Karlsruhe. Sie packen bei der Corona-Ambulanz mit an, helfen Flutopfern, engagieren sich im Tierschutz, unterstützen ihre Mitmenschen und haben tolle Noten: Jonas Föllinger, Franziska Reichert, Nina Heidemann und Luisa Haas sind die „top azubi chemie 2021“. Die Auszeichnung wurde jetzt zum elften Mal von Chemie.BW verliehen – den Verbänden der Branche in Baden-Württemberg.

Jonas Föllinger, frischgebackener Chemikant der Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe, hat eine Botschaft für Azubis: „Betrachtet die Arbeit wie ein Spiel, in dem es auch Regeln gibt – wer sie beachtet, hat es spielend leicht!“, sagt er gegenüber aktiv. Deshalb hat er im firmeneigenen „Motivationsparcours“ auch verschiedene Stationen zur Arbeitssicherheit mitentwickelt.

Großes Engagement für die Musik, im Tierschutz und beim Sport

Azubi-Kollegen hilft der Bornheimer mit selbst gestalteten Lernmaterialien – in entspannter Atmosphäre: „Wir haben uns bei mir zu Hause getroffen, gelernt und Pizza bestellt.“ Davon würden alle profitieren: „Wer anderen etwas erklärt, festigt das eigene Wissen.“ Er spielt Posaune, hat sich musikpädagogisch weitergebildet und gibt Nachhilfe in Musik. Auch sportlich ist der 22-Jährige unterwegs, als Kampfrichter bei Judo-Veranstaltungen. Seinen Winterurlaub verbrachte er hingegen zu Hause: „Ich war Helfer in einer Corona-Ambulanz.“

Die duale Studentin Franziska Reichert paukt industrieorientierte Betriebswirtschaftslehre, noch ein Jahr hat sie vor sich. Doch das Marketing beim Reinigungsmittelhersteller Remsgold in Winterbach hat sie schon jetzt übernommen: „Eine Kollegin ist ausgefallen, ich bin eingesprungen“, erzählt die 22-Jährige. Zusätzlich begleitet sie als Patin eine angehende Industriekauffrau beim Einstieg ins Berufsleben.

Die junge Frau, die in Esslingen wohnt, hat auch ein Herz für Tiere: „Ich arbeite ehrenamtlich im Tierheim.“ Und für ein Artenschutzprojekt von Remsgold organisierte sie Saatgut für eine Blumenwiese von einem örtlichen Demeter-Bauern und begleitete die Entstehung des Insektenparadieses in den sozialen Medien.

Als Energiescout unterwegs

Noch mitten in der Ausbildung zur Chemielaborantin bei Roche in Mannheim steckt Nina Heidemann: „Dieser Beruf ist wahnsinnig abwechslungsreich“, berichtet die 21-Jährige. „Experimentieren, forschen, pharmazeutische Produkte weiterentwickeln – das reizt mich.“ Als Energiescout spürt sie Stromfresser im Unternehmen auf: „Dabei geht es zum Beispiel um energiesparende LED-Beleuchtung. Ich versuche, Kollegen für das Thema zu sensibilisieren.“

Roche setzt auf personalisierte Ausbildung und fördert Azubis durch individuelle Angebote. So lernte Heidemann bei einer Hospitanz den Konzernsitz in Basel kennen. Privat gehört ihre Leidenschaft dem Triathlon. In der Kombination Schwimmen, Laufen und Radfahren wurde sie jetzt Deutsche Meisterin über die Kurzdistanz in der Altersklasse TW20: „Ich muss mich jeden Tag bewegen, das macht den Kopf frei.“ Die Begeisterung für ihre Liblingsdisziplin Schwimmen gibt sie als Jugendsprecherin im Vierheimer Schwimmverein weiter. Dort trainiert sie auch eine Nachwuchsgruppe.

Ob Corona oder Flut – hier heißt es anpacken und helfen

Notlagen erkennt Luisa Haas sofort: Während ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau beim Pharmaunternehmen Catalent in Eberbach unterstützte sie ihren Azubi-Kollegen aus Syrien, sammelte mit einer Weihnachtsaktion Spenden für ein Kinderhospiz und koordinierte die Sommerferienjobber: „Wenn ich Hilfe brauche, freue ich mich auch, wenn andere für mich da sind.“ Sie gestaltete die Beschilderung zu den Corona-Schutzmaßnahmen im Unternehmen und führte in ihrer Freizeit in einer Apotheke Schnelltests durch. Hilfsbereitschaft ist der 23-Jährigen privat wie beruflich wichtig: Sie ist beim Technischen Hilfswerk Eberbach und packte im Flutgebiet in Ahrweiler tatkräftig an.

Als ausgebildete Sanitäterin ist sie Ausbildungsbeauftragte beim THW: „Mein Beruf und das Ehrenamt ergänzen sich perfekt“, sagt Luisa Haas, die nach ihrer Ausbildung in der Personalabteilung arbeitet. „Ich habe die perfekte Balance zwischen Schreibtischarbeit und Zupacken gefunden.“

Andrea Veyhle
Autorin

Nach dem Germanistik- und Anglistik-Studium absolvierte Andrea Veyhle ein Volontariat und arbeitete für eine Agentur. Seit 2007 ist sie freiberuflich für verschiedene Verlage tätig. Für aktiv berichtet sie in Reportagen über die Chemie in Baden-Württemberg und stellt mit Porträts die vielseitigen Berufsbilder der Branche vor. Außerdem erklärt sie, wo uns chemische Produkte im Alltag begegnen. In ihrer Freizeit experimentiert sie gerne in der Küche, Kalorien strampelt sie auf dem Rennrad wieder ab.

 

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