Ob dieser Sommer wieder ein Jahrhundertsommer wird, weiß man zwar noch nicht. Aber Meteorologen der Weltwetterorganisation rechnen auch 2020 wieder mit Hitzerekorden. Da ist es gut zu wissen, wie man Wohnung und Haus auch ohne Klimaanlage kühl hält, um sich dort auch an den Hundstagen gut erholen zu können.

Damit innen die Temperaturen nicht wie draußen alle Rekorde brechen, kann man an drei Schrauben drehen: „Es kommt auf das richtige Lüften, das Verschatten und die Kühlung an“, erklärt Reinhard Loch, Leiter der Gruppe Energieeffizienz bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Der richtige Zeitpunkt zum Kühlen: Am besten ist der frühe Morgen

Das richtige Lüften sei das A und O, so Loch. „Es sollte nur dann gelüftet werden, wenn die Temperaturen draußen niedriger als drinnen sind.“ Dies ist normalerweise in den Abendstunden, während der Nacht und vor allem am frühen Morgen der Fall.

In dieser Zeit sollten Fenster und Türen möglichst lange offen stehen – wenn möglich sogar mehrere Stunden, damit die in den Wänden gespeicherte Wärme entweichen kann. Sobald dann die Temperaturen draußen höher sind als innen, sollten Fenster und Türen wieder geschlossen werden, damit die warme Luft gar nicht erst hereinkommt.

Auch unter dem Dach, wo es sich regelmäßig besonders aufheizt, sollten die Fenster geschlossen bleiben, bis die Außentemperaturen gesunken sind. Wenn es in der Wohnung im Lauf des Tages gar zu stickig wird, darf man aber auch zwischendurch lüften: „Dann kann man mal für zehn Minuten alle Fenster aufreißen und anschließend wieder schließen.“

Sonnenschutz: Am besten auch über Tag Rollläden unten lassen

Eine effektive Verschattung ist ebenfalls sehr wichtig. Weil die Sonnenstrahlen auch Wärme mitbringen, gilt es, die Sonnenseite immer zu verdunkeln. Sind Rollläden vorhanden, sollten diese unbedingt unten bleiben, bis die Sonne weitergewandert ist.

Wer keinen Schutz von außen hat, kann Jalousien oder Vorhänge vorziehen, auch das hilft, ist aber weniger effektiv: „Beim innen liegenden Sonnenschutz beträgt der Wirkungsgrad nur 50 Prozent“, sagt Loch.

Alternative für Mieter: Reflektierende Folie lässt Hitze nicht in die Räume

Wer beispielsweise als Mieter keine Rollläden nachrüsten kann, kann stattdessen außen reflektierende Folie auf die Fensterscheiben kleben. Die lässt sich rückstandslos wieder abziehen, wenn sie irgendwann nicht mehr gewünscht ist. Aber: „Durch eine solche Folie wird es innen etwas dunkler, man muss also früher das Licht einschalten“, sagt Experte Loch. „Zudem wird die Wärme natürlich auch im Winter, wenn man sie gerne nutzen würde, um die Räume zu temperieren, außen vor gehalten.“

Thermorollos oder entsprechende Plissees stellen eine andere Möglichkeit dar, wenn der Wärmeschutz von innen verbessert werden soll. Auch die sind oft ohne Bohren im Fensterrahmen zu installieren.

Kühlen über Verdunstung: Feuchte Handtücher und ein Ventilator sorgen für angenehmere Temperaturen im Zimmer

Wenn sich die Luft kaum noch bewegt und dadurch unangenehm drückt, kann auch ein Ventilator Erleichterung verschaffen. Dadurch ist es zwar nicht weniger warm, aber: „Der Luftzug senkt die sogenannte gefühlte Temperatur, sodass die Wärme besser zu ertragen ist“, sagt Loch.

Einen kühlenden Effekt haben auch feuchte Baumwolltücher, die man im Raum an einer leicht zugigen Stelle aufhängen kann – oder man positioniert einen Ventilator davor. Das von den Tüchern aufgenommene Wasser verdunstet und entzieht dabei der Luft die Energie. So macht man sich den Effekt der Verdunstungskälte zunutze. „Dies geht aber nur bei einer trockenen Hitze, ist die Luft zu feucht, kann sie keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen“ – das Wasser verdunstet nicht und die gewünschte Wirkung bleibt aus.

Elektrische Geräte ausschalten: Sie wärmen Räume zusätzlich auf

Da auch elektrische Geräte im Betrieb Wärme abgeben, sollten diese an heißen Tagen bei Nichtgebrauch komplett abgeschaltet werden. Das gelte insbesondere für ältere Modelle, die meist einen höheren Strombedarf haben als moderne und deshalb auch mehr Wärme produzieren würden, so Energieexperte Loch.

Mobile Klimaanlagen im Zimmer. Was es dabei zu beachten gibt

Wenn das alles nicht ausreichend ist und es unerträglich wird, mögen manche mit der Anschaffung eines mobilen Klimageräts liebäugeln.

Wer das erwägt, sollte Folgendes bedenken: „Da die Abwärme einer solchen Klimaanlage üblicherweise über einen aus dem Fenster führenden Schlauch nach draußen geleitet wird, muss während des Betriebs immer ein Fenster geöffnet sein – wodurch auch wieder Wärme von außen in den Raum strömt.“

Beim Kauf ist darauf zu achten, dass das Gerät wenig Energie verbraucht und zudem leise arbeitet. Die entsprechenden Infos dazu finden sich auf dem Energieverbrauchslabel – so wie wir es von Kühlschrank, Waschmaschine und Co. kennen.