Bevor der eigene Drachen knatternd in die Luft aufsteigen kann oder rasante Loopings dreht, gibt es einiges zu beachten. Lothar Marx, zweifacher deutscher Meister im Drachenbau und Vereinsvorsitzender der Drachenfreunde Köln, gibt Tipps für kleine und große Anfänger.

Lenkdrachen oder Deltadrachen: Welcher Drachen eignet sich am besten für Einsteiger?

Für Kinder eignen sich Drachen in Rautenform sowie die dreieckigen Deltadrachen am besten. „Die steigen früh auf, weil sie eine große Fläche haben“, sagt Marx. Mindestens fünf Jahre sollten Kinder alt sein, um mit dem Drachenflug anzufangen. Für dieses Alter eignen sich etwa 50 Zentimeter lange Rautendrachen, Deltadrachen sollten nicht breiter als einen Meter sein. Ältere Einsteiger können zu rund 2,50 Meter breiten Deltadrachen greifen, Rautendrachen können 1,20 Meter lang sein. 

Zur Stabilisierung eignen sich bei den Deltas Fransen, die rautenförmigen Drachen haben Schwänze. „Je länger der Schwanz ist, desto besser wird der Drachen geführt“, sagt Lothar Marx. Da selbstgebastelte Drachen schnell in die Brüche gehen, rät der Experte zum Kauf. Kleine Einsteigermodelle sind bereits zwischen 5 und 20 Euro zu haben. „Wenn es ein gekaufter Drachen ist, sollte man die Verpackungshinweise immer sehr aufmerksam lesen“, so Marx.

Spaß statt Frust am Anfang: Dafür eignet sich ein Drachen mit nur einer Leine

Jüngere Kinder sollten zu Drachen mit nur einer Leine greifen, sagt Marx. Die maximale Länge beträgt in Deutschland 100 Meter, bei Kindern seien aber 50 bis 60 Meter völlig ausreichend. Für Lenkdrachen mit mehreren Leinen sei ein größerer Kraftaufwand nötig, daher eigneten sie sich erst für Kinder ab zwölf Jahren. Dafür können mit zweileinigen Lenkdrachen richtige Figuren gesteuert werden und Vierleiner können sogar punktgenau geflogen werden. Drachen haben maximal acht Leinen – pro Hand vier.

Wichtiger Tipp fürs Basteln: Ring und Spezialknoten für die verstellbare Waageschnur

Die Waageschnur, die den Drachen mit der Leine verbindet und für die Stellung des Drachens zum Wind verantwortlich ist, sollte über einen Ring verstellbar sein, so Experte Marx: „Bei stärkerem Wind steht der Drachen flacher, bei wenig Wind steiler.“ Einfacher zu verstellen sei die Waageschnur, wenn sie nicht mit einem herkömmlichen Knoten an dem Ring befestigt ist, sondern mit einem „doppelten Buchtknoten“. Auch die Leine sollte mit diesem Spezialknoten an dem Ring befestigt sein.

Wenn es ans Fliegen geht: Welche Windstärke ist die richtige?

„Ab Windstärke zwei kann ein Kinderdrachen geflogen werden“, sagt Marx. Das entspreche einer Windgeschwindigkeit zwischen sechs und elf Stundenkilometern. Stärker als Windstärke vier bis fünf (20 bis 38 Stundenkilometer) sollte der Wind nicht sein. Die Naturbeobachtung reiche zur Einschätzung in der Regel aus: „Sobald sich die Äste an den Bäumen bewegen, kann es losgehen.“ Angaben zur Windgeschwindigkeit finden sich auch im Internet, alternativ kann ein Windmessgerät eingesetzt werden.

Tipp für den Start: Drachen mit dem Wind im Rücken sicher steigen lassen

„Erst mal kontrollieren, wo der Wind herkommt“, sagt Marx. Dann sollte man sich so hinstellen, dass der Wind im Rücken zu spüren ist. Generell sollten sich Drachenflieger immer gegen den Wind bewegen. Beim Start sei darauf zu achten, dass die Waageschnüre nach oben zeigen, das Gestänge demzufolge nach unten. Vom Boden aus sollte der Drachen nicht gestartet werden, da rutsche er meistens nach. Sinnvoller sei es, ihn von einer zweiten Person halten zu lassen.

Danach macht der Pilot ein paar Schritte rückwärts und lässt dabei vorsichtig Leine von der Spule. „Mindestens so viel, dass der Schwanz frei in der Luft schwebt“, so Marx: „Denn der Schwanz bringt die Stabilität.“ Fliegt der Drachen, sollte leicht an der Schnur gezogen werden, damit der Drachen weiter an Höhe gewinnt. „Dann kann ich wieder Schnur ablassen“, so Marx. Mehrmals sollte im Wechsel die Schnur angespannt und gelockert werden: „So schraubt sich der Drachen hoch.“ Zum Landen wird die Leine einfach eingewickelt.

Sicher fliegen: Beim Drachensteigen auf den Standort achten

„Fliege so, dass du keinen Menschen und kein Tier gefährdest“, sagt Marx. Die nichtlenkende Person sollte sich deshalb immer hinter dem Piloten aufhalten. Der Drachen sollte nicht zu niedrig über andere Menschen hinweggleiten, vor allem nicht über Wege und Straßen. Üble Schnittverletzungen sind hier möglich. Bei Windmangel könnten sich Schnüre auch über Straßen spannen und Verkehrsteilnehmer gefährden, warnt der Experte.

Zu Flughäfen muss ein Mindestabstand von 6 Kilometern eingehalten werden. In einem Abstand zwischen 6 und 10 Kilometern darf der Drachen laut Marx nur 30 Meter hoch fliegen, zwischen 10 und 15 Kilometern nur 70 Zentimeter. Danach seien die maximalen 100 Meter zulässig. Der Mindestabstand zu Segelflughäfen muss drei Kilometer betragen, zu Bahnschienen, Gebäuden, Stromleitungen und Autobahnen 600 Meter.

Optimal für Drachenfans seien daher freie Wiesen oder Strände, ohne Strommasten natürlich. Auch bei Gewitter sollte der Drachen besser zu Hause bleiben. „Durch statische Aufladung ist es möglich, dass die Schnur durchbrennt“, so Marx. Und natürlich seien auch Blitze eine Gefahr. Eine wichtige Regel unter Drachenfliegern sei aber auch, sich untereinander nicht zu behindern. Damit es nicht zu Schäden und Unfällen kommt, sollte immer Abstand gehalten werden. „Respekt den anderen gegenüber zeigen“, das sei ein ungeschriebenes Gesetz in der Szene.

Tobias Christ
Autor

Nach seinem Germanistik-Studium in Siegen und Köln arbeitete Tobias Christ als Redakteur und Pauschalist bei Tageszeitungen wie der „Siegener Zeitung“ oder dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Derzeit schreibt er als freier Journalist Beiträge für Print- oder Onlinemedien. Für aktiv recherchiert er vor allem Ratgeberartikel, etwa rund um die Themen Mobilität und Arbeitsrecht. Privat wandert der Kölner gern oder treibt sich auf Oldtimermessen herum.  

 

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