Burghaun. Auch in Zeiten von Corona wird nicht nur im Homeoffice gearbeitet. In den Betrieben der hessischen Metall- und Elektro-Industrie wird nach wie vor produziert, wenn auch unter anderen Bedingungen. „Der Schutz der Mitarbeiter hat dabei schon in normalen Zeiten Priorität und gilt nun mehr denn je“, betont Nikolaus Schade, Leiter Arbeitswissenschaft beim Arbeitgeberverband Hessenmetall.

Wie das konkret funktioniert, zeigt das Beispiel von Element Six in Burghaun bei Fulda. Der Spezialist für Hochleistungswerkstoffe aus synthetischen Diamanten und Hartmetall mit 370 Mitarbeitern hat einen eigenen Pandemie-Plan entwickelt.

Die Maßnahmen beginnen mit Hinweisen zur Bedeutung von Handhygiene und mehrmaligem Desinfizieren von Türklinken und Oberflächen am Tag und gehen bis zu Anpassungen an Schichtsystem und Pausenzeiten sowie persönlichen Schutzausrüstungen bei Bedarf.

Mehr zum Thema

Alle Prozesse überarbeiten, um die Anzahl direkter Kontakte zu reduzieren

„Das Wichtigste bei all dem ist sicherlich die Kommunikation, denn nur wer weiß, was das Virus macht, warum Änderungen erfolgen und welchen Zweck die Maßnahmen haben, wird sie auch akzeptieren und neue Aufgaben oder Anweisungen verinnerlichen“, ist Personaler Andreas Baur überzeugt.

Mit seinem Kollegen Martin Limburg, für die weltweit insgesamt 1.900 Mitarbeiter der Gruppe verantwortlich für den Arbeitsschutz, hat er in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und dem Betriebsarzt zielgerichtete Maßnahmen für das Werk erarbeitet. „Uns allen war klar, dass wir kurze Entscheidungswege brauchen und keine Zeit verlieren dürfen“, so Limburg.

Alle betrieblichen Abläufe betrachtete man genau, um zu sehen, wo es Probleme geben könnte. Über alle Abteilungen spielte man mögliche Infektionsketten durch infolge der unterschiedlichen Kontakte an den einzelnen Arbeitsplätzen.

„Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurden dann alle Prozesse überarbeitet, um die Anzahl direkter Kontakte drastisch zu reduzieren“, erläutert Baur.

Risikobewusstsein schaffen und Ängste nehmen

Als besonders riskant stufte man Wareneingang und Versand ein, da hier täglich Lkws aus ganz Europa anfahren. Für die Fahrer wurde ein separater Checkpoint aufgebaut. Zudem bekommt jeder bei der Ankunft eine Schutzmaske und Desinfektionsmittel.

Martin Limburg: „Mit all unseren Maßnahmen konnten wir Risikobewusstsein schaffen und Ängste nehmen, und manche sind inzwischen auch stolz darauf, dass wir diese Herausforderung gemeinsam gut meistern.“

Ein Interview mit Andreas Baur und Martin Limburg gibt es hier: hessenmetall.de