Mainz/Frankfurt am Main. Fünf Tarifverhandlungen waren nötig, ehe sich die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie aus M+E Mitte mit der IG Metall Bezirk Mitte am 31. März in einem Mainzer Hotel auf einen neuen Tarifvertrag einigen konnten.

Verhandelt wurde aufgrund der Corona-Pandemie unter strengen Hygiene-Auflagen. Teilnehmen durfte an der Veranstaltung nur, wer sich vor Ort zuvor einem angebotenen Schnelltest unterzog und ein negatives Ergebnis vorweisen konnte.

Nach wenigen Stunden wurde schließlich der bereits in Nordrhein-Westfalen erfolgte Pilotabschluss in wesentlichen Teilen übernommen. Statt höherer Monatsentgelte soll es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun Jahresprämien geben. Zudem haben die Unternehmen in Zukunft das Recht, bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten Zuschläge zu streichen.

Die Verhandlungsgemeinschaft M+E Mitte spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Rheinhessen, der Pfalz und dem Saarland. In diesen Regionen umfasst die Branche rund 1.400 Unternehmen mit 380.000 Beschäftigten.

Die Mitarbeiter bekommen nun in diesem Juni eine Corona-Beihilfe in Höhe von 500 Euro. Zudem wurde statt einer Lohnerhöhung ein sogenanntes Transformationsgeld vereinbart. Es wird einmal im Jahr ausgezahlt – das erste Mal im Februar 2022. 18,4 Prozent eines Monatsentgelts wird es dann betragen. Ab Februar 2023 bekommen die Beschäftigten 27,6 Prozent eines Monatsentgelts. Diese Sonderzahlung soll künftig jährlich anfallen.

Automatisch wirksamer Entlastungsmechanismus

Die Einigung beinhaltet auch die von der Arbeitgeberseite geforderte „automatische Differenzierung“. Je nach Jahresgewinn und damit wirtschaftlicher Lage des Unternehmens können Betriebe die Zulage aus einem schon vor längerer Zeit vereinbarten Tarifvertrag (T-ZUG B), die 2021 generell statt im Juli erst im Oktober fällig wird, verschieben oder sogar ganz entfallen lassen. Damit wurde mit der Gewerkschaft erstmals ein automatisch wirksamer Entlastungsmechanismus für krisenbetroffene Betriebe vereinbart.

Außerdem enthält der Abschluss einen tariflichen Rahmen, innerhalb dessen die Betriebsparteien ihre Transformationsprozesse begleiten können. Neben der bisherigen Möglichkeit der vorübergehenden Arbeitszeitabsenkung aus konjunkturellen Gründen kann die Arbeitszeit zudem im Fall von strukturell bedingten Beschäftigungsproblemen abgesenkt werden. Die Laufzeit des bis zum 30. September 2022 geltenden Tarifvertrags beträgt 21 Monate. Das verschafft den Unternehmen Planungssicherheit.

„Mit diesem Abschluss haben wir einen Pandemie-angepasst fairen und langfristig tragfähigen Kompromiss für Unternehmen und Beschäftigte erzielt“, betonte Johannes Heger, Verhandlungsführer der M+E-Mitte-Arbeitgeber. Auch Jörg Köhlinger, der für die IG Metall Bezirk Mitte die Verhandlungen führte, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir haben die von den Arbeitgebern geforderte Nullrunde verhindert.“

Wie Heger hervorhob, gibt der neue Tarifvertrag den Unternehmen in dieser außergewöhnlich schwierigen wirtschaftlichen Lage einen automatischen und nachhaltigen Entlastungsmechanismus und bietet den Beschäftigten eine wertschätzende Corona-Beihilfe. Heger: „Der Abschluss ist ausgewogen und sorgt dafür, dass Kosten nicht weiter in die Höhe getrieben werden, stärkt so die Unternehmen am Standort und macht damit auch die Arbeitsplätze sicherer.“ Durch den vereinbarten tariflichen Rahmen bleibe die unternehmerische Freiheit bei den anstehenden betrieblichen Transformationsprozessen weiterhin unangetastet. Eine Gesprächseröffnung zu diesen Themen bleibt den Betriebsparteien vorbehalten. „Der Flächentarifvertrag hat seine Bewährungsprobe bestanden“, erklärte Heger nach der Unterzeichnung des Vertrags.

Modern, verlässlich und einfach zu handhaben

Oswald Bubel, Präsident des Verbands der Metall- und Elektro-Industrie des Saarlandes (ME-Saar), sieht in dem Abschluss einen „Beleg für eine funktionierende Sozialpartnerschaft“. Sein Kollege Dr. Mathias Monjé, Verhandlungsführer des vem.die arbeitgeber (Rheinland-Rheinhessen), erklärte: „Es waren schwierige Verhandlungen in schwierigen Zeiten. Doch ich bin froh darüber, dass wir einen Kompromiss gefunden haben, der von Vernunft und Weitsicht geprägt ist.“

Und wie der Verhandlungsführer von Hessenmetall, Oliver Barta, hervorhob, berücksichtigt der Vertrag beispielhaft die sehr unterschiedlichen Entwicklungen der einzelnen Branchen und Unternehmen der M+E-Industrie. Barta: „Mit diesem modernen, verlässlichen und einfach handhabbaren Abschluss haben Deutschlands größte Industrie und M+E Mitte als ein maßgeblicher Teil davon unter Beweis gestellt, was durch einen Willen zur Einigung erreicht werden kann.“

Was die Verhandlungsführer von M+E Mitte zum Tarifabschluss sagen

„Dieser Tarifabschluss ist gut für Betriebe und Beschäftigte“, Johannes Heger, Präsident von Pfalz-Metall und Verhandlungsführer der Arbeitgeber von M+E Mitte.„Der Abschluss berücksichtigt die sehr unterschiedlichen Entwicklungen der einzelnen Branchen und Unternehmen unserer Industrie“, Oliver Barta, Verhandlungsführer und stellvertretender Vorsitzender von Hessenmetall.„Dieser Abschluss ist Beleg für eine funktionierende Sozialpartnerschaft und stärkt den Flächentarifvertrag“, Oswald Bubel, Präsident von ME-Saar.„Ein tragfähiger und fairer Kompromiss, der von Vernunft und Weitsicht geprägt ist“, Dr. Mathias Monjé, Verhandlungsführer von vem.die arbeitgeber.

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

 

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