Hannover. Produzieren unter Corona-Bedingungen – im fernen Shenzhen in China praktiziert die Jäger Gruppe das bereits seit Mitte Februar. „Wir haben dort schon sehr früh einen Schutzplan für unsere Beschäftigten entwickelt“, berichtet Personalleiter Alexander Walter. Dieses Konzept lieferte die Blaupause für die Corona-Strategie in den Werken des Gummi- und Kunststoff-Spezialisten in Europa, den USA und Kanada. Bei den Beschäftigten in der Firmenzentrale kommt das gut an. Dem aktiv-Reporter schildern sie ihren Arbeitsalltag.

Hygiene-Konzept ist Routine

An die Vorkehrungen zum Schutz der Gesundheit hat sich Wilfried Jakobus, Kommissionierer im Logistikzentrum, längst gewöhnt. „Schutzmasken, Handdesinfektion, regelmäßiges Desinfizieren der Sozialräume – alles Alltag“, berichtet der 60-Jährige. „Aufträge und Aufgaben besprechen und bekommen wir online. Aber es ist schade, dass dabei die privaten Themen so kurz kommen.“ Dem Kommissionierer fehlt das Gespräch mit Kollegen. Seit fast 30 Jahren arbeitet er bei Jäger. Er weiß es zu schätzen, dass die Firma die Kurzarbeitertage so gleichmäßig wie möglich verteilt, damit die finanziellen Einschränkungen beim Einzelnen möglichst gering ausfallen. Jakobus: „Die soziale Einstellung bei uns ist top. Ich fühle mich hier pudelwohl.“

Ein Jahr ohne Hannover-Messe

So etwas hat Außendienstmitarbeiter Robert Gurka in 43 Berufsjahren bei Jäger noch nicht erlebt. Die Abnehmer in Maschinenbau, Nutzfahrzeug-Industrie oder Windbranche seien fast alle in Kurzarbeit. „Ohne Messe können wir nur schwer einschätzen, wie die Erwartungen in den Kundenbranchen sind. Persönliche Besuche sind auf ein Minimum reduziert“, berichtet der 60-Jährige. Web-Konferenzen werden für ihn immer mehr zur Normalität. „Die Digitalisierung wird zunehmen“, sagt Gurka. „Trotzdem bleibt der persönliche Kontakt sehr wichtig. Man muss die Werkstoffe praktisch vorstellen und anfassen können. Das geht nicht online.“

Mehr zum Thema

In der Corona-Krise stecken für Forschung und Lehre auch Chancen

TH Mittelhessen: Chef-Interview mit Professor Matthias Willems

mehr

Ausbildung per Homeschooling

Für die angehende Industriekauffrau Sabine Burchard ist das jetzt Alltag. Statt beim Blockunterricht in der Berufsschule lernt sie nun zu Hause. „Anfangs war es etwas chaotisch, aber es funktionierte schnell ganz gut“, sagt die 27-Jährige. „Wir haben mit der ganzen Klasse Videokonferenzen gemacht. Das war absolut cool.“

Morgens um sechs an die Mails

So beginnt für Vertriebsmitarbeiterin Nora Badura der Arbeitstag. Die zweieinhalbjährige Tochter schläft da noch. Ab 7.30 Uhr dann ist die Mutter den Vormittag für die Kleine da. Mittags kehrt die 37-Jährige zurück an Schreibtisch und Telefon. „Mein Mann und ich sind beide im Homeoffice. Wir teilen uns oft die Betreuung unserer Tochter“, erzählt sie. „Das Kind sollte natürlich immer an erster Stelle stehen. Aber bei Telefonkonferenzen funktioniert das leider nicht immer optimal.“ Dann plage sie schon mal ein schlechtes Gewissen. Badura ist seit acht Jahren bei der Jäger Gruppe. „Die Firma zeigt großes Verständnis für die Mitarbeiter“, findet sie. Von Bekannten wisse sie, dass das nicht in jedem Unternehmen so ist.