Hagen. Mit dem Abwasser ist es so eine Sache: Man macht sich erst Gedanken darüber, wenn was nicht klappt. Gut, dass es dann Leute wie Maxim Krysin gibt. Rohrreinigung ist sein Ding. „Das macht mir bei der Ausbildung am meisten Spaß“, sagt der 22-Jährige. Wenn alles gut geht, ist er in wenigen Wochen Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Bei der Lobbe Kanaltechnik in Hagen wird er gebraucht.

Männer wie die beiden Azubis sind extrem gefragt

Die 75 Mitarbeiter dort haben viel zu tun. Sie reinigen und überprüfen Rohr- und Kanalsysteme, kontrollieren sie auf Dichtheit, reparieren und sanieren – für Industrie, Gewerbe und Privatleute. Das ist nicht unbedingt ein sauberer Job, aber zukunftssicher und nachhaltig. „Der Beruf ist sehr wichtig. Wir helfen vielen Menschen und der Umwelt“, sagt Krysin: „Viele denken, wir haben nur mit Fäkalien zu tun, aber das ist zu 90 Prozent nicht so.“

Es geht auch darum, feinste Risse in Rohren zu entdecken, den Austritt schädlicher Stoffe zu verhindern. Da müssen nicht nur Saugschläuche angeschlossen, Kanäle gespült oder Rohre gefräst werden. Die Fachkräfte bedienen auch Kameras und Roboter.

Der entscheidende Tipp kam vom – Konditorlehrer!

Maxim Krysin ist froh, dass er hier gelandet ist – der Tipp kam vom Konditorlehrer am Berufskolleg. Im zweiten Anlauf klappte es mit dem Ausbildungsplatz. „Ich habe mich nach der ersten Absage schulisch echt am Riemen gerissen“, sagt er. In guter Erinnerung hat er die drei Kennenlerntage mit allen Lobbe-Azubis, dann ging es direkt los. Erste Station: Grubenabfuhr mit dem Saugwagen – „sehr geruchsintensiv“, wie Betriebsleiter Jörg Michutta meint. Krysin hat es nicht gestört: „Ich bin jemand, der einfach macht. Und nach zwei Tagen hat man sich dran gewöhnt.“

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Seitdem hat er fast alle Bereiche durchlaufen. Die Kundenkontakte bei der Rohrreinigung gefallen ihm: „Ich kann gut mit Leuten sprechen, ich mag das.“

Sein Azubi-Kollege Marcel Czerner, im ersten Lehrjahr, zieht die Kanalsanierung vor, bei der mit Harz gefüllte Schläuche in den defekten Kanal versenkt werden. Die TV-Inspektion fand er nicht so spannend: „Ich möchte was mit den Händen arbeiten.“ Den ganzen Tag in einer Halle, das wäre nichts: „Draußen arbeiten ist toll. Es gibt viel Abwechslung hier.“

Dass er, gerade 18 Jahre alt, jetzt Auto fahren darf, ist eine Erleichterung - vor allem für den Weg zur Berufsschule in Gelsenkirchen. Der Block-Unterricht ist nicht ohne: Chemie, Maschinen- und Gerätetechnik, Wirtschaftslehre, Analysetechnik. Dazu kommen im Lauf der dreijährigen Ausbildung mehrere Lehrgänge. Viel Lernstoff, der bei den monatlichen Azubi-Treffen nachbereitet wird.

„Ich war schon in ganz Deutschland unterwegs“

Die Ausbilder sind, auch bei persönlichen Problemen, immer für die Azubis da. Die fühlen sich gut aufgehoben. Maxim Krysin findet es toll, dass er gefragt wurde, wo er später arbeiten möchte. Und ob er mit auf Montage will: „Ich war schon in ganz Deutschland unterwegs. Da sieht man was.“

Maxim Krysin persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ein Lehrer hat mich aufmerksam gemacht. Und nach dem ersten Bewerbungsgespräch wollte ich unbedingt hier hin.

Was reizt Sie am meisten?

Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, das gefällt mir. Und ich mag den Umgang mit den Kunden.

Worauf kommt es an?

Man muss Interesse zeigen und mit 110 Prozent dabei sein, auf die Kollegen achten. Es ist nicht immer ungefährlich.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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