Glutnester, Staubexplosion oder Funkenschlag sind Begriffe, mit denen Timothy Berlitz und Max Oelkers täglich hantieren. Die beiden arbeiten für die T&B electronic GmbH in Alfeld, ein Unternehmen, das sich auf Brandschutz spezialisiert hat. Gerade bauen die Facharbeiter eine neue Versuchsanlage auf. „Wir werden unsere Service-Techniker daran schulen“, sagt Berlitz und zeigt auf eine elektronische Steuerung.

Weil in der Industrie die Abläufe technisch immer komplexer werden, steigen auch die Anforderungen an den Brandschutz. In Produktion oder Lager sind beispielsweise immer mehr akkubetriebene Werkzeuge und Fahrzeuge im Einsatz. Geraten die Elektrospeicher in Brand, ist guter Rat teuer: Lithium-Brände kann man nicht löschen – sondern nur kontrolliert ausbrennen lassen.

Die T&B electronic GmbH beschäftigt 63 Mitarbeiter, zehn davon sind Auszubildende. Als Servicetechniker bei T&B ist man regelmäßig unterwegs und lernt neue Firmen kennen – in völlig unterschiedlichen Branchen. Timothy Berlitz ist von dieser Vielfalt begeistert. „Ich war schon früh in Polen, später auch in Indonesien“, erinnert sich der 29-Jährige an seine bisherigen Dienstreisen. Er war der erste Auszubildende im Unternehmen, machte anschließend eine Weiterbildung zum Techniker. Heute leitet Berlitz die Werkstatt und ist Ausbilder. „Wir sind ein junges Team, der Zusammenhalt passt super“, sagt er.

Das gute Klima ist auch für seinen Kollegen Max Oelkers ein wichtiger Punkt. „Wir haben eine total tolle Truppe“, sagt der 24-Jährige. Ein anderer Pluspunkt seien die Aufstiegsmöglichkeiten. Oelkers etwa bekommt ein Stipendium von der Firma und wird freigestellt, um seinen Meister zu machen.

Viele Bewerber von heute haben eine andere Einstellung zur Arbeit

Junges Team, prima Stimmung, spannende Aufgaben – eigentlich beste Voraussetzungen, um im Wettbewerb um Talente vorn zu liegen. Dennoch ist es für T&B-electronic-Geschäftsführer Faru Fakrou schwierig, Mitarbeiter zu finden. Sein Hauptproblem: Bewerber wollen nicht auf Dienstreisen gehen. „Ich mache gern den Gag: Alle wollen einen Dienstwagen, aber keiner will damit zum Kunden fahren“, sagt Fakrou. An vielen jungen Menschen beobachtet er eine zunehmend laxe Haltung zum Job. „Wahrscheinlich weil sie wissen, dass die Wirtschaft sie braucht.“

Für Fakrou, selbst erst 32 Jahre alt, scheint klar: Die junge Generation interpretiere Arbeit anders. „Anfangs habe auch ich geglaubt, der Umgang mit dem Handy sei nicht problematisch“, sagt er. Doch inzwischen beobachtet er immer mehr, dass Smartphones auch zum Problem werden können. „Den jungen Leuten ist das Daddeln auf dem Handy viel wichtiger als ihr Job.“ Es werde in der jungen Generation zunehmend ausgeblendet, dass unser Wohlstand das Ergebnis einer enormen Arbeitsleistung sei. Fakrou will es den Bewerbern nicht vorwerfen. „Ich finde es gut, dass die junge Generation ihre Vorstellungen äußert und Dinge einfordert. Aber die Art und Weise ist oft nicht sonderlich zielführend.“

„Ich mache gern den Gag: Alle wollen einen Dienstwagen, aber keiner will damit zum Kunden fahren“

Faru Fakrou, Geschäftsführer

Offen berichtet er von seiner Kindheit und seiner Vita. Sein Vater stammt aus dem Libanon, die Eltern haben sich früh getrennt. „Das war für mich nicht immer leicht“, erzählt er. Nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker studierte er Betriebswirtschaft. Technische Kenntnisse und kaufmännisches Know-how brachten ihn schließlich in die Geschäftsführung des Unternehmens. T&B electronic expandiert stark und stößt immer öfter an die Grenzen des Wachstums. Schuld ist das Fachkräfteproblem. Fakrou versucht sich in die Situation der Bewerber zu versetzen und landet immer wieder bei den sozialen Medien. „Die Bilder, die dort produziert werden und Erwartungshaltungen prägen, haben mit der Wirklichkeit oft nichts zu tun“, sagt er.

Brandschutzlösungen werden oft gemeinsam mit Kunden entwickelt

Bei T&B electronic ist man es gewohnt, Herausforderungen tiefer zu analysieren – auch auf der technischen Ebene. Die fünf Vertriebsmitarbeiter etwa gehen gern gemeinsam mit den Kunden ins Detail. „Oft sprechen uns Kunden an, weil ihre Versicherungen mehr Brandschutz anfordern“, berichtet der Chef. Oder weil sie einen Brand hatten und schmerzvoll erkannt haben, wie wichtig Vorsorge und Früherkennung sind. „Dann beraten wir und entwickeln gemeinsam eine Lösung.“ Am Ende installiert T&B die schlüsselfertige Anlage – wo immer sie gebraucht wird, von A wie Automobil-Industrie bis Z wie Zucker-Industrie. Die Bauteile kauft der Betrieb in der näheren Umgebung ein. Die Endmontage findet in der Werkstatt in Alfeld statt.

Dafür benötigt das Unternehmen Mitarbeitende mit mechanischen und elektronischen Kenntnissen. So wie Berlitz und Oelkers: „Wir haben mit dem Unternehmen noch einiges vor“, sagt Oelkers. Es klingt nach Aufbruch.

Das Unternehmen

  • Die T&B electronic GmbH in Alfeld entwickelt Lösungen für den Brandschutz.
  • Dazu gehören Funkenlöschanlagen, Sprühwasserlöschanlagen und Gaslöschanlagen für den Objektschutz.
  • Auch Infrarot-Brandfrüherkennungssysteme, die mithilfe von Thermobildern Alarm schlagen können, werden von T&B weltweit ausgeliefert und installiert.
Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

 

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