Köln. Freundschaften auf der Arbeit steigern die Produktivität und machen glücklich – so eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half. Aber ganz so einfach ist es nicht immer, wie viele aus Erfahrung wissen. Zusammen mit dem Kölner Arbeitspsychologen Peter Groß gibt aktiv Tipps, damit kollegiale Freundschaft nicht zum Drahtseilakt wird.

Freunde sollten ehrlich miteinander sein

Ein erster wichtiger Schritt ist die klare Definition im Umgang miteinander. Peter Groß rät darum von Anfang an zu Ehrlichkeit. „Die Freunde sollten sich hinsetzen und überlegen: Wie kann unsere Freundschaft am Arbeitsplatz funktionieren?“ Besonders wichtig ist so ein Gespräch übrigens bei Freundschaften über Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg.

Es kommt ja durchaus vor, dass man ebenbürtig im Betrieb startet, sich anfreundet – und dann wird einer befördert. „Das Team darf dann nicht das Gefühl haben, dass der Kollege womöglich als verlängerter Arm des neuen Chefs arbeitet und alles direkt weitererzählt. Der Vorgesetzte sollte seinen Freund wiederum nicht bevorzugen. Das führt im schlimmsten Fall zu Neid und Missgunst unter anderen.“

Freizeit und Arbeit bei privaten Themen besser trennen

Natürlich ist der eine oder andere Plausch im Büro schön, um dem Alltag zu entkommen. Aber „man sollte immer bedenken, dass der Arbeitgeber den Mitarbeiter für eine bestimmte Leistung bezahlt. Und nicht, um eine tolle Freundschaft zu pflegen“, erklärt der Arbeitspsychologe. Dazu gehört natürlich auch, dass andere Kollegen – und solche, die neu zum Team stoßen – nicht benachteiligt werden oder sich ausgeschlossen fühlen, ob zu Recht oder zu Unrecht. „Wenn die Freunde immer alleine zusammenklüngeln und andere sich in diesem Kreis nicht willkommen fühlen, ist das schlecht fürs Betriebsklima.“

Konflikte unter Freunden nicht im Betrieb austragen

Streit über Privates hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen. Denn das ist sowohl für die Streithähne als auch für die Kollegen unangenehm. Werden Grenzen überschritten, dann kann das sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Psychologe Groß erklärt: „Üble Nachrede kann sonst das Vertrauen nachhaltig stören.“ Im schlimmsten Fall kommt es für einen oder beide zum Jobverlust.

Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz und nach Feierabend vermeiden

Sich beim gemeinsamen Feierabendbier den Frust von der Seele reden, ist erlaubt – aber über den Chef oder andere Kollegen lästern, ist weniger ratsam. „Die Gefahr ist groß, dass man das am nächsten Tag unbewusst wieder mit auf die Arbeit bringt“, sagt der Experte.

Klare Grenzen ziehen und Freundschaften – wenn nötig – beenden

Ein Stresstest ist der Umgang mit gravierenden Fehlern, die dem anderen passiert sind. Wenn der gute Freund Mist gebaut hat, kann es kompliziert werden: Ihn verteidigen oder sich zurückhalten? Umso besser, so Groß, wenn man vorher einmal die Grenzen der Freundschaft bei der Arbeit festgezurrt hat – und auch wenn es schwerfällt: „An diesen Fahrplan sollte man sich halten.“ Es ist ratsam, dem Konflikt im Betrieb objektiv zu begegnen, ohne die freundschaftliche Brille. Dann kann man den Feierabend ohne Groll gemeinsam verbringen. Und die Freundschaft hält!