: „Erst war es der klassische Blaumann. In den 1970er Jahren kam dann die Arbeitsschutzkleidung hinzu.“

In der Schüttorfer Zentrale arbeiten heute rund 160 Menschen, die Konfektion wird weitgehend in Rumänien erledigt, wo Rofa knapp 200 Menschen beschäftigt. Der Anspruch: Hochwertige Materialien einsetzen, die verlässlich schützen, lange halten und gut passen. Im Schnitt hat jedes Produkt vom Weben und Ausrüsten der Stoffe – beide Arbeitsschritte finden am Standort in Schüttdorf statt – über die Konfektion bis zur Endkontrolle etwa 100 Arbeitsschritte hinter sich.

Rofa-Produkte schirmen etwa Schweißer vor Funkenflug ab, bewahren Elektriker bei der Arbeit an Schaltkästen vor Störlichtbögen oder verhindern, dass sich Chemiewerker an Chemikalien verletzen. „Zusammengenommen sind es einige Hunderttausend Beschäftigte, die wir bei der Arbeit anziehen“, schätzt Kiewitt.

Und das in Deutschland und vielen weiteren europäischen Staaten. Was das bedeutet, lässt sich beim Blick ins riesige Lager erahnen: Hier liegen 1.200.000 Teile in 90 unterschiedlichen Farben; etwa 4.500 Teile werden täglich ausgeliefert.„Kleider machen Leute, gerade auch bei der Arbeit“, erklärt der Verkaufsleiter. Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter schützen – und zugleich ihr Image fördern. So sind Kollektionen für Techniker im Außendienst oft aufwendiger etwa mit Firmenlogos gestaltet als die ansonsten gleiche Kleidung ihrer Kollegen in der Produktion: „Schließlich präsentieren solche Mitarbeiter ihr Unternehmen nach außen.“

Das tun übrigens auch die Beschäftigten in Schüttorf. Kiewitt: „Kollegen aus Produktion und Vertrieb haben für den neuen Katalog Modell gestanden.“