Wasser ist der wichtigste Durstlöscher hierzulande. Knapp 15 Milliarden Liter Mineralwasser tranken die Deutschen allein 2017, so der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM). Höchste Zeit, mit einigen Mythen über das kühle Nass aufzuräumen. Hilft Wasser beim Abnehmen? Kann man sich mit Wasser vergiften? Und wie viel Trinkwasser gibt es überhaupt auf unserem Planeten?

AKTIV hat sich bei einigen Experten kundig gemacht. Was an weit verbreiteten Behauptungen über Wasser dran ist, lesen Sie im Folgenden:
 

Mythos 1: Wasser hilft beim Abnehmen

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Bei diesem Mythos ist Vorsicht geboten. Was bei vielen Diäten empfohlen wird, ist wissenschaftlich kaum belegt. Die Ernährungswissenschaftlerin Rebecca Muckelbauer von der Berliner Charité durchforstete deshalb internationale Datenbanken nach Studien. Nur in dreien wurde sie fündig. Ihr Fazit: „Studien mit Menschen, die gerade versuchen abzunehmen, weisen auf einen positiven Effekt hin.“ Zu einer generellen Aussage „Wasser trinken macht schlank“ kann sie sich jedoch nicht durchringen.

Es gilt jedoch als sicher: Wer Wasser statt Saftschorlen und Limonaden trinkt, kann viele Kalorien sparen. Und: Wasser sättigt. Das hilft bei Hungerattacken. Wer also vor dem Essen ein Glas Wasser trinkt, füllt damit zum Teil schon den Magen. Dann genügt weniger Nahrung, um satt zu werden. Deshalb gibt es als Vorspeise oft Suppen. Die Flüssigkeit dämpft den ärgsten Hunger.

Mythos 2: Mit Wasser kann man sich vergiften

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Stimmt. Wer pro Tag mehr als zwei bis drei Liter mineralstoffarmes Wasser oder Tees trinkt, kann eine Wasservergiftung provozieren. „Die Ursache ist ein zu niedriger Natriumgehalt im Körper. Wenn man etwa viel schwitzt, verliert der Körper Salz. Trinkt man gleichzeitig zu viel natriumarmes Wasser, etwa Leitungswasser, sinkt der Salzgehalt im Blut und im Gewebe“, erklärt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. Die „Zu viel Wasser, zu wenig Salz“-Kombination könne zu Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerz und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Mythos 3: Viel Wasser trinken verhindert Falten

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Schön wär’s. Allerdings ist dieser direkte Zusammenhang noch nicht wissenschaftlich bewiesen. Fest steht jedoch: Wer viel trinkt, fördert zumindest die Durchblutung seiner Haut. Das fand ein Forscherteam um den Klinischen Pharmakologen Michael Boschmann an der Berliner Charité heraus. „Schon etwa zehn Minuten nach dem Trinken wird die Haut besser durchblutet und so der Hautstoffwechsel angekurbelt“, erklärt Boschmann. Dieser innere Vitalisierungseffekt könne sich langfristig in einem frischeren Aussehen der Haut bemerkbar machen.

Mythos 4: Stilles Wasser ist gesünder als sprudelndes

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Das ist ein Irrtum. Zwar müssen viele von der Kohlensäure aufstoßen – das ist aber eher unangenehm als ungesund. „Mit oder ohne Sprudel, das ist reine Geschmackssache“, so Experte Knop. Es gibt auf jeden Fall keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass stilles Wasser gesünder ist. Während des Sports allerdings ist es ratsam, eher stilles Wasser zu trinken. Denn die Kohlensäure übt einen leichten Dehnungsreiz auf den Magen aus. Das empfindet mancher als unangenehm.

Mythos 5: Im Leitungswasser sind Rückstände enthalten

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Stimmt nicht. „Kranenberger“ ist zumindest hierzulande das am besten kontrollierte Lebensmittel. So werden etwa vorhandene Arzneimittelrückstände durch mehrstufige Aufbereitungsverfahren der Wasserversorger entfernt. „Angst vor Schadstoffen im Trinkwasser braucht man nicht zu haben“, sagt Sabine Holzäpfel, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Mancher Tee oder Kaffee schmeckt aber einfach besser, wenn er etwa mit gefiltertem Wasser aufgebrüht wird. Das liegt am entfernten Kalk. Für viele Verbraucher ist er ein Ärgernis. Holzäpfel: „Aber Kalk ist nicht gesundheitsschädlich. Er besteht sogar aus Mineralstoffen, die für Menschen wichtig sind: Calcium und Magnesium.“

Mythos 6: Wasser in ungeöffneten Flaschen kann nicht schlecht werden

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Stimmt – unter bestimmten Bedingungen. „Wasser ist unbegrenzt haltbar, vorausgesetzt die Flasche ist verschlossen“, sagt Guido Eggers, Braumeister und Getränke-Experte beim Qualitätsprüfungsunternehmen Interek Food Services in Essen. Reines, verschlossenes Wasser kann also im herkömmlichen Sinne nicht schlecht werden, denn es enthält weder Eiweiß noch Zucker, die schimmeln oder gären könnten. Trotzdem hat jede Wasserflasche ein gesetzliches Haltbarkeitsdatum. Das bezieht sich aber eher auf die verwendete Flasche. Besonders Plastikflaschen stehen im Verdacht, nach längerer Lagerung Chemikalien ans Wasser abzugeben. Und ist die Flasche einmal geöffnet worden, können natürlich Mikroorganismen hineingelangen. Tipp von Experte Eggers: „Wasser kühl und dunkel lagern und innerhalb weniger Tage austrinken.“

Mythos 7: Mehr Sauerstoff im Wasser erhöht die Leistungsfähigkeit

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Das ist nicht erwiesen. Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen halten sauerstoffgesättigtes Wasser sogar für einen reinen Werbegag. Wasser, das zusätzlich mit Sauerstoff angereichert wurde, ergibt auch keinen Sinn, weil der Magen- und Darmtrakt nur minimale Mengen davon aufnehmen kann. Für die Sauerstoffaufnahme ist unsere Lunge zuständig. „Und die verfügt über eine große Überkapazität, um uns mit lebensnotwendigem Sauerstoff zu versorgen“, sagt Professor Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler und Leiter der Fachgruppe Ernährung und Verbraucher-bildung an der Universität Paderborn.

Mythos 8: Kaltes Wasser kühlt den Körper

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Stimmt nicht. Bei sommerlichen Temperaturen meinen viele, sich mit einem kalten Getränk abkühlen zu können. „Die zugeführte Kälte verengt aber die Blutgefäße, und man heizt von innen wieder auf“, erklärt Ärztin und Klimatologin Angela Schuh von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Tipp von der Expertin: Besser lauwarmes Leitungswasser oder Tee trinken.

Mythos 9: Destilliertes Wasser trinken kann tödlich sein

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Stimmt definitiv nicht. Trotzdem hält sich der Mythos, durch das Trinken von destilliertem Wasser könnten Zellen im Körper platzen, hartnäckig. „Alles Quatsch“, sagt Professor Hans Oberleithner vom Institut für Physiologie an der Universität Münster. „Destilliertes Wasser enthält ja nichts Giftiges. Es enthält eben nur keine Ionen.“ Trinkt man es, kommt es zwangsläufig in Kontakt mit der Schleimhaut. Über sie setzt der Körper dem Wasser fehlende Salze zu. „Wenn das Wasser im Magen ankommt, enthält es schon wieder körpereigene Elektrolyte und lässt sich nicht mehr von normalem Wasser unterscheiden“, so der Experte. Die Elektrolytmenge, die der Körper dadurch verliert, sei verschwindend gering. Wie entstand aber dieser Mythos? Oberleithner hat eine Vermutung: Kommt destilliertes Wasser direkt per Infusion in die Blutbahn, können dadurch tatsächlich Blutkörperchen platzen. „Und das ist unter Umständen tatsächlich lebensbedrohlich.“

Mythos 10: Der Grundwasseranteil am Wasservorkommen der Erde beträgt nur etwa 1 Prozent

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Stimmt. 96 Prozent des Gesamt-Wasservorkommens der Erde bestehen aus dem Salzwasser in den Ozeanen. Von den restlichen 4 Prozent Süßwasser sind 3 Prozent im Eis der Polkappen und Gletscher gebunden. „Und nur 1 Prozent ist in den Gesteinsporen des Untergrunds gespeichert und wird als Grundwasser bezeichnet“, erklärt Martin Sauter, Geologe an der Universität Tübingen. Daraus entsteht dann über Jahre unser Trinkwasser. Hört sich nicht gerade nach einer üppigen Reserve an. Da kann Sauter beruhigen: „Süßwasser entsteht im Wesentlichen durch Verdunstung des Salzwassers über den Ozeanen.“ Der entstehende Wasserdampf driftet in Form von Wolken landeinwärts und versickert als Regen im Boden. Das Wasser nimmt dort Mineralien auf und wird aus Quellen wieder hinaufbefördert – dann als Trinkwasser.