Wuppertal. Hier ist Vorsicht geboten: Ein Gewebe wird mit Kugeln beschossen, mit Stichen und Schnitten traktiert und angezündet. Im Anwendungskompetenzzentrum (ACC) von Teijin Aramid in Wuppertal werden Materialien aus Aramid allen möglichen Strapazen unterworfen.

Aber die Fasern haben es in sich: Sie hemmen Flammen und schmelzen nicht, halten Schüsse und Hiebe zurück und dämpfen Schwingungen. Deswegen gelten Aramide (aromatisches Polyamid) als das „Superhelden-Material“ unter den synthetischen Fasern.

Gebraucht wird es für alles, was schlag- und stoßfest, hitze- und flammbeständig und doch leicht sein muss. Etwa durchschusshemmende Westen und Helme für Soldaten und Polizisten, Schutzkleidung für Feuerwehrleute oder auch Militärfahrzeuge. Weltweit größter Hersteller des Hochleistungsmaterials ist die niederländisch-japanische Firma Teijin Aramid. Die Tochter der japanischen Teijin-Gruppe produziert die Marken Twaron, Tejinconnex und Technora in den Niederlanden, Thailand und Japan und verkauft in 74 Ländern. Auf YouTube werden die Helme des Unternehmens auf Twaron-Basis  vorgestellt, welche Schutz gegen eine Vielzahl von Bedrohungen bieten und dabei doppelt so stark wie Stahl sind: youtube.com/watch?v=lizjDmhgj9w

Das ACC arbeitet in seinen Laboren und Testanlagen eng mit den Kunden zusammen, um neue Produkte und Materialien zu entwickeln. Gerade hat das Unternehmen auf der internationalen Messe für Verteidigung und Sicherheit Eurosatory im Juni seine Innovationen für die Branche vorgestellt.

Hochleistungsfaser bietet Schutz vor Kugeln und Splittern

Seit den 1990ern Jahren werden Aramide in militärischen und zivilen Fahrzeugen, Hubschraubern und Schiffen eingesetzt. Das Gewebe bildet den Kern der Panzerung und soll die Besatzungen vor Kugeln und Splittern schützen, gleichzeitig aber hohe Mobilität durch sein niedriges Gewicht gewährleisten.

Die Hochleistungsfaser besteht aus starren Polymerketten, starke Wasserstoffbrücken verbinden die Moleküle. Wegen dieser Brücken können die Polymerketten mechanische Belastung sehr gut weiterleiten und erreichen bei gleichem Gewicht eine zehnmal höhere Zugfestigkeit als Stahl. Wenn ein Geschoss mit hoher Geschwindigkeit darauf trifft, fangen die Fasern es auf und absorbieren seine Energie. Auch gegen Hiebe, Schnitte und Stiche bilden sie eine starke Barriere.

Aramid auch im Weltall unterwegs

In Wuppertal ist ebenfalls der größte Vertriebsbereich von Teijin Aramid angesiedelt. Die vielseitigen Materialien haben auch zahlreiche zivile Anwendungen, da sie sich mit verschiedenen Verfahren verarbeiten und mit anderen Stoffen kombinieren lassen. Daraus werden zum Beispiel flammenhemmende Verstärkungen oder Beschichtungen für Flugzeug-Triebwerke sowie Luftfrachtcontainer gemacht wie auch Motorradkleidung oder Netze für Aquakulturen. Aramid bewährt sich sogar im Weltall. Im letzten Jahr landete eine Raumsonde der Nasa auf dem Mars, deren Fallschirm-Seile teils aus starken Aramid-Fasern bestanden.

Gegenwärtig arbeitet Teijin Aramid daran, einen hochwertigen Material-Kreislauf zu etablieren. Die Firma recycelt schon lange Schutztextilien zu Reibbelägen. Nun sollen Fasern, die bei der Produktion abfallen oder aus gebrauchter Schutzkleidung stammen, erneuert und wieder für Schutztextilien verwendet werden.

Matilda Jordanova-Duda
Autorin

Matilda Jordanova-Duda schreibt für aktiv Betriebsreportagen und Mitarbeiterporträts. Ihre Lieblingsthemen sind Innovationen und die Energiewende. Sie hat Journalismus studiert und arbeitet als freie Autorin für mehrere Print- und Online-Medien, war auch schon beim Radio. Privat findet man sie beim Lesen, Stricken oder Heilkräuter-Sammeln.

 

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