Köln. Wohnmobile sind gefragter denn je: In Corona-Zeiten ermöglichen sie Urlaubsfahrten ohne allzu viele Kontakte – ein Grund, warum die Nachfrage in letzter Zeit stark gestiegen ist. Wer schon ein Wohnmobil besitzt, hat daher gute Chancen, damit jetzt etwas Geld zu verdienen. Und wer als Urlauber bei professionellen Vermietern nicht fündig wird, freut sich ebenfalls über diesen Markt-Trend: das private (Ver-)Mieten von Wohnmobilen.

Mittlerweile gibt es diverse Online-Portale, über die private Eigentümer ihre Gefährte tageweise vermieten können. Schließlich nutzt kaum jemand sein Wohnmobil pausenlos selbst. Wichtig: Die Portale treten nur als Vermittler auf und überlassen alle weiteren Vereinbarungen den Mietparteien.

Welches Wohnmobil soll es sein: Kastenwagen Marke Eigenbau – oder neuer Edelcamper?

„Wir haben in der Hochsaison 2021 mehr als doppelt so viele Nächte vermietet wie in der Sommersaison vor der Pandemie“, heißt es zum Beispiel beim Berliner Anbieter Paulcamper, der schon seit 2013 am Markt ist und alle möglichen Wohnmobile im Angebot hat. Auch bei Mitbewerbern wie Yescapa oder Campanda gibt es quasi alles – vom selbst ausgebauten Kastenwagen älteren Baujahres für 70 Euro pro Nacht bis zum neuen Edelcamper für 220 Euro.

726.000 Wohnmobile waren im Herbst 2021 in Deutschland zugelassen.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

Laut Rechtsexpertin Petra Gorisch vom ADAC Nordrhein funktioniert das System durchaus. Wenngleich die Preise nicht zwangsläufig unter denen professioneller Vermieter lägen: Vergleichen lohne sich also.

Zu den Vorteilen von Paulcamper und Co. zähle die große Flächenabdeckung, sagt Gorisch: Unter Umständen finde sich das passende Wohnmobil gleich um die Ecke. Und so manchen Camper spreche es an, im ganz individuell ausgestatteten Wohnmobil zu verreisen.

Die Vermieter stellen ihre Fahrzeuge jeweils selbst auf den Portalen vor, legen die Preise individuell fest und weisen auf besondere Bedingungen hin. Potenzielle Mieter und Vermieter treten dann direkt miteinander in Kontakt und schließen ihren Vertrag auf Basis von Muster-Formulierungen.

Nur die Zahlungen werden über die Portale abgewickelt. Paulcamper zum Beispiel behält als Provision 15  Prozent des Preises ein. Für die Mieter kommen meistens vierstellige Kautionszahlungen hinzu, die direkt an den Vermieter zu übergeben sind, sowie Kosten fürs Benzin oder für Extrakilometer, wenn ein Tageslimit vereinbart worden ist.

Keine Wohnmobil-Tour ohne Vollkasko und Pannenschutzbrief!

Versicherungen sind meistens im Mietpreis enthalten. Ohne Vollkasko-Versicherung und Pannenschutzbrief sollte jedenfalls niemand losfahren, warnt die Expertin. Zudem sollten in einem Übergabeprotokoll bereits vorhandene Schäden dokumentiert werden, bevor die Reise losgeht.

Einen der größten Unterschiede zu professionellen Verleihern, die zumeist neue Fahrzeuge anbieten, sieht Rechtsanwältin Gorisch in der Bandbreite der Angebote. Manches Wohnmobil habe 20 bis 30 Jahre auf dem Buckel, das Risiko eines Defekts sei da größer als bei neuen Fahrzeugen. Auch die Sauberkeit und die Übergabe-Modalitäten sind weniger standardisiert als bei gewerblichen Vermietern. Vor allem Camping-Neulinge sollten sich deshalb das gemietete Fahrzeug gut erklären lassen. „Wichtig ist auch, dass der Mieter im Notfall einen Ansprechpartner hat, den er im Zweifel während des Mietzeitraums anrufen kann.“

Tobias Christ
Autor

Nach seinem Germanistik-Studium in Siegen und Köln arbeitete Tobias Christ als Redakteur und Pauschalist bei Tageszeitungen wie der „Siegener Zeitung“ oder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit schreibt er als freier Journalist Beiträge für Print- oder Onlinemedien. Für aktiv recherchiert er vor allem Ratgeberartikel, etwa rund um die Themen Mobilität und Arbeitsrecht. Privat wandert der Kölner gern oder treibt sich auf Oldtimermessen herum.  

 

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