Die Temperaturen steigen, und die Sonne lässt sich wieder öfter blicken: In Beeten, Hecken und Sträuchern gibt es im Frühling viel zu tun. Nur, wie macht man es richtig? Sollte man den Boden nach dem Pflanzen festtreten? Und färben rostige Nägel im Boden tatsächlich Hortensienblüten blau? AKTIV hat bei Thomas Esser nachgefragt. Er ist Gärtnermeister in Köln und arbeitet in einem der größten Gartencenter Deutschlands.

 

Mythos 1: Überwinterte Pflanzen jetzt einfach an die Sonne und frische Luft setzen

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Vorsicht, das kann böse enden! „Es kommt ganz auf die Pflanze und das Wetter an“, sagt Thomas Esser. Hartlaubige Pflanzen wie etwa Oleander oder Olivenbäumchen könnten durchaus schon raus, so der Experte. Dann aber bitte noch geschützt vor praller Sonne oder Kälte etwa an die Hauswand stellen. Esser: „Bei Pflanzen mit weichen Blättern wie etwa Geranien sollte man mit dem Umzug noch warten.“ Denn die Nächte können im März und April noch frostig sein. Essers Tipp: Die Zeit jetzt nutzen, um die überwinterten Pflanzen zu pflegen, und sie eventuell nochmals durchputzen und von trockenem Blätterwerk befreien.

Mythos 2: Frisch eingepflanzte Blumen kräftig gießen

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Das stimmt. Ob nun im Topf oder in den Gartenboden eingepflanzt wird: Ist die Pflanze in der Erde, sollte sie großzügig gegossen werden. „Danach sollte man es aber nicht übertreiben“, warnt Esser. Bildet sich nämlich Staunässe, besteht die Gefahr, dass die Wurzen wegfaulen. „Vertrauen Sie da auf Ihren grünen Daumen“, rät der Experte. Manche Topfpflanze mag es auch eher, von unten gewässert zu werden. Dann einfach eine Schüssel mit Wasser füllen und die Blume hineinsetzen. Nach wenigen Minuten haben sich die Wurzen vollgesogen. „Dann die Pflanze wieder herausnehmen. Sie nimmt sich eh nicht mehr, als sie gerade braucht“, so Esser.

Mythos 3: Nach dem Pflanzen den Boden festtreten

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Falsch. Ein festgetretener Boden schadet den Pflanzen eher und hemmt ihr Wachstum. „Leicht andrücken, reicht da auch schon“, so Esser. Denn wenn der Boden locker bleibt, kann die Pflanze besser anwachsen. Esser: „Wenn man dann noch die Pflanze mit Wasser einschlemmt, setzt sich der Boden sowieso und wird etwas fester.“

Mythos 4: Bei Gartenarbeiten den Spaten benutzen. Das lockert die Erde auf

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Stimmt nicht. „Ein Spaten sticht wie ein Messer durch den Boden, aber lockert nicht auf“, erklärt Experte Esser. Um den Boden aufzulockern, eignet sich eher eine Grabegabel mit etwa fingerbreiten Zinken. Das hat auch den positiven Effekt, das Kleinlebewesen wie Würmer oder Käfer, die zusätzlich das Erdreich auflockern, nicht durch den Spatenstich getötet werden oder nach dem Umgraben nicht in der Sonne eingehen.

Mythos 5: Bierfallen helfen gegen Nacktschnecken

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Das stimmt. Wenn Schnecken schon im Garten eingefallen sind, kann man sie mit Bierfallen gut einfangen. Esser: „Die Tiere nehmen den Biergeruch tatsächlich über eine große Entfernung war.“ Tipp vom Experten: Die Bierfallen nicht gerade ins Gemüse oder Blumenbeet stellen, sondern dort platzieren, wo der Appetit der Tiere so wenig wie möglich Schaden anrichten kann: „Die Tiere sollten von den Beeten wegwandern und nicht in die Beete rein.“ Wichtig bei den Fallen: Sie müssen regelmäßig wieder mit Bier aufgefüllt werden.

Mythos 6: Torf verbessert immer die Bodenqualität

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Die faserige Struktur des Torfes lockert auf und verbessert durchaus die Bodenqualität. „Aber nur dann, wenn er richtig in den Boden eingearbeitet wird. Es reicht nicht aus, ihn einfach auf der Bodenoberfläche zu verteilen“, so Esser. Am besten sollte man Torf mit einer Grabegabel in den Boden einarbeiten. Alternativen zum klassischen Torf sind Kokosfaser oder Rindenhumus. Übrigens: Es stimmt zwar, dass Torf generell den Boden sauer macht. „Aber die Mengen, die man nutzt, um den Boden aufzulockern, wirken sich nicht wesentlich auf den pH-Wert des Bodens aus. Eins noch: Mit Torf sollte man Pflanzenwurzeln nicht zum Schutz vor Kälte abdecken. „Er hat die unangenehme Eigenschaft, bei langer Trockenheit Feuchtigkeit aus der Pflanze herauszuziehen“, erklärt Esser. Dann hat man zwar die Pflanze vor Kälte geschützt, aber letztendlich ist sie vertrocknet. Alternativen zum Abdecken sind Laub oder Reisig.

Mythos 7: Kräftig düngen, das hilft der Pflanze beim Wachstum

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In Maßen ist das Okay. Tatsächlich ist das Düngen der Erde notwendig, um die von der Pflanze entnommenen Nährstoffe dem Boden wieder zuzuführen. „Wichtig ist, sich klarzumachen, wie man Düngen will“, so Esser. Manche kommen besser damit zurecht, regelmäßig zu düngen, andere wollen nicht viel Arbeit haben und setzen auf Feststoffdünger, die man nur ein- oder zweimal im Jahr aufbringen muss. Wichtig: „Man sollte sich immer an die empfohlenen Mengen auf den Verpackungen halten“, rät Esser. Denn viel Düngen bedeutet nicht, dass die Pflanze dann besonders groß oder prächtig wächst. Sie nimmt sich immer nur das, was sie für ihr normales Wachstum braucht. Und: Zu viel Düngen kann schon dazu führen, dass eine Pflanze geschädigt wird.

Mythos 8: Rostige Nägel machen Hortensienblüten blau

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Das ist ein Märchen. Zwar färben sich bei einem sauren Boden die eigentlich rosa Blüten blau. Die Metallverbindungen, die Hortensien brauchen, um blau zu werden, lassen sich jedoch nicht aus rostigen Nägeln ziehen. „Eher geeignet, die Blüte blau zu färben, ist Rhododendronerde oder ein spezieller Hortensiendünger, der Alaunsalz enthält“, so Fachmann Esser.

Mythos 9: Sträucher schneidet man nur im Winter

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Nein. „Bei der Gartenarbeit gibt es kein Nur“, sagt Gärtnermeister Esser. Da kommt es eher darauf an, wann der Strauch blüht. Ein Strauch, der im Frühjahr blüht, sollte nicht im Winter geschnitten werden. Esser: „Frühjahrsblüher wie etwa die Forsythie werden direkt nach der Blüte radikal geschnitten, damit sie im nächsten Jahr wieder blühen. Auch eine Kirsche sollte eher im Sommer geschnitten werden, wenn sie abgeerntet ist“. Man sollte also immer den Blührhythmus der Pflanze beachten.

Mythos 10: Blattläuse kann man mit Spülmittel entfernen

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Das stimmt nicht. Wahrscheinlich ist dieser Mythos die moderne Version des Ratschlags, blattlausbefallene Blätter mit Schmier- oder Kernseife zu bearbeiten. „Mit der Seife funktioniert das auch wunderbar“, so Esser. Allerdings nicht mit modernen Spülmitteln. Bei ihnen ist der Anteil fettlösender Mittel viel zu hoch. Dabei kann die Pflanze Blattflecken bekommen.