Das Wichtigste auf einen Blick

  • Minderjährige Kinder dürfen nicht selbst darüber entscheiden, wo sie wohnen. Die Eltern haben das Aufenthaltsbestimmungsrecht.
  • Volljährige Kinder können die Finanzierung einer eigenen Wohnung verlangen, wenn sie noch unterhaltsberechtigt sind und in weiterer Entfernung eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren.
  • Wollen die erwachsenen Kinder nicht ausziehen, dürfen die Eltern sie nicht einfach auf die Straße setzen. Finden sie keinen Kompromiss, können sie auf Räumung klagen.

Manchmal wollen Jugendliche bereits ausziehen, obwohl sie noch nicht erwachsen sind. In anderen Familien gefällt es den längst erwachsenen Kindern im Hotel Mama so gut, dass sie keinerlei Drang spüren, sich auf die eigenen Füße zu stellen. Immerhin wohnte 2023 noch ein Viertel der 25-Jährigen im Elternhaus.

Müssen die Eltern ihren Kindern eine eigene Wohnung finanzieren?

Ob die Eltern den Kids eine Wohnung bezahlen müssen, hängt von zwei Voraussetzungen ab:

  • dem Alter des Kindes und
  • eventuell bestehenden Unterhaltsansprüchen.

Sind die Kinder noch minderjährig, ist die Rechtslage einfach: „Bis zum Alter von 18 Jahren haben die Eltern das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Kinder“, sagt Undine Krebs, Fachanwältin für Familienrecht in München. Das heißt, sie bestimmen, wo das Kind wohnt. Sie sind verpflichtet, für Unterkunft und Verpflegung zu sorgen (Naturalunterhalt). Dies geschieht in aller Regel im eigenen Haushalt.

Will ein minderjähriges Kind ausziehen, kann es somit nicht verlangen, dass die Eltern die Wohnkosten übernehmen.

Wann dürfen die Kinder ihren Wohnort selbst bestimmen?

Anders sieht es aus, wenn der Nachwuchs volljährig ist. Mit dem 18. Geburtstag entfällt für die Eltern das Sorgerecht für die Kinder. „Damit sind die Kinder grundsätzlich berechtigt, selbst zu bestimmen, wo sie wohnen“, erklärt Anwältin Krebs. 

Muss der Unterhalt für die erwachsenen Kinder in Geld geleistet werden? 

Ob die Eltern den Wunsch nach einer eigenen Wohnung aber finanziell fördern müssen, steht auf einem anderen Blatt. Dafür müsste der Nachwuchs noch Anspruch auf Unterstützung durch die Eltern haben. Denn prinzipiell sind volljährige Menschen für den eigenen Lebensunterhalt verantwortlich.
Allerdings müssen die Eltern für ihren Nachwuchs aufkommen, wenn sich die erwachsenen Kinder noch in

Dabei muss das Recht auf Unterhalt nicht zwingend mit Geld erfüllt werden: „Die Eltern haben die Wahlmöglichkeit, ihren Pflichten auch weiterhin mit Sachleistungen in Form von Kost und Logis nachzukommen. So sollen ihre finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt werden.“ Zum Beispiel, wenn die Ausbildung oder das Studium in der Nähe absolviert werden.

Krebs: „Ist Pendeln möglich, können die Eltern ihre Unterhaltspflichten auch erfüllen, indem sie Sohn oder Tochter weiter zu Hause wohnen lassen, sie dort verpflegen und eventuell zusätzlich einen Geldbetrag für die weiteren Bedürfnisse zur Verfügung stellen“, zum Beispiel für Freizeitgestaltung, Fahrtkosten oder Kleidung.

Der lange Weg in den Beruf

Azubis sind langfristig betrachtet immer älter, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Dies stellt das Bundesinstitut für Berufsbildung in seinem Datenreport zum Berufsbildungsbericht fest. Das Durchschnittsalter der neuen Azubis liegt derzeit bei 20 Jahren. Einer der Gründe ist, dass immer mehr junge Menschen mit Abitur eine Berufsausbildung beginnen. Bei ausländischen Azubis liegt das Durchschnittsalter mit 22,5 Jahren deutlich über dem Gesamtdurchschnitt – ein Hinweis auf Bildungsverläufe mit Umwegen.

Auffällig ist zudem der Unterschied zwischen den Bundesländern (Durchschnittsalter der Azubis beim Berufsstart in Bayern und Sachsen: 19 Jahre; in Berlin und Hamburg: 22 Jahre). Dies hängt mit dem Schulabschluss zusammen: In Bayern liegt der Anteil der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss an den Azubis wesentlich höher als im Bundesdurchschnitt. In den ostdeutschen Bundesländern spielt der mittlere Schulabschluss traditionell eine größere Rolle.  

Interessant: Der Anteil der mindestens 24-Jährigen, die eine Ausbildung beginnen, ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen und liegt nun bei gut 13 Prozent. Zwar ist der Anteil der mindestens 40-Jährigen (!), die einen beruflichen Neuanfang wagen, sehr gering (zuletzt: 0,5 Prozent). Doch 2022 waren dies immerhin 2145 Personen, etwa doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Müssen die Eltern Volljährigen eine eigene Wohnung finanzieren?

Eltern müssen ihren volljährigen Sprösslingen den Wunsch, ihnen die Wohnung zu bezahlen, auch dann nicht zwingend erfüllen, wenn es Konflikte gibt. Die Expertin betont, es müssten schon ganz „erhebliche Zerwürfnisse“ vorliegen, damit die Kinder die Finanzierung einer eigenen Unterkunft verlangen können, obwohl sie eine Ausbildung in Elternhaus-Nähe absolvieren.

Anderes gilt, wenn Ausbildung oder Studium an einem entfernten Ort stattfindet: Unter diesen Umständen haben die Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten. Dessen Höhe orientiert sich an den Bestimmungen der sogenannten Düsseldorfer Tabelle beziehungsweise den jeweiligen unterhaltsrechtlichen Leitlinien. Sie regeln die Unterhaltsansprüche von Kindern.

Was kann ich tun, wenn meine erwachsenen Kinder nicht ausziehen wollen?

Manchmal wünschen sich die Eltern, dass die flügge gewordenen Kinder das heimische Nest verlassen. Zwei Beispiele: Der Nachwuchs feiert ständig Partys oder beteiligt sich nicht an der Haushaltsarbeit.

In solchen Fällen können die Eltern ihre Kinder dazu auffordern, sich eine eigene Bleibe zu suchen. Denn mit dem 18. Geburtstag verlieren die Kinder das Wohnrecht im elterlichen Haushalt, so Juristin Krebs.

Einfach vor die Tür setzen dürfen die Eltern Sohn oder Tochter dennoch nicht: „Zeigt sich das Kind unwillig auszuziehen und alles gute Zureden hilft nicht, bleibt den Eltern nur eine Klage vor Gericht, um den Auszug zu erzwingen.“

Wer bei der Ausbildung trödelt, riskiert den Unterhalt in Form des Wohnrechts

Solange es in Ausbildung ist, müssen die Eltern grundsätzlich für ihr Kind aufkommen. Es soll jedoch den Abschluss nicht immer wieder durch Abbrechen und Neuanfangen von weiteren Studien- oder Ausbildungsgängen mutwillig verzögern.

Krebs erklärt: „Obwohl die Gerichte wohlwollend urteilen und den jungen Menschen den einen oder anderen Irrtum bei der Wahl der Ausbildungsrichtung und einen Neubeginn zugestehen, können diese ihren Unterhaltsanspruch während der Ausbildungsphase verlieren, wenn es nachhaltig nicht weitergeht.“ 

Kann ich von meinem volljährigen Kind Miete verlangen?

Jobbt das Kind in größerem Umfang und verdient damit gut oder bezieht es eine besonders hohe Ausbildungsvergütung, sind die Eltern nicht mehr verpflichtet, für dessen Unterhalt zu sorgen – weder mit Geld noch in Form von Kost und Logis. „Wollen sie, dass das Kind Miete oder eine Nutzungsentschädigung für das Wohnen im elterlichen Haushalt zahlt, müssen sie ihr Kind dazu klar und nachweisbar auffordern, also am besten schriftlich“, sagt die Juristin.

Übrigens gilt das selbst dann, wenn die Eltern in einer bereits abgezahlten Immobilie wohnen. Weigern sich Sohn oder Tochter, Miete zu zahlen, könnten die Eltern auf Räumung klagen. 

Welche Pflichten sollte ein erwachsenes Kind haben, das zu Hause lebt?

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass sich die erwachsenen Kinder an der Haushaltsführung beteiligen. Aber rein rechtlich haben sie allein aufgrund dessen keine Pflichten.

Die Frage, welche Aufgaben sie übernehmen sollten, ist daher eher ein pädagogisches Problem. Ob sie sich beispielsweise bei der Hausarbeit beteiligen sollen, können Eltern und Nachwuchs nur gemeinsam aushandeln.

Waltraud Pochert
Autorin

Waltraud Pochert hat bei aktiv vor allem Verbraucherthemen aus dem Bereich der privaten Finanzen sowie Recht und Steuern im Blick. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln startete sie ihre berufliche Laufbahn bei einem großen Wirtschaftsmagazin, bevor sie als freie Journalistin tätig wurde. In ihrer Freizeit ist sie gern sportlich unterwegs, vor allem mit dem Fahrrad.

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