Iserlohn. Jannis Kullik schraubt schon, solange er denken kann. Erst zusammen mit dem Vater am Fahrrad rumgebastelt, dann für die Nachbarschaft repariert, am Mofa gewerkelt, einen Trecker flottgemacht, alte Mopeds wieder zum Rollen gebracht.

Was mal aus ihm werden sollte, war da eigentlich keine Frage: „Ich bin ein Schrauber.“ Und als solcher ist er dann auch bei Risse + Wilke in Iserlohn gelandet, nur dass dies dort nicht Schrauber heißt, sondern Industriemechaniker. Und dass nicht an kleinen Motoren gedreht wird, sondern an großen Walzgerüsten.

„Hatte keinen Bock mehr auf Schule“

2016 ist der heute 20-Jährige in die Ausbildung im Kaltwalzwerk gestartet. „Seit der siebten Klasse war klar, dass ich eine Lehre mache“, sagt er und grinst: „Ich hatte keinen Bock mehr auf Schule.“ Drei Praktika, zwei davon freiwillig in den Ferien, zeigten schnell, dass Elektroniker oder Zerspaner nicht so gut passten. Industriemechaniker – das war’s.

Und ist es immer noch. „Es macht richtig viel Spaß“, beteuert Jannis Kullik. Die Industriemechaniker kümmern sich im Betrieb darum, dass die Anlagen laufen - um alles, wo kein Kabel dran ist: „Wir sind die Hausmeister für die Maschinen.“

Arbeitgeber Risse + Wilke hat die letzten Jahre viel in moderne Walzgerüste investiert

Warten, pflegen, rechtzeitig Verschleißteile austauschen, Fehler suchen, reparieren, neue Teile bauen, Schrauben nachziehen („ganz wichtig!“) – es ist immer was zu tun und jeden Tag was anderes. Risse + Wilke hat in den letzten Jahren viel in moderne Walzgerüste investiert. Das ist noch einmal eine ganz andere, komplexe Herausforderung. „Es ist spannend“, sagt der junge Mann, der sich nebenbei auch in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung engagiert.

„Ich überleg, ob ich noch den Meister dranhänge“

Seine Schrauber-Erfahrung hat ihm in der Ausbildung von Anfang an geholfen. „Aber wir haben auch im ersten Jahr in der Lehrwerkstatt viel gelernt“, meint er. Das hat er gut für sein Hobby nutzen können. Zwölf Mopeds stehen in seiner kleinen Werkstatt. „Alles Hercules“, sagt er stolz, „Baujahr 1964 bis 1998.“ Einige hat er komplett restauriert, andere nur neu lackiert. Vier- bis fünfmal in der Woche bastelt er dort herum – auch da ist immer was zu tun. „Wenn ich was haben will, bau ich mir das selbst“, erzählt er: Metallregal, Werkzeugwagen oder auch schon mal ein Ersatzteil für seinen Traktor. Der McCormick D215, Jahrgang 1962, ist ein echter Hingucker und fahrbereit.

„Einen weiteren Trecker hätt ich noch gern, aber dann ist der Platz irgendwann weg“, sagt der angehende Industriemechaniker. Seiner Leidenschaft fürs Schrauben kann er ja trotzdem nachgehen, ob bei seinen kleinen Oldtimern oder an den mächtigen Anlagen von Risse + Wilke. Das macht ihm so viel Spaß, dass selbst das Lernen seinen Schrecken verloren hat: „Ich überleg, ob ich noch den Meister dranhänge.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich hab schon immer Spaß am Schrauben gehabt. Da war klar, dass ich was Handwerkliches mache.

Was reizt Sie am meisten?

Zu sehen, wie alles zusammen funktioniert. Da sind viele kleine Teile, die passen müssen. Fällt eins aus, läuft es nicht.

Worauf kommt es an?

Man muss sich selbst gut einschätzen, darauf achten, dass man sich nicht übernimmt. Das ist wichtig, weil wir mit schweren Teilen zu tun haben.

Hildegard Goor-Schotten
Autorin

Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin ist für aktiv vor allem im Märkischen Kreis, in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis unterwegs und berichtet von da aus den Betrieben und über deren Mitarbeiter. Nach Studium und Volontariat hat sie bei verschiedenen Tageszeitungen gearbeitet und ist seit vielen Jahren als freie Journalistin in der Region bestens vernetzt. Privat ackert und entspannt sie am liebsten in ihrem großen Garten

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