Leipheim. Wurden die Hände nicht desinfiziert, bleibt der Durchgang zu. „Eine simple Lösung, aber effektiv“, sagt Markus Pfitzmaier. Der Produktmanager hat sich in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht, wie wir in Corona-Zeiten sicher einkaufen können. Der Mittdreißiger arbeitet für das Unternehmen Wanzl in Leipheim.

Der Hersteller von Einkaufswagen liefert Shop-Einrichtungen in alle Welt. Vor allem die Zutrittsanlagen aus Schwaben sind derzeit gefragt wie nie. Schleusen, Kameras, Software, Abstandshalter, alles wurde im Rekordtempo (weiter)entwickelt und an die neuen Erfordernisse angepasst. Für mehr Infektionsschutz beim Einkaufen, in Behörden und Büros, am Flughafen oder auch am Eingang zu Hotel und Fitnessstudio.

Eine Ampel am Eingang steuert, wie viele Kunden zeitgleich den Laden betreten dürfen

„Unser Ziel ist, die Mitarbeiter an solchen Orten sowie deren Kunden bestmöglich zu schützen“, so Pfitzmaier. Im Supermarkt etwa muss beim Betreten, drinnen und an der Kasse alles glattlaufen, damit es kein Gedränge gibt.

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Als andere noch in Quarantäne festsaßen, krempelte das Team die Ärmel hoch. Aus dem Stand wurden gleich mehrere neue Produkte auf den Markt gebracht. Sie alle helfen, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Nicht nur hier, sondern weltweit. Da heißt es flexibel sein, weil überall andere Vorschriften gelten.

Die Schleuse mit eingebauter Sprüh-Hygiene ist schnell installiert und wird bereits vielerorts eingesetzt. Ebenso das automatische Ampelsystem. Gekoppelt an spezielle stereoskopische Deckenkameras erfasst die Technik, wie viele Personen bereits im Laden sind. Je nach Anzahl gibt sie den Einlass frei – oder bittet per Botschaft auf einem Bildschirm noch um etwas Geduld. Dazu werden keine personenbezogenen Daten erhoben oder gespeichert. Pfitzmaier: „Die Kamera registriert lediglich Kopfform und Schulter der Person zum Auslösen eines Zählimpulses.“ Bei Bedarf lässt sich zudem eine Sprachansage zuschalten.

Am Flughafen misst das System die Körpertemperatur

Die Lösungen sind auch für die Anwendung abseits von Läden gedacht. Etwa für Flughäfen, die ebenfalls gute Kunden von Wanzl sind. Wo Kontrolle besonders wichtig ist, scannen Sensoren die Körpertemperatur.

An Pfitzmaiers Arbeitsplatz, der sich Corona-bedingt mal im Home- office, mal in der Firma befand, ging es zeitweise recht hektisch zu. „Es mussten schnell praktikable Lösungen her“, so der gelernte Elektrotechniker. „Eine Herausforderung war die Beschaffung“, sagt er. Bevor an Fertigung zu denken war, mussten erst mal Teile her: vor allem Elektronik, rasch und in hoher Qualität. „Da half unser gutes Netzwerk“, so der Wanzl-Mitarbeiter.

Entwicklung, Tests, Materialbestellung, so läuft das in der Regel. Nun musste alles parallel gehen. Das Team wurde kreativ, legte Extraschichten ein. Inzwischen wird regulär produziert.

Nebenbei entstand ein neuer Markt. „Die technischen Helfer werden sich etablieren“, ist Pfitzmaier überzeugt, „denn sie entlasten das Personal.“

Die Anlagen sind so ausgelegt, dass man sie später weiter einsetzen kann, „falls morgen wieder andere Regeln gelten“. Entfällt irgendwann wieder das Abstandsgebot, preist der Bildschirm zur Kundenzählung aus Corona-Zeiten eben neue Ware an.

Nachgefragt

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Durch meine Erfahrungen in Funkkommunikation und -navigation sowie im Retailgeschäft war die Position als Produktmanager für Zugangssysteme und digitale Lösungen perfekt.

Was reizt Sie am meisten?

Bei mir laufen viele Fäden zusammen. Die Aufgaben reichen von ersten Kundengesprächen bis zur Übergabe der fertigen Produkte. Wichtig ist aber auch die kontinuierliche Neuentwicklung auf Basis modularer Produkte.

Worauf kommt es an?

Der Bedarf an digitalen Lösungen steigt. Wir haben unsere Systeme seit mehreren Jahren darauf vorbereitet. Es ist schön zu sehen, dass sich dies nun in den heutigen Kundenanforderungen umsetzen lässt.