Wasser kommt immer aus dem Hahn oder dem Duschkopf, bis jetzt. Doch in Zukunft könnte auch diese natürliche Ressource knapp und damit teurer werden. Jeder Einzelne muss dafür zwar nicht eine Wasserstrategie entwickeln, so wie es derzeit das Bundesumweltministerium tut. Aber: Eine Idee, wie man mit Wasser ressourcenschonender umgeht, sollte man schon haben. Schließlich wird es mit viel Sorgfalt und Aufwand aufbereitet. Einfach laufen lassen ist da eher Verschwendung. Wie man ihr begegnen kann und obendrein den Geldbeutel schont, erklärt Matthias Zeuner-Hanning, Umweltexperte der Verbraucherzentrale Bayern.

aktiv Podcast, Folge 10: Geht uns das Wasser aus?

Die Sommer, in denen viel zu wenig Regen fällt, häufen sich. Auch der Sommer 2022 gehört dazu. Es ist zu trocken. Und das hat Folgen für Industrie, Landwirtschaft und Verbraucher. Ein Beispiel: Schiffe können über Wasserwege nicht mehr problemlos Materialien transportieren. Also steigen die Preise für viele Produkte weiter. Und auch im Wald kann man die dramatischen Folgen der Dürre beobachten. Uli Halasz bringt seine Eindrücke aus dem Diersfordter Wald bei Wesel mit. Der aktiv-Reporter spricht mit Nadine Bettray über mögliche Lösungen und warum sogenannte Schwammstädte für eine bessere Wassernutzung in Ballungsgebieten sorgen können. 

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Baden und duschen lassen die Wasseruhr rasen

„In Deutschland stieg der Wasserverbrauch je Einwohner 2020 – vermutlich aufgrund der Corona-Pandemie – um 4 Liter auf 129 Liter Wasser am Tag“, weiß Zeuner-Hanning. Lediglich 4 Prozent des aufbereiteten Trinkwassers werden zum Kochen oder Trinken verwendet, die größten Verbräuche im Haushalt entstehen beim Baden und Duschen, durch die Toilettenspülung und beim Wäschewaschen.

Gewohnheiten ändern und so Sparpotenzial nutzen

Im Bad lässt sich also das meiste Wasser sparen. Und das ganz ohne irgendwelchen Zusatzaufwand. Das fängt mit der Nutzung eines Zahnputzbechers an, anstatt während der Zahnreinigungsprozedur das Wasser laufen zu lassen. Das gilt auch fürs Händewaschen. Da muss beim Einseifen der Hände nicht gleichzeitig das Wasser sprudeln. Sehr praktisch sind dafür die sogenannten Einhandhebelmischer statt Wasserhähne zum Drehen.

Noch mehr Wasser sparen lässt sich, wenn man duscht, statt ein Vollbad zu nehmen. Für eine volle Wanne werden etwa 150 Liter gebraucht, unter der Dusche benötigt man je nach Duschkopf zwischen 10 und 20 Liter pro Minute. „Das allein spart bei einer Fünf-Minuten-Dusche gegenüber dem Wannenbad 50 bis 100 Liter Wasser“, so Zeuner-Hanning. Tägliches Duschen sei aus hygienischen Gründen auch nicht wirklich notwendig und strapaziere zudem die Haut. „Jeden zweiten Tag zu duschen, reicht vollkommen aus.“

Sparduschkopf verringert Wasserverbrauch

Auch unter der Dusche lässt sich durchaus weitersparen. „Etwa durch den Einsatz sogenannter Sparduschköpfe mit einem Wasserdurchfluss pro Minute von neun Litern oder weniger. Sie reduzieren den Wasserverbrauch so um bis zu 50 Prozent und sind für etwa 20 Euro erhältlich“, erklärt Zeuner-Hanning. Der Wasserstrahl der Sparbrausen fühlt sich – durch die Beimischung von Luft – genauso angenehm an wie bei den nicht sparsamen Modellen. Ergänzen kann man die sparsame Technik durch das eigene umsichtige Verhalten. Für die Zeit des Shampoonierens oder Einseifens die Dusche abstellen und erst wieder anstellen, wenn man sich abbrausen will.

Übrigens: Ob sich ein Sparduschkopf lohnt, lässt sich schnell über das sogenannte Auslitern feststellen. „Dafür benötigt man einen Zehn-Liter-Eimer und eine Stoppuhr“, so der Experte. Der Eimer wird über den Duschkopf befüllt. Die Dusche wird dabei nur so weit auf- und so warm eingestellt, wie man normalerweise auch duschen würde. Per Stoppuhr wird dann die Zeit festgehalten, die es braucht, um den Zehn-Liter-Eimer zu füllen. Dann stellt man folgende Rechnung auf: 60 Sekunden mal zehn Liter, geteilt durch die gestoppte Zeit. Das Ergebnis ist die Schüttmenge in Litern pro Minute. Liegt sie bei mehr als neun Litern pro Minute, sollte man über einen Sparduschkopf nachdenken.

Beim Waschmaschinenkauf auf die Größe achten

Sparpotenzial birgt auch die Waschmaschine. Sieben, acht, neun Kilo Wäsche fassen neuere Modelle. Wer ein zu großes Volumen wählt, wäscht eher mal auch mit nicht gefüllter Trommel und verschwendet so Wasser und Energie. Also: „Nur volle Maschinen in Gang setzen, auf Vorwäsche verzichten und beim Neukauf die kleinstmögliche Maschine, die zur anfallenden Wäschemenge passt, wählen“, sagt der Experte aus München.

Dichtung am Wasserhahn austauschen

Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist, soll in diesem speziellen Fall heißen: Selbst tropfende Wasserhähne bergen ein nicht zu unterschätzendes Einsparpotenzial. Denn ein leckender Hahn bringt es innerhalb von 24 Stunden auf rund zehn Liter Wasser, die nutzlos verschwinden. Dabei reicht zur Lösung des Problems der Austausch der Wasserhahn-Dichtung, die nur wenige Cent kostet.

Wasserstopp-Tasten für die Toilettenspülung

„Täglich jagen wir eimerweise Trinkwasser durch die Klospülung“, weiß Zeuner-Hanning. Meistens unnötigerweise. Denn ein wassersparender WC-Spülkasten bringe mit weniger Wasser die gleiche Leistung. „Alte Spülkästen können außerdem mit Wasserstopp-Tasten aufgerüstet werden. Preis: etwa 5 bis 15 Euro.“

In der Küche kann ebenfalls gespart werden. Beispielsweise, indem man Gemüse nicht unter fließendem Wasser säubert, sondern in einer Schüssel. Und für ein, zwei Tassen Tee muss man den Wasserkocher nicht randvoll füllen. Die benötigte Menge Wasser einfach vorher mit der Tasse abmessen – das spart zugleich noch Strom beim Erhitzen. Und wer sich nach neuen Küchengeräten umsieht, sollte beim Neukauf auf die Energieeffizienz und den Wasserverbrauch achten.

Kostenloses Gießwasser gibt es aus der Regentonne

Für Garten- und Grundstückbesitzer tun sich noch mehr Einsparmöglichkeiten auf. „Rasensprengen ist nur bei extremer Trockenheit nötig“, sagt Zeuner-Hanning. Es sollte ausschließlich morgens oder abends geschehen, um die Verdunstung zu reduzieren. Wer Regentonnen aufstelle, habe außerdem kostenloses Gießwasser zur Hand! Noch ein Tipp vom Fachmann: „Wer auf seinem Grundstück das Versickern weitgehend ermöglicht, kann von den Gebühren für Niederschlagswasser befreit werden. Auskunft gibt die zuständige Verwaltung der Kommune.“

Grauwasser nutzen

Interessant in Sachen Wassersparen sind für Eigenheimbesitzer auch sogenannte Grauwasser-Anlagen, mit denen sich die Wasserkosten erheblich reduzieren lassen. Grauwasser ist die Bezeichnung für leicht verschmutztes Wasser, das zum Duschen, Baden oder Händewaschen genutzt wurde.

Um dieses Wasser zu nutzen, muss jedoch zunächst investiert werden. Es wird in einem speziellen Behälter gesammelt und in einer zweistufigen Aufbereitung zuerst biologisch gereinigt und schließlich per Membranfiltration noch mal gereinigt. Dieses Wasser eignet sich beispielsweise für die Toilettenspülung, die Waschmaschine oder zur Gartenbewässerung.