Dieser Heckflügel ist Hightech: Aus Carbonfaser und Aluminium gefertigt, ultraleicht, extrem robust. Die Firma Airconcept aus Zülpich fertigt solche hochmodernen Bauteile, die sportlichen Autos bei hohem Tempo mehr Stabilität verschaffen.

Für die Herstellung der schwarz-silbrigglänzenden Flügel ist allerdings immer noch schwere Handarbeit notwendig. „Ein Mitarbeiter braucht für das Schleifen der Oberfläche allein einen ganzen Tag“, sagt Heinrich Viethen, Geschäftsführer von Airconcept. Und es ist nicht nur der Zeitfaktor, der ihn auf den Gedanken gebracht hat, nach Alternativen zu suchen. „Die Arbeit ist körperlich belastend, die Carbonfasern machen umfassende Maßnahmen zum Gesundheitsschutz erforderlich. Und die Arbeit ist vergleichsweise monoton, sodass man sehr bald keine Lust mehr hat“, sagt Viethen. Bei seiner Suche wurde er auf das Kompetenzzentrum WIRKsam aufmerksam. Dieses unterstützt Betriebe unterschiedlicher Größe und Branchen bei der Entwicklung und Einführung von künstlicher Intelligenz (KI) zur Unterstützung der Arbeit.

Vorteile gerade auch bei der Qualitätssicherung

Airconcept ist einer der kleineren Betriebe darunter und fertigt kein Massenprodukt. „Die Heckflügel sind ein Spezialfall, die Erkenntnisse lassen sich jedoch auf andere Bauteile übertragen“, sagt Dr. Tim Jeske, Projektkoordinator beim Kompetenzzentrum. Die Entwicklung des Roboters, der den Schleifprozess weitgehend übernehmen soll, läuft noch, erste Praxisversuche waren vielversprechend. Die Rolle der KI liegt dabei vor allem in der Qualitätssicherung.

Die Technik soll etwa Fehlerstellen erkennen, die von Hand nachbearbeitet werden müssen. In der weiteren Entwicklung geht es dann auch darum, dass die Maschine dazulernt und damit praktisch sich selbst stetig verbessert. All das dient am Ende dazu, Menschen bei der Arbeit zu entlasten. Das ist die Zielsetzung bei allen Projekten, die das Kompetenzzentrum begleitet. Zum Beispiel auch bei der GKD Gebr. Kufferath AG in Düren, einem weltweit aktiven Produzenten von Metall- und Kunststoffgeweben für Industrie, Automobil- und Baubranche.

    Bei der Herstellung von Abgasfiltern ist unter anderem eine Qualitätskontrolle mit Händen und Augen nötig. Hohe Konzentration ist gefragt. Die Kontrolle über Kameras ist an dieser Stelle bisher fehlerbehaftet, weil die verwendeten Metalle das Licht sehr unterschiedlich reflektieren. KI soll nun die Bilderkennung spürbar verbessern.

    Ähnliche Ziele verfolgen zusammen mit dem Kompetenzzentrum etwa der Sitzbezügehersteller Aunde aus Mönchengladbach, der Präzisionsmesser-Anbieter Heusch aus Aachen oder die Essedea aus Wassenberg, die auf technische Textilien spezialisiert ist. Vor allem geht es um bessere Arbeitsbedingungen. Zudem hat die Technologie das Potenzial, Prozesse zu beschleunigen und so nicht zuletzt Kosten zu sparen. Tim Jeske: „Ob Gesundheit, Produktqualität oder Produktivität, KI bietet an vielen Stellen Vorteile.“

    Hohe Produktqualität ist gerade auch in der Medizin gefragt. FEG aus Aachen etwa stellt textile Implantate her, die per Operation eingesetzt werden. Sie helfen Menschen beispielsweise bei Blasenschwäche, indem sie das umliegende Gewebe stützen. Basis dafür ist ein medizinisches Garn, das auf Maschinen gesponnen wird. FEG arbeitet nun mit dem Wissenschafts-Team an Lösungen, die Fehlerquellen im Spinnprozess frühzeitig erkennen. Ganz wichtig dabei: Mensch und Maschine arbeiten zusammen, beide nutzen ihre Fähigkeiten optimal aus.

    Das Kompetenzzentrum

    • Die Einsatzchancen von künstlicher Intelligenz auch für kleinere und mittelgroße Firmen erschließen – das ist Ziel des Kompetenzzentrums WIRKsam.
    • Dazu arbeiten in Hürth-Kalscheuren fünf Forschungsinstitute und viele weitere Partner zusammen. Sie betreuen derzeit elf Betriebe.
    Werner Grosch
    Autor

    Werner Grosch war lange Jahre leitender Redakteur einer Tageszeitung mit den Schwerpunkten Politik und Wirtschaft. Für aktiv schreibt er Reportagen aus Unternehmen der Metall- und Elektrobranche und porträtiert Mitarbeiter aus diesen Branchen mit ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten oder Hobbys. Privat und beruflich ist er am liebsten mit dem Rad unterwegs.

     

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