Köln. Süßes Obst in Nachbars Garten, wilde Früchte auf freier Wiese, leckere Pilze im Wald – was darf man da eigentlich, was nicht? AKTIV hat eine Juristin gefragt.

Mal angenommen, Nachbars Obstbaum wächst so nah an der Grundstücksgrenze, dass einige Äste über den Zaun reichen: Man müsste nur zugreifen, um die Äpfel zu ernten! Aber: „Das sollte man keinesfalls tun“, sagt Julia Sontheimer von der Kölner Kanzlei Wilde – Beuger – Solmecke, „auch diese Äpfel gehören dem Baumeigentümer.“

Unerlaubtes Ernten solcher Früchte mag mancher noch umgangssprachlich als „Mundraub“ abtun. Allerdings wurde dieser Tatbestand schon anno 1975 abgeschafft – seither handelt es sich aus rechtlicher Sicht schlicht um gewöhnlichen Diebstahl.

Fallobst gehört dem, auf dessen Grundstück es gelandet ist

Ganz anders sieht es aus, wenn die Früchte von Nachbars Baum bereits abgefallen sind – ohne dass man selbst nachgeholfen hat. Der sogenannte Fallobst-Paragraf im Bürgerlichen Gesetzbuch regelt, dass vom Baum oder Strauch gefallene Früchte einfach dem Grundstück zuzuordnen sind, auf dem sie liegen. Sie darf man also einsammeln und verwerten, der Nachbar kann nichts dagegen tun.

Bei privaten Feldern und Äckern, an denen man vorbeifährt, gilt: Die Früchte der dort wachsenden Bäume und Sträucher gehören dem Eigentümer. „Wer da mal eben einen Zaun übersteigt, um zum Beispiel Maiskolben zu ernten, kann angezeigt werden“, warnt Anwältin Sontheimer.

Anders ist es bei öffentlichen Grünflächen: Dort ist Pflücken oft erlaubt. „Viele Gemeinden begrüßen es, wenn gepflückt wird, oder sie geben sogar bestimmte Flächen ausdrücklich zum Abernten frei“, weiß Sontheimer.

Eine gute Orientierung bietet die altgediente Website mundraub.org – hier findet man bundesweit frei zugängliche Standorte, an denen man fröhlich sammeln kann. „Ist man trotz der Angaben nicht ganz sicher, ob sich ein Baum oder Strauch auf einem Privatgrundstück befindet, sollte man lieber auf die Ernte verzichten“, rät die Juristin.

Auf jeden Fall sollte man nicht mal so eben in Parkanlagen oder in Naturschutzgebieten pflücken. Ansonsten ist das Naturschutzgesetz relativ großzügig. „Wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen“ darf sich jeder aneignen – aber, und das ist da entscheidend: nur „in geringen Mengen“ und „für den persönlichen Bedarf“.

Zudem sollte man mit der Natur stets „pfleglich“ umgehen. „Nicht erlaubt ist es, wild lebende Pflanzen ohne Grund zu entnehmen, ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten“, macht Sontheimer klar. Und das gilt sogar für Brennnesseln …