Wuppertal. Neues Zeitalter im Labor: Ab 1. August 2020 ist das Arbeiten in virtuellen Teams und mit vernetzten automatisierten Systemen offizieller Teil der Laborantenausbildung! Dazu gehören auch die Simulation und die digitale Erfassung sowie die Auswertung von Daten. Das regelt die modernisierte Verordnung für die Berufe der Chemie-, Biologie- und Lacklaboranten.

aktiv sprach darüber mit Ausbildern aus Wuppertal, für die das digitalisierte Labor kein Neuland mehr ist.

Da ist zum Beispiel Thorsten Clemens. Er bildet beim Chemieparkbetreiber Currenta am Wuppertaler Bayer-Standort Biologielaboranten aus: „Von den Änderungen in der neuen Ausbildungsverordnung sind wir nicht überrascht“, betont er, „wir haben aktiv daran mitgearbeitet.“ Clemens holt die Azubis dort ab, wo sie stehen: „Einige sind schon recht versiert im digitalen Arbeiten – andere hatten kaum Berührung damit.“

Kommunikationsplattformen ersetzen Stift und Kärtchen

Man arbeitet hier schon länger mit digitalen Medien und der Kommunikationsplattform „Microsoft Teams“: „Wir kommunizieren darüber, erteilen und bearbeiten Aufgaben. Das hat uns gerade in der Zeit des Corona-Lockdowns sehr geholfen.“ Die Infrastruktur für Videokonferenzen gab es bereits, ebenso online verfügbare Unterlagen. „So waren wir in der Lage, den analogen Unterricht, in dem man noch gerne an Whiteboards mit Papier, Stift und Kärtchen arbeitet, spontan digital umzustellen.“ Schon während seiner eigenen Ausbildung habe es eine digitale Datenerfassung im Labor gegeben. Die Daten dürfe man aber nicht „einfach so“ verwenden: „Der Biologielaborant lernt, sie genau zu prüfen. Zum Beispiel jedes Mal, wenn er ein Gerät ausliest: Sind die Daten plausibel?“

Auch bei der Weiterverarbeitung von Daten müsse man achtsam sein, sagt Clemens. Wenn etwa der Mittelwert über den Einzelwerten liegt, sollte der Azubi merken, „da stimmt was nicht. Kritisch mit der Datenerfassung umzugehen, das ist wichtig.“ Gelingt das, überwiegen die Vorteile der Digitalisierung: „Sie hilft, durch Datenbanken ganz schnell an Informationen zu kommen, und verhindert Übertragungsfehler.“ Die Currenta Bildung probiert ständig neue Technologien aus – wie VR-Brillen – und prüft deren Einsatz in der Ausbildung.

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Auf dem Weg zum papierlosen Labor

Peter-Xaver Voits ist Vor-Ort-Ausbilder bei Bayer in der medizinischen Chemie. Er sieht sich als Schnittstelle der angehenden Chemielaboranten – zwischen der Ausbildung und dem Berufsalltag: „Wir haben bei Bayer in den letzten Jahren immer mehr den Schritt zum papierlosen Labor vollzogen. Das zieht sich durch alle Bereiche, angefangen von der Dokumentation über Analyseaufträge bis hin zu elektronischen Meetings.“

Einzelne Versuche könnten die Azubis zwar nicht von zu Hause aus durchführen, „aber man kann Ergebnisse auswerten, Synthesestrategien entwickeln und recherchieren“. Klar, das müssen die jungen Menschen nicht alleine schaffen – da helfen die Mitarbeiter vor Ort, von den Chefs über die Laboranten bis zum Techniker.

Digitalisierung ist kein Allheilmittel

Ein weiterer Trend: Im Projekt „Lab of the future“ testet ein Projektteam die mögliche Laborarbeit der Zukunft. Zum Beispiel neue Technik oder die Etablierung neuer digitaler Abläufe.

„Wir waren bei der neuen Ausbildungsverordnung mit im Boot“, sagt auch Voits. „Wichtig ist es, kritisch und konstruktiv mit der Technik umzugehen und sie da, wo es Sinn macht, gezielt einzusetzen.“ Die Digitalisierung sei ja kein Allheilmittel: „Wenn mir das System einen Syntheseweg vorschlägt, den ich blind übernehme, kann ich ein Problem bekommen. Deshalb ist eine sachlich-fachlich gute Grundausbildung immer nötig. Der Mensch ist der Handelnde!“