Was unterscheidet eigentlich wandern von einem Spaziergang? Die Länge der Zeit, die gelaufen wird! Das hat eine 2010 veröffentlichte Untersuchung des Europäischen Tourismus Instituts an der Uni Trier im Auftrag des Deutschen Wanderverbands herausgefunden.

Die durchschnittliche Dauer eines Spaziergangs wird nach den Angaben aus der Gesamtbevölkerung mit knapp 1,5 Stunden errechnet. Eine Wanderung dauert durchschnittlich 2 Stunden und 39 Minuten. Wanderer – übrigens ist die Hälfte der Deutschen von diesem Virus infiziert – absolvieren im Durchschnitt rund zehn Touren pro Jahr.

Wandern als Wirtschaftsfaktor: In Deutschland hängen 150.000 Jobs von den Wandergesellen ab

Die beliebtesten innerdeutschen Ziele für Wanderurlaube liegen mit 47 und 17 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg. Grund: der Wald. Auch volkswirtschaftlich ist der Wanderspaß einträglich: Etwa 150.000 Arbeitsplätze und 7,5 Milliarden Euro Umsatz hängen von den Wandergesellen ab.

Zur besseren Orientierung hat der Deutsche Wanderverband übrigens drei Prädikate entwickelt: Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland, Qualitätsweg Wanderbares Deutschland sowie das Deutsche Wandersiegel.

Von Sachsen über Niedersachsen bis Bayern: Es gibt 200.000 Kilometer befestigte Wanderwege in Deutschland

Überdies bewerten Organisationen wie der ADAC, das Wandermagazin oder der Alpenverein regelmäßig die rund 200.000 Kilometer befestigter Wanderwege im Land. Die 15 angesagtesten Wege Deutschlands kooperieren unter der Marke "Top Trails of Germany". Hier einige Tipps von uns.

Immer eine Reise wert: Der Goldsteig in Bayern

Deutschlands längster zertifizierter Wanderweg weist stolze 660 Kilometer Länge auf. Start ist in Marktredwitz in der Oberpfalz, das Ziel liegt in der Drei-Flüsse-Stadt Passau (Bild), ebenfalls in Bayern. Seit kurzem gibt es einen Parallelweg durch Tschechien, der den Kreis Pilsen und Südböhmen durchzieht. Auf deutscher Seite durchwandert man fünf Naturparks sowie den Nationalpark Bayerischer Wald. In dessen Kernzone kann sich die Natur frei entfalten. Insgesamt weist der Goldsteig 38 Etappen auf. Sie führen an Gipfeln wie dem Lusen oder dem Großer Falkenstein vorbei. Seinen Namen erhielt der Goldsteig einerseits als Handelsweg von weißem Gold (Salz), andererseits wurde in der Gegend früher tatsächlich Gold geschürft. Der Wanderweg gehört zu den "Top Trails of Germany".

goldsteig-wandern.de

Wandern auf dem ältesten aller deutschen Wanderwege: Der Rennsteig in Thüringen und Bayern

Vor rund 700 Jahren ist Deutschlands ältester Wanderweg, der Rennsteig, erstmals urkundlich erwähnt worden. Die Reise auf dem Kamm des Thüringer Waldes ist 169 Kilometer lang und in acht Etappen unterteilt. Gute Ausrüstung und Allwetterkleidung sind auf der Strecke von Hörschel bei Eisenach nach Blankenstein – mit Abstechern nach Franken – empfohlen. „Bei uns gibt es zwei Jahreszeiten“, witzeln die Einheimischen, „Winter und strenger Winter“. Die Route bietet neben viel Natur jede Menge Sehenswürdigkeiten. Etwa die Wartburg bei Eisenach (Bild), mit Oberhof Thüringens bekanntesten Wintersportort, die Glasbläserstadt Lauscha, das Biosphärenreservat Vessertal… Mitte Mai bietet der Rennsteiglauf jedes Jahr mit 15.000 Läufern aus aller Welt ein beeindruckendes Spektakel. Der Rennsteig ist zudem für seine Wintersportangebote bekannt. Die Route besitzt das Zertifikat „Qualitätswanderweg Wanderbares Deutschland“.

rennsteig.de

Deutschlands schönste Wandertour 2015: Der Eifelsteig in Nordrhein-Westfalen, Belgien und Rheinland-Pfalz

Feuer und Wasser haben sie geschaffen, der Wind hat sie geschliffen. So heißt es von der Eifel, dem malerischen und abwechslungsreichen Landstrich zwischen Aachen und Trier. Der Dom und die Porta Nigra sind auch Start- und Zielpunkt des 313 Kilometer langen Fernwanderwegs Eifelsteig. Insgesamt warten 15 Etappen mit 14 bis 28 Kilometer Länge auf naturbegeisterte und kulturell interessierte Wanderfreunde. Die Reise geht durch alle Landschaftsformen der Eifel: Moor- und Heidelandschaft, felsige Täler mit Stauseen und dem Nationalpark Eifel. Hinzu kommen die Kalkeifel sowie die Kegel und Maare der Vulkaneifel (Bild). Viel zu sehen gibt es etwa in der Tuchmacherstadt Monschau, im Kloster Steinfeld mit seiner Basilika aus dem 12. Jahrhundert oder auf der Burg Kerpen. Krimifreunde sollten länger in Hillesheim verweilen, im Cafè Sherlock etwa oder im Krimihotel. 2015 wählten die Leser der Fachzeitschrift Wandermagazin den Eifelsteig zu Deutschlands schönstem Wanderweg.

eifelsteig.de

Heidekraut und Flussauen: Der Heidschnuckenweg von Hamburg nach Niedersachsen

Von Hamburg nach Celle? Klingt nicht besonders spannend. Weit gefehlt! Auf den 13 Tages-Touren des Heidschnuckenwegs durch Heide, Flussauen, Wälder und pittoreske Heidedörfer kommt der Wanderer aus dem Staunen nicht mehr heraus. Etwa im August und September, wenn die Erika blüht (Bild). Oder über den hohen Himmel in der weitläufigen, meist flachen Landschaft. Nicht umsonst wählten 2014 die Leser des Wandermagazins den nach einer robusten Schafrasse benannten „Top Trail of Germany“ zur schönsten Route Deutschlands. Ausnehmend schön zu jeder Jahreszeit ist zum Beispiel der Totengrund einen Kilometer südöstlich von Wilsede, mitten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Der Talkessel gehört zu den meistfotografierten Orten auf der Tour. Ebenfalls malerisch sind der 129 Meter hohe Brunsberg mit dem Rundumblick über die Heide oder die Weseler Heide mit den Pastorenteichen.

heidschnuckenweg.de

Natur als Motiv für berühmte Maler: Auf dem Malerweg durchs Elbsandsteingebirge in Sachsen wandern

Seinen Namen hat der 112 Kilometer lange und recht anspruchsvolle Malerweg ganz zurecht erhalten: Viele deutsche und europäische Maler setzten im 19. Jahrhundert die prächtige, bizarre Natur des Elbsandsteingebirges in Szene. Beispielsweise auch Casper David Friedrich, der hier das berühmte Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ schuf. Auf den acht vorgeschlagenen Etappen von „Deutschlands schönster Wanderweg 2007“ führt die Reise von Liebethal über Stadt Wehlen und Schmilka bis nach Pirna. Geprägt ist der Malerweg von romantischen tiefen Felsschluchten, wilden Felsgebilden und atemberaubenden Aussichten. Unterwegs warten zudem mit Bastei und Brücke das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, die Festung Königstein (Bild) und die Kurstadt Bad Schandau an der Elbe. Hier findet sich auch ein Anleger der Weißen Flotte – Raddampfer, die bei ausreichend Wasser die Elbe entlang schippern.

saechsische-schweiz.de/malerweg

Wandern durch tiefen dunklen Wald: Der Albsteig im Schwarzwald

Reichlich 83 Kilometer ist er lang, aber 2722 Höhenmeter sind auf dem Albsteig Schwarzwald entlang der Alb von Albbruck im Rheintal bis an den Feldberg zu bewältigen. Dort lohnt sich ein Besuch der Aussichtsplattform des Feldbergturms (Bild), einem ehemaligen Rundfunkturm. Auf dem Wanderweg geht es weiter durch wildromantische Schluchten, die sich mit Weitblicken über schier unendliche Tannenwälder abwechseln. Obendrein gibt es eine Teufelsküche, zahlreiche Wasserfälle und mit Ziegen bestückte Hochtäler zu bestaunen. Und jede Menge urige Gasthäuser, bei deren Küche der Wanderer echt aufpassen muss, rechtzeitig weiter zu gehen. Je nach Fitness werden drei sportliche oder fünf Genießer-Etappen vorgeschlagen. Der 2017 neu eröffnete Wanderweg trägt das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ vom Deutschen Wanderverband. Und: Die Leser des trekking-Magazins haben im Frühjahr 2019 den Albsteig zur beliebtesten Wanderung 2018 gewählt.

albsteig.de

Wanderwege über unbewaldete Höhenzüge: Der Hochrhöner durch Bayern, Hessen und Thüringen

„Auf den höchsten Höhn der Rhön tobte einst ein Zyklön. Er kam niemals wieder. Warum auch – war nichts mehr zu sehn.“ So hübsch dieser freche Limerick ist, so falsch ist er auch. Das kann der geneigte Wanderer auf dem „Top Trail of Germany“ Hochrhöner zwischen Bad Salzungen (Thüringen) und Bad Kissingen (Bayern) rasch erkennen. Die rund 180 Kilometer lange Route zeichnet sich vor allem durch viele Etappen über unbewaldete Höhenzüge des Mittelgebirges Rhön aus, durch weite Blicke über stille Landschaften. Der Höhepunkt der Tour ist mit der 950 Meter hohen Wasserkuppe (Bild) der höchste Berg der Rhön im hessischen Landkreis Fulda. Auf der „Wiege des Segelflugs“ gibt es nicht nur beste Aussichten, sondern auch eine Sommerrodelbahn und ein Segelflugmuseum.

rhoen.de

Burgruinen und keltische Siedlungen: Der Frankenalb-Panoramaweg in Bayern

Mit 60 Kilometern Länge ist der Frankenalb Panoramaweg, der früher Ulrich-von-Königstein-Weg hieß, recht kurz. Allein das ständige Bergauf und Bergab im Nürnberger Land zehrt an den Kräften. Insofern benötigt man für die fünf Etappen ordentliche Wanderschuhe. Los geht es in Engelthal durch einen schönen Mischwald zur Ruine des Oedenschlosses und zur Teufelskeller-Schlucht. Diese erste Etappe fasst auch prima zusammen, was den Frankenalb-Panoramaweg auszeichnet: herrliche Natur und eine Menge steingewordener Geschichte. So etwa folgen noch einige Burgruinen, inklusive der renovierten Burgruine Lichtenegg (Bild), sowie die Reste einer spätkeltischen Siedlung. Seit 2010 trägt der Wanderweg das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“.

frankentourismus.de

Mitten durch die Weinberge: Der Moselsteig in Rheinland-Pfalz

Das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ und das europäische Wandersiegel „Leading Quality Trail – Best of Europe“ kann der im April 2014 eröffnete Moselsteig vorweisen. Startpunkt für die 24 Etappen auf der 365 Kilometer langen Route ist der deutsch-französisch-luxemburgische Grenzort Perl an der Obermosel. Entlang der Mosel führen die oftmals fordernden, aber sehr abwechslungsreichen Wege. Vorbei an steilen Weinbergen, bezaubernden Ortschaften, Zeugen der Geschichte wie etwa die Burg Landshut bei Bernkastel-Kues, die Reichsburg Cochem und Burg Eltz. Ziel der Route ist das Deutsche Eck in Koblenz (Bild). Natürlich bietet die Tour ausreichend Gelegenheit, sich mit den Ergebnissen der 2000-jährigen Weinbautradition an der Mosel auseinanderzusetzen. Nach der Tagestour…

moselsteig.de

Auf den Spuren der Römer und Kelten: Der Altmühltal-Panoramaweg in Bayern

Wildromantische Felslandschaften, sonnige Wacholderheiden oder sattgrüne Buchenwälder: In Sachen Natur hat der Altmühltal-Panoramaweg südlich von Nürnberg (Bild) sehr viel Abwechslung vorrätig. Die Route ist 200 Kilometer lang und in 15 Tagesetappen zwischen 11 und 32 Kilometer Länge unterteilt. Dazu gibt es viele sogenannte Schlaufenwege, also Rundwege. An bzw. auf der Route liegen viele kleine, aber dafür sehenswerte Städte, Zeugnisse der römischen und keltischen Geschichte wie Überreste des Limes – des Schutzwalls der Römer gegen die vermeintlich barbarischen Germanen. Wem der Sinn nach Abwechslung zum Wandern steht, kann beispielsweise auch mit dem Kajak auf der Altmühl reisen. Von Vorteil: In der Region ist der Öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut, Nürnberg und Ingolstadt per Bahn prima erreichbar. Der Fernwanderweg trägt das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“.

naturpark-altmuehltal.de