Corona und kein Ende: Die zweite Infektionswelle lähmt das Land erneut. Erstmals seit Mai steigt die Zahl der Kurzarbeiter wieder. Etwa zwei Millionen Menschen arbeiteten im November kurz, berichtet das Münchner Ifo-Institut. In der Metall-Industrie ist der Anteil der Betroffenen am höchsten. Die Krise dauert, und sie dürfte die Branche verändern. aktiv hat sich deshalb einmal bei Unternehmen der Region umgeschaut.

Salzgitter Maschinenbau AG

Salzgitter. Frank Leipelt ist Leiter der Logistik bei der Peiner SMAG Lifting Technologies. Ihn und seine fünfköpfige Abteilung hat das Virus kürzlich kalt erwischt. „Obwohl wir alle von Anfang der Pandemie an FFP2-Masken tragen und durch Plexiglas geschützt arbeiten“, erzählt er. Als sein Team positiv getestet wurde, „mussten wir die Abläufe im Versand schnell umorganisieren“.

Er und die Kollegen kamen in Quarantäne, „zu Hause musste ich auf der Couch schlafen“, berichtet Leipelt. „Meine Frau erlaubte nicht einmal, dass ich den Hund streichele.“ Seiner Firma spricht er ein Lob aus: „Die Geschäftsführung hat super reagiert. Desinfektion, Atemschutz, Tests, wir haben hier sehr gute Voraussetzungen.“

Corona hat Leipelt inzwischen gut überstanden, doch die SMAG bekommt die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch immer stark zu spüren. Denn die mächtigen „Peiner Greifer“, der Stolz des Traditionsunternehmens, sind derzeit weniger gefragt. Eingesetzt werden diese Greifer in Häfen, Müllverbrennungsanlagen, Stahlwerken oder Umschlagbetrieben. Doch da sind die Investitionen coronabedingt auf Eis gelegt. „In meiner Abteilung sind inzwischen wieder alle gesund, doch das Corona-Virus hinterlässt bei uns immer noch Spuren“, sagt Leipelt.

Kollege Detlef Seyffarth, Leiter der Instandhaltung, präsentiert jetzt einen riesigen Greifer. „Das ist verschleißfester Stahl“, erklärt er und zeigt auf einen sogenannten Seil-Greifer, der gerade im Hof der Fabrik aufgebaut ist. „Der ist vier mal fünf Meter groß“, sagt der 61-Jährige stolz. Seit 46 Jahren ist Seyffarth bei der Salzgitter Maschinenbau. „Heute sind die Greifer dreimal so groß wie früher. Wir bauen sie hier zusammen, dann demontieren wir sie für den Versand wieder teilweise, weil sie sonst nicht zu transportieren sind“, berichtet er. „Das machen wir heute in der Hälfte der Produktionszeit von früher.“

Howmet Aerospace

Hildesheim. Corona legt die Luftfahrt und deren Zulieferer lahm. Das bekommt auch die Howmet Aerospace in Hildesheim zu spüren. „Wir verzeichnen einen nie da gewesenen Einbruch bei Umsatz und Produktion“, sagt Geschäftsführer Jens Harde. „Für das nächste Jahr erwarten wir Ergebnisse schlimmer als zur Finanzkrise 2008 bis 2009.“ Harde rechnet frühestens 2025 mit einer Rückkehr auf das Vorkrisenniveau.

Howmet Aerospace liefert aus Hildesheim vor allem Schrauben an Airbus. Der Luftfahrt-Riese meldete zuletzt Umsatzeinbrüche von 27 Prozent und fuhr seine Produktion gewaltig zurück. Dass nun ein Impfstoff verfügbar ist, mache zwar Hoffnung, so Harde. Doch bis so viele Menschen geimpft seien, dass Reisen wieder möglich sei wie vor Corona, werde noch Monate dauern.

Selbst dann werde das Fluggeschäft nicht auf allen Gebieten wieder auf das alte Level kommen, glaubt Harde: „Business-Reisen wird es vielleicht nie mehr in dem Maß geben wie vor der Krise. Viele Firmen haben die Erfahrung gemacht, dass sie mit digitalen Besprechungen auch sehr gut klarkommen.“

Braunschweigische Maschinenbauanstalt

Braunschweig. Ende November vermeldet die Braunschweigische Maschinenbauanstalt (BMA) eine gute Nachricht: Eine neue Zuckerraffinerie soll in Bangladesch gebaut werden. Und die BMA übernimmt das Engineering, die Lieferung der Ausrüstungen und auch die Montage. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von 62 Millionen Euro und lastet einen Teil des Unternehmens bis ins Jahr 2023 aus.

Die BMA fertigt Maschinen für Zuckerhersteller und ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Das 167 Jahre alte Unternehmen hat große Erfahrung in Großprojekten und ist weltweit vernetzt. „Jede Maschine so einer Großanlage hat ihre eigenen Anforderungen“, sagt Vorstandschef Dirk Steinbrink.

Vor Corona waren die BMA-Spezialisten zuletzt in Usbekistan, Ägypten und China mit ähnlichen Projekten unterwegs. „Doch dann hat die Krise auch uns erheblich getroffen“, sagt Steinbrink. Das betrifft auch das Geschäft mit Zentrifugen. Die Auslastung in der Fertigung, angrenzenden Fachbereichen und bei Tochterfirmen ist auf zu geringem Niveau.

Langsame Erholung

Umfrage bei Metall- und Elektrobetrieben im Oktober 2020

  • 72 Prozent der Unternehmen erwarteten für das Jahr 2020 einen Umsatzrückgang.
  • 50 Prozent der Betriebe konnten im Herbst nicht sagen, wann sie wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.
Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

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