Mal eben zum Gesundheitscheck, ohne Beurlaubung, ohne Anfahrt zum Arzt, ohne Rumsitzen im Wartezimmer? Das Unternehmen Risse + Wilke in Iserlohn konnte seinen Mitarbeitern diesen Service kürzlich bieten. Zwei Gesundheitstage mit dem vollen Vorsorgeprogramm direkt im Betrieb: großes Blutbild, Organultraschall, Herz-Stress-Analyse, gesunde Snacks … – die Termine waren ausgebucht.

Die Gesundheit der Belegschaft hat man auch im Drahtwerk Elisental in Neuenrade im Blick. Unter anderem steht den Mitarbeitern ein Fitnessstudio auf dem Betriebsgelände zur Verfügung. Das kann ebenso wie das Fahrradleasing oder regelmäßige Gesundheitsvorsorge auch von Partnern und Kindern genutzt werden. Die Familie profitiert nicht nur da. Geht es Mama und Papa gut, haben alle was davon.

Es erstaunt also nicht, dass der Bereich Gesundheit & Soziales zu den Kriterien gehört, nach denen das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Märkische Region und seine Kooperationspartner, unter ihnen der Märkische Arbeitgeberverband, seit 2014 das „Prädikat Familienfreundliches Unternehmen“ vergibt.

71 Unternehmen wurden seit 2014 zertifiziert

Risse + Wilke und das Drahtwerk Elisental gehören seit diesem Jahr zu den jetzt 71 Unternehmen in der Region, die mit der Auszeichnung auf sich aufmerksam machen können. Und in beiden Unternehmen ist die Gesundheitsvorsorge nur ein Steinchen von vielen, mit denen man die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern möchte.

Eine flexible Arbeitszeitgestaltung steht bei allen zertifizierten Unternehmen ganz oben auf der Liste. Gleitzeitregelungen und Zeitkonten, Homeoffice und die mögliche Herausnahme aus dem Schichtdienst gehören dazu. Vom Krankenbett des Kindes aus arbeiten oder den Hund mit ins Büro bringen, weil er nicht alleine bleiben kann – im Drahtwerk Elisental kein Problem, betont Personalchef Christof Bergmann, auch wenn das im kaufmännischen Bereich natürlich leichter sei.

Aber auch Personalleiterin Ines Wilke bei Risse + Wilke erklärt: „Wir versuchen, den Menschen zu sehen und für individuelle Situationen die passendste Lösung zu finden.“ Bemerkenswert sei, dass die Kollegen Verständnis zeigen und die Belastungen teilweise mittragen: „Wir erkennen darin, dass unsere Unternehmenskultur von Familienfreundlichkeit und Zusammengehörigkeit geprägt ist.“ „Aufeinander achtgeben“ nennt man es im Drahtwerk Elisental.

Für die Begutachtung von außen musste daher nichts aus dem Boden gestampft werden. „Es war vieles da, teilweise aber etwas unstrukturiert und nicht allen bekannt“, erklärt Wilke. „Wir wollten schauen, wo wir stehen und ob die Maßnahmen zielführend sind“, meint Bergmann.

Die Zertifizierung ist nicht ohne. Nach Selbstcheck und Auftaktveranstaltung folgt das Audit, bei dem Geschäftsführung, Betriebsrat und Personalleitung befragt werden und erste Tipps bekommen. Bei einem zweiten Termin stellt das Unternehmen Maßnahmen und Beispiele einer Jury vor. Der durchaus aufwendige Prozess wird mit der feierlichen Übergabe der Urkunden belohnt – und einem Mehrwert beim Werben um Fachkräfte.

„Wir haben bereits in der kurzen Zeit gemerkt, dass Bewerber darauf aufmerksam geworden sind und es ansprechen. Einige sagen ganz klar, dass die Familienfreundlichkeit ein Wechselkriterium ist“, hat Wilke festgestellt. Dass sich Aufwand und Kosten auszahlen, zeigt sich daran, dass sich auch in diesem Jahr Unternehmen rezertifizieren ließen, wie IBG Automation in Neuenrade (erstmals) und Möhling in Altena (zum zweiten Mal). Bereits zum dritten Mal sind Schniewindt in Neuenrade und die KB Schmiedetechnik in Hagen dabei.

Das Zertifikat wird wahrgenommen

KB-Chefin Angelika Schulte hat vor zehn Jahren mit der Eröffnung einer Kindertagesstätte und einer Physiotherapiepraxis auf dem Betriebsgelände Maßstäbe gesetzt. Die kurzen Wege zur Kita, die Plätze für die „Firmenkinder“ vorhält, und zahlreiche Gesundheitsangebote sind ein echter Pluspunkt, weiß ihre Tochter Nadine Henneke: „Das wird ebenso wie das ausgehängte Zertifikat wahrgenommen.“

Nun kann nicht jedes Unternehmen eine Kita gründen – auf die Bedürfnisse von Eltern Rücksicht nehmen schon. Bei Schniewindt hat man dabei auch Väter wie Dominik Naumann im Blick. Der Vater von zwei Kindern kann sich kurzfristig und flexibel in Betreuungs-Notsituationen um seine Söhne kümmern, für ihn ein echtes Plus. „Wir leben die Familienfreundlichkeit im Unternehmen. Das Zertifikat bestätigt das. Es spielt bei der Fachkräftegewinnung und Mitarbeiterbindung eine entscheidende Rolle“, sagt Personalreferentin Sofia Tiemann. Das dicke Maßnahmenpaket wurde und wird seit der ersten Zertifizierung immer wieder ergänzt, aktuell mit Hilfen bei der Pflege von Angehörigen und beim Wiedereinstieg nach Familienpause oder Krankheit.

Diese Aspekte rücken auch bei anderen familienfreundlichen Unternehmen in den Fokus. Der Austausch im Netzwerk bietet dabei neue Ansätze und Lösungen.

Weitere Infos: maerkische-impulse.de.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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