Lahnau. Zuverlässigkeit und Präzision prägen den Maschinen- und Anlagenbauer Wiwa Wilhelm Wagner in Lahnau. Das fast 70 Jahre alte Familienunternehmen mit 135 Mitarbeitern entwickelt und produziert Geräte für die Beschichtung von Oberflächen. aktiv sprach mit Peter Turczak, der die Firma in der dritten Generation leitet, über seine Begeisterung für das Tüfteln an neuen Ideen.

Wo begegnet mir Wiwa?

Zum Beispiel auf der Straße, wenn der weiße Streifen auf die Fahrbahn aufgesprüht wird. Das Spektrum unserer Geräte und Anlagen reicht von Lackierarbeiten und Verklebungen im Maschinen- und Fahrzeugbau oder im Handwerk bis zu großflächigen Beschichtungen in der Marine- und Offshore-Industrie. Wir sind übrigens der Weltmarktführer im passiven Brandschutz.

Was ist das Besondere an Wiwa?

Als Familienunternehmen ist man nahbarer, mehr an den Menschen und ihren Familien interessiert. Wenn Probleme auftauchen, findet man gemeinsam Lösungen. Das war schon bei meinen Großeltern so, die den Betrieb 1950 gegründet haben, und auch bei meiner Mutter. Sie hat bis zu ihrem Tod 2017 hier viel Herzblut eingebracht und die Firma bewusst als Team aufgebaut, in dem man gemeinsam erfolgreich ist.

Wollten Sie immer ins Unternehmen einsteigen?

Ja klar, ich bin das einzige Kind, bin in der Firma aufgewachsen. Noch während meines Studiums habe ich eine Firma gegründet. Die löst knifflige Aufgaben in der Schnittstelle zwischen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Firma gibt es noch, und ich bin stiller Teilhaber. 2015 war bei Wiwa die Stelle des Produktionsleiters frei, und ich stieg ein. Ich arbeitete in jeder Abteilung ein paar Wochen, um alles aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Mein Herz schlägt für die Entwicklung, weil ich da meine Begeisterung fürs Tüfteln ausleben kann. Wir sind in einem Nischenmarkt unterwegs und müssen immer auch neue Lösungen für das Beschichten von Oberflächen finden.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wir wachsen und investieren weiter. Neben unserem neuen Bürogebäude wollen wir noch eine Halle bauen. Wir sind gut unterwegs, lagen 2018 etwa 3 Prozent über Plan. Auch 2019 sieht gut aus. In China und Amerika unterhalten wir eigene Niederlassungen. Wir arbeiten an tollen Prokjekten, zum Beispiel für die australische Marine.

Wie bleiben Sie wettbewerbsfähig?

Wir setzen unter anderem auf Digitalisierung. Viele unserer Maschinen kommen auf Baustellen zum Einsatz, auf Werften oder Bohrinseln. Die Schnittstellen, über die sie die Maschinen anschließen oder vernetzen, sind immer anders. Das kann so nicht bleiben. Der Kunde erwartet zukunftsfähige Geräte, die auch in 10 oder 20 Jahren noch einsetzbar sind. Also brauchen wir gute Lösungen, Standardisierungen. Ich habe deshalb beim VDMA den Arbeitskreis Digitalisierung in der Oberflächentechnik mit gegründet, um unsere Branche hier voranzubringen.

Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten?

Die Arbeitsplätze werden sich verändern. Das kennen wir doch. Dreher sind im Herzen immer noch Dreher, programmieren aber bereits Maschinen, damit die die Drehteile herstellen. So entwickeln sich auch die anderen Bereiche, auch die Oberflächentechnik. Weiterbildung ist der Schlüssel, denn auch ein Lackierer wird zum Programmierer und der Maschine sagen, wo es langgeht.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die Zukunft?

Darin, die Menschen mitzunehmen bei der Digitalisierung. Niemand wird arbeitslos, wenn er sich weiterqualifiziert und sich auf die Veränderungen einlässt. Natürlich ist das anstrengend, aber es gibt keinen anderen Weg. Das muss man jedem plausibel machen.

Ein Wunsch an eine gute Fee?

Ich würde mir wünschen, dass sich unser Unternehmen weiter so gut entwickelt. Und privat hätte ich gerne mehr Zeit für meine Frau und unser Baby. 

Lösungsorientiert: Peter Turczak, Chef des Familienunternehmens Wiwa in Lahnau, an einer Zwei-Komponentenanlage,die etwa beim Auftragen von Dämmmaterial auf Außenwänden eingesetzt wird.
Peter Turczak Bild: Scheffler
  •     Geboren 1983 in Gießen, verheiratet, ein Kind
  •     Studium der Mechatronik an der Fachhochschule Friedberg
  •     2005 Gründung eines Ingenieurbüros
  •     2015 Produktionsleiter bei Wiwa, seit 2017 Geschäftsführer

  

Maja Becker-Mohr
Autorin

Maja Becker-Mohr ist für aktiv in den Unternehmen der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie sowie der papier- und kunststoffverarbeitenden Industrie unterwegs. Die Diplom-Meteorologin entdeckte ihr Herz für Wirtschaftsthemen als Redakteurin bei den VDI-Nachrichten in Düsseldorf, was sich bei ihr als Kommunikationschefin beim Arbeitgeberverband Hessenchemie noch vertiefte. In der Freizeit streift sie am liebsten durch Wald, Feld und Flur.

 

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