Während Energie-Experten in ganz Deutschland noch über mögliche Speicherlösungen für Strom debattieren, wurden im Norden längst Fakten geschaffen. In Jardelund bei Flensburg ging 2018 ein Lithium-Ionen-Batteriepark ans Netz, der mit einer Leistung von 48 Megawatt (MW) weltweit zu den größten Speichern dieser Art zählt. Die 30 Millionen Euro teure Anlage soll unter anderem Strom von Windparks aufnehmen und so dazu beitragen, dass die Turbinen bei starkem Wind wegen fehlender Leitungsnetze nicht mehr abgeschaltet werden müssen.

Die Technik dafür kommt ebenfalls aus Norddeutschland, und zwar vom Flensburger Unternehmen WSTECH. Das Kürzel steht für „Wind & Sun Technologies“, wie Lorenz Feddersen erzählt.

Zusammenarbeit mit dem Siemens-Konzern

Der gebürtige Däne gründete 2001 das Ingenieurbüro Fecon, das sich schnell zu einem Spezialanbieter für Wechsel- und Frequenzumrichter im Megawatt-Bereich entwickelte. 2016 kam es zu einem Joint Venture mit Siemens und zur Umfirmierung in „WSTECH GmbH“.

WSTECH ist kräftig gewachsen und weiterhin auf Suche nach Personal

Mittlerweile hat der Betrieb rund 100 Mitarbeiter – und sucht noch mindestens 20 weitere Fachkräfte, denn insbesondere das Geschäft mit Batteriespeicherlösungen läuft gut. Feddersen: „Wir entwickeln und produzieren fortschrittliche Leistungselektronik im Megawatt-Bereich für den Sektor der erneuerbaren Energien. In diesem Leistungsbereich gibt es nur eine Handvoll Wettbewerber, deshalb können wir durchaus mit großen Anbietern mithalten.“

Ohne Startkapital gegründet

Feddersen ist mit dem Markt der erneuerbaren Energien bestens vertraut, denn er interessierte sich schon als Schüler für Windkraft. „Das Thema hat mich damals gepackt und nie mehr losgelassen“, erzählt der Elektroingenieur. „Als ich mich dann in dem Bereich selbstständig machen wollte, hatte ich überhaupt kein Startkapital, aber das war mir egal. Ich habe einfach losgelegt.“

Geschenkt wurde ihm allerdings nichts, denn gleich zu Anfang gab es einen herben Rückschlag. Er hatte einen vielversprechenden Kunden gefunden, der große Stückmengen brauchte und wirtschaftlich solide schien. Doch dann ging das Unternehmen pleite und die Geschäftsbeziehung in die Binsen. Feddersen: „Daraus lernt man. Ich würde Start-up-Firmen heute immer raten, die Kosten klein zu halten, die Zahlen im Auge zu behalten und stets mit Augenmaß zu wirtschaften.“

Positive Effekte durch Ökostrom-Boom

Dass WSTECH heute so gut dasteht, ist vor allem dem Boom bei den erneuerbaren Energien zu verdanken. Die rund 30.000 Windturbinen auf deutschem Boden und in Nord- und Ostsee decken mittlerweile über 20 Prozent des hiesigen Strombedarfs, weitere 10 Prozent steuern die Photovoltaik-Anlagen bei. Allerdings liefern diese Quellen keinen Wechsel-, sondern Gleichstrom, der nicht ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Er muss also erst in Wechselstrom umgewandelt werden, und genau dafür braucht man die Wechselrichter, die WSTECH entwickelt und produziert.

Geschäftsführer Sebastian Janicek: „Unser Bestseller ist der Wechselrichter APS, ein Kombi-Gerät für Photovoltaik- und Energiespeicher-Zwecke. Diese Kombi-Lösung hat den Vorteil, dass wir mit einem Produkt alle relevanten Zielmärkte bedienen können. Von diesen Geräten produzieren wir pro Jahr 200 bis 300 Stück.“

Wasserkühlung als Wettbewerbsvorteil

Der APS wird in verschiedenen Leistungsgrößen bis 5.000 Kilowatt und in unterschiedlichen Ausführungen angeboten, unter anderem als erdbebensichere Version. Alle Modelle sind mit einer leistungsstarken Wasserkühlung ausgestattet, was ein klarer Wettbewerbsvorteil ist, wie der Geschäftsführer erklärt. „Man darf nicht vergessen“, so Janicek, „dass viele Photovoltaik-Anlagen in entlegenen südlichen Regionen stehen, wo es sehr heiß werden kann. Wenn dann der komplette Solarpark tagelang durch überhitzte Geräte ausfallen würde, wäre das ein hoher wirtschaftlicher Schaden für die Betreiber.“

Um der Konkurrenz auch künftig immer einen Schritt voraus zu sein, legt WSTECH großen Wert auf Forschung und Entwicklung (F&E). „In diesem Bereich beschäftigen wir etwa 20 Fachkräfte“, sagt Feddersen. „Und wir haben noch weiteren Bedarf. Unter anderem suchen wir momentan einen Hardware-Entwickler für Elektrotechnik. Auch für Studenten, die bei uns ihre Abschlussarbeit schreiben wollen, haben wir hier jede Menge spannende Themen.“

Neues Produkt für die Intersolar in München

Das jüngste Produkt aus der Abteilung F&E entdecken wir in einem etwas abseits liegenden Hallenbereich, den Feddersen am Ende des Rundgangs präsentiert. Dort steht das nagelneue Flaggschiff der Schleswig-Holsteiner – ein großer Wechselrichter mit einer Leistung von 7.500 Kilowatt.

„Das ist unsere MCS“, erläutert Feddersen. „Ein Modell, das eigentlich noch streng geheim ist, weil wir es erst Mitte Mai auf der Intersolar in München vorstellen wollen. Das Zertifizierungsverfahren läuft bereits, und die ersten Signale aus dem Markt sind äußerst positiv. Dank seiner hohen Leistung bringt es dem Kunden eine spürbare Kostenreduzierung von mehr als 10 Prozent.“

Aktueller Blick in norddeutsche Betriebe