Düsseldorf. Ob etwa bei Amazon oder im Laden um die Ecke: Beim Kauf von Elektronik wie beispielsweise Kaffeevollautomaten, Fernsehgeräten oder Smartphones raten die Händler ihren Kunden oft zu einer Garantieverlängerung. Diese soll einspringen, wenn das Gerät vorzeitig Mucken macht oder gar den Geist aufgibt.

Das klingt erst mal nach einem attraktiven Service – schließlich kosten viele Geräte mehrere Hundert Euro. Dennoch raten Verbraucherschützer eher ab.

Gewährleistung für zwei Jahre und optionale Garantie in Anspruch nehmen

Denn für die ersten zwei Jahre nach dem Kauf muss ein Händler für Mängel der von ihm verkauften Produkte ohnehin geradestehen. Das nennt man Gewährleistungspflicht. Ab dem siebten Monat ist diese gesetzliche Gewährleistung allerdings schwieriger durchzusetzen. Denn dann kann der Händler verlangen, dass der Kunde beweist, dass der Mangel schon beim Kauf vorlag. „Viele Händler verzichten allerdings auf die sogenannte Beweislastumkehr“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Zusätzlich gibt es die Garantie seitens der Hersteller. Sie ist allerdings eine freiwillige Leistung. Wer diese im Schadensfall ganz sicher bekommen möchte, schließt eine Garantieverlängerung ab. Diese kostet aber zusätzlich Geld. Streng genommen ist sie also eine Versicherung.

Hier auf aktiv-online.de lesen Sie mehr darüber, was Verbraucher bei Garantie und Gewährleistung beachten sollten.

Warum Verbraucherschützer Garantieverlängerungen für Elektrogeräte oft nicht sinnvoll finden, hat mehrere Gründe. „Der Preis für manche Produkte mag hoch sein, aber wenn solch ein Gerät kaputtgeht, ist das für niemanden existenzbedrohend“, sagt Tryba. Sein Rat lautet darum: „Über eine Garantieversicherung für Smartphone, Kaffeevollautomat oder Kühlschrank sollte nur der nachdenken, der seine wirklich existenziellen Risiken bereits abgesichert hat. Wer also eine private Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeits- und zur Absicherung der Familie auch eine Risikolebensversicherung hat, kann über eine Garantieverlängerung für Haushaltsgeräte und Ähnliches nachdenken.“

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Wer keinen Schaden hat

Doch selbst dann sollte man sich eine Garantieversicherung nicht unbesehen aufschwatzen lassen. Gegen diese Verlängerung sprechen nämlich zunächst einmal die Kosten: „Wer den Betrag fünf bis sieben Jahre gezahlt hat, kommt oft schon in die Höhe des Neupreises“, weiß der Verbraucherschützer. Hat man dann also keinen Schadensfall, ist das gezahlte Geld weg.

Außerdem, so Tryba: „Die Bedingungen für eine Erstattung im Schadensfall sind oft kompliziert und es gibt viele Ausnahmen.“ Schäden durch normalen Verschleiß sind bei einer einfachen Garantieverlängerung in der Regel ohnehin nicht abgedeckt.

Geringer Zeitwert versus teure Kosten für Reparatur

Und schließlich wird bei größeren Defekten meistens nicht die aufwendige Reparatur, sondern nur der sogenannte Zeitwert bezahlt. Dieser ist oft sehr gering, weil zum Beispiel Fernseher oder Smartphones aufgrund der schnellen technischen Entwicklung sehr rasch an Wert verlieren. „Geht das Gerät dann nach dem Ende der gesetzlichen Gewährleistungsfrist kaputt, hat man zwar regelmäßig Beiträge bezahlt, bekommt aber möglicherweise nur den Bruchteil von dem, was das Gerät einmal wert war beziehungsweise was ein neues Gerät kosten wird“, so der Verbraucherschützer.

Er gibt außerdem zu bedenken: „Es gibt für alles eine Garantieverlängerung – Reifen, Brille, Herd: Wo soll man da anfangen? Nach welchen Kriterien will man sie abschließen – oder nicht? Wer für alles, was mehr als 100 Euro kostet, eine Garantieverlängerung abschließt, hat am Ende sehr viel Geld ausgegeben. Davon abgesehen kann man nicht sein ganzes Leben versichern.“

Gratis-Garantieverlängerung lohnt sich

Trotzdem kann es sinnvoll sein, Garantieverlängerungen zu nutzen – wenn sie umsonst sind. „So eine kostenlose Garantieverlängerung gibt es bei einigen Geräten, wenn man sie beim Hersteller registriert“, erklärt Tryba. Speziell bei Laptops, Computern oder Digitalkameras sei dies oft der Fall.

Allerdings sind auch hier die Konditionen sehr unterschiedlich, etwa was die Dauer der Zusatzgarantie betrifft: Manche Hersteller geben zusätzlich zwei bis drei, andere sogar fünf Jahre Zusatzgarantie. „Manchmal wird die Garantie für das Material übernommen, in anderen Fällen für den Arbeitslohn bei einer Reparatur“, so Tryba. Im Schadensfall muss man dann also erst mal genau das Kleingedruckte lesen. Und bekommt im Zweifelsfall doch nicht das, was man sich erhofft hat.