München. Es ist ein positives Signal für den Winter: Die Gasspeicher in Deutschland sind gut gefüllt. Der Füllstand ist sogar höher als erhofft. Das heißt aber nicht, dass die Lage entspannt ist: Jedermann muss weiterhin so viel Gas wie möglich einsparen, damit wir über den Winter kommen. Das hat das Forschungsinstitut Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) jetzt in einer Studie errechnet.

Bertram Brossardt, vbw-Hauptgeschäftsführer, legt die Fakten dar: „Vor allem die Länge und Härte des Winters sowie der weitere Erfolg beim Energiesparen werden für eine stabile Erdgasversorgung entscheidend sein.“

Vier Szenarien hat Prognos durchgespielt, um die Lage vorherzusagen. In die Berechnung sind sowohl die derzeit vorhandenen Erdgasvorräte und noch kommenden Liefermengen aus Staaten außerhalb Russlands eingeflossen als auch die möglichen Wintertemperaturen sowie das Sparverhalten der Verbraucher.

  1. Der Winter wird kalt – und wir sparen nur etwa 15 Prozent Erdgas im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch. Das ist das schlechteste Szenario in der Studie: 15 Prozent Reduktion reichen nicht bei kalter Witterung, gegen Ende des Winters würde bereits Gas fehlen. Zum Sommerbeginn wären die Speicher dann leer – und Gas könnte im Sommer knapp werden, wenn gleichzeitig Gas verbraucht und gespeichert werden muss.
  2. Der Winter wird kalt – aber wir sparen etwa 24 Prozent beim Gasverbrauch. In diesem Fall würden die Gasvorräte auch bei strengen Temperaturen ausreichen – immer vorausgesetzt, dass die Liefermengen aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien konstant bleiben und Deutschland ab dem Winter sogenanntes LNG-Gas über die extra errichteten neuen Terminals beziehen kann.
  3. Der Winter wird mild, wir sparen etwa 15 Prozent. Bei milder Witterung wird wenig geheizt. Bei entsprechendem Sparen dürfte das Gas in diesem Fall reichen.
  4. Der Winter wird mild, wir verbrauchen etwa 24 Prozent weniger Gas. Das wäre optimal: Es wäre den ganzen Winter genügend Gas da, und auch die neue Speicherperiode im Sommer würde mit einem guten Pluskonto starten.

Für Brossardt ist klar: „Alle müssen sparen!“ Das gilt für Unternehmen wie Privatverbraucher. Der Gasverbrauch müsse mindestens um ein Fünftel sinken. Zu Hause heißt das: Raumtemperatur senken! „Zusätzlich muss das Angebot an Energie ausgeweitet werden.“ So kann bei der Stromerzeugung stärker auf Gas verzichtet werden – und für die Industrie steht mehr zur Verfügung.

Denn hier führen Gasmangel und hohe Preise zu einem „ökonomischen Engpass“: Da einige Betriebe die hohen Preise nicht stemmen können, stellen sie die Produktion ein. Dies kann nach einer weiteren Prognos-Studie zu den ökonomischen Auswirkungen der Gasbilanz zu einer ernsten Gefahr für die deutsche Wirtschaft werden. Besonders betroffen sind die Ziegel- und Keramikbranche, Glas-Industrie sowie Stahlerzeugung. Weitere Branchen wären indirekt betroffen, wenn Zulieferteile fehlten. Brossardt forderte die Politik daher auf, die angekündigten Strom- und Gaspreissenkungen schnell umzusetzen.