Gütersloh. Für Hausbesitzer mit einer Photovoltaik-Anlage lohnt es sich, möglichst viel selbst produzierten Strom selbst zu verbrauchen, anstatt ihn ins Netz zu speisen. Aber nur wenige sind tagsüber zu Hause und können ihre Haushaltsgeräte immer dann anstellen, wenn gerade die Sonne scheint. Um dieses Problem zu lösen, hat sich der Hausgeräte-Hersteller Miele die Start-ups Smappee und Loxone als Partner an Bord geholt: Erstere Firma ist ein Spezialist für Energiemanagement, letztere bietet Anwendungen zur Hausautomation.

Smarthome: Nutzer können vorgeben, wann die Wäsche sauber sein soll

„Für den optimierten Verbrauch des eigenen Solarstroms eignen sich Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler ganz besonders“, sagt Nadine Hanselmann, Expertin für Energiemanagementsysteme bei Miele. Denn diese drei können (im Unterschied zu Herd und Ofen) recht flexibel betrieben werden. Und bei 140 Wasch- und 185 Spülgängen im Jahr, die in einem durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt anfallen, lässt sich hier einiges erreichen.

Zum Beispiel mit Miele-Geräten mit einer Vernetzungsoption namens „Miele@home“, die über ein zentrales Energiemanagementsystem im Haus gesteuert werden. Nutzer können die Geräte beladen, ein Programm auswählen und die Uhrzeit einstellen, zu der sie spätestens fertig sein sollen. Ein Mini-Server startet die Geräte aber erst dann, wenn die Stromnachfrage schwach ist oder die Solarmodule genug Energie liefern.

„Die Wäsche oder das Geschirr sind in jedem Fall zum gewünschten Zeitpunkt sauber“, versichert Hanselmann. Denn sollten im Tagesverlauf Wolken aufziehen, laufen die Geräte automatisch mit Netzstrom weiter. Nebenbei sorgen Smappees und Loxones Anwendungen dafür, dass der Ökostrom optimal im Haus verteilt wird – so bleibt auch fürs Laden des E-Autos noch genug übrig.

Miele entwickelt gemeinsame Standards mit Wettbewerbern

Und was, wenn Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler von verschiedenen Herstellern kommen? Auch dann sollten sie sich problemlos ins Energiemanagement einbinden lassen, findet Miele. Deshalb unterstützt der Konzern die Entwicklung gemeinsamer Standards etwa mit den Wettbewerbern Bosch und Siemens.

Auf europäischer Ebene sind die Gütersloher übrigens bei dem von der Europäischen Kommission initiierten Forschungsprojekt „Inter Connect“ dabei. Das erprobt zurzeit in sieben europäischen Regionen das effiziente Verknüpfen von Smarthomes und Stromnetzen. Einer der Teststandorte ist Norderstedt in Schleswig-Holstein: Hier soll der wechselhaft verfügbare Ökostrom möglichst vollständig genutzt werden, Hausgeräte sollen automatisch dann starten, wenn viel Wind weht.

Solche Innovationen sind gut fürs Klima – und für den Geldbeutel.

Matilda Jordanova-Duda
Autorin

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.

 

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