Emmerich. 162 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche im Jahr. Wobei immer mehr Konsumenten Wert auf Qualität legen. Die hängt unter anderem davon ab, wie der Muntermacher geröstet wird: Dauer, Temperatur und Luftzufuhr beeinflussen den Geschmack. „Und es spielt eine Rolle, ob ich einen Espresso oder einen Filterkaffee kochen will“, sagt Andreas Beenen. „Zu lange geröstet, das schmeckt gar nicht“, hat er gelernt.

Beenen hat einen „Rösterführerschein“ gemacht – jetzt kennt er sich beim Kaffee aus

Beenen kennt sich da inzwischen gut aus. Er arbeitet in der Fertigung der Probat-Werke in Emmerich am Niederrhein, wo es intensiv nach Kaffee duftet. Probat ist Weltmarktführer für Kaffeeröstmaschinen und industrielle Kaffeemühlen. Der Industriemechaniker hat so großes Interesse am Kaffee, dass er im Trainingszentrum von Probat einen „Röster-Führerschein“ gemacht hat. Mit ein paar Kollegen nach Feierabend.

Das Unternehmen bietet solche Kurse für Kunden aus aller Welt – und für alle 470 Mitarbeiter am Stammsitz. Meist gibt es mehr Interessenten als Plätze. „Die Trainerin hat uns den Röstablauf komplett erklärt. Sie hat uns gezeigt, wie man die Maschine bedient. Und dann hat sie eine Bohnensorte genommen und sie mal kurz, mal lange geröstet“, erzählt er. Auf einem Probiertisch liegen unterschiedlich gebräunte Bohnen.

Die Röstmaschinen von Probat werden an Coffee-Shops in der ganzen Welt verschickt

Beenen verdankt seinen Job einer wachsenden Schar von Feinschmeckern, die ihre speziellen Sorten direkt im Laden rösten lassen. Seit zehn Jahren arbeitet er bei Probat und baut die kleinen Röster komplett zusammen. Er setzt die Gasbrenner für das Erhitzen der Bohnen ein, montiert die Trommeln, Motoren und die Elektronik: „Bei uns gehen die Maschinen fertig raus und werden in die ganze Welt verschickt“, sagt Beenen.

Darin wirbeln und bräunen Bohnen für Coffee-Shops – ob in London, New York oder Seoul. Der Boom hat zu Beginn des Jahrtausends angefangen. Das traditionsreiche Familienunternehmen macht mit den Modellen, die bis zu 25 K ilogramm fassen, zwar nur einen kleinen Teil seines Jahresumsatzes von insgesamt 150 Millionen Euro. Aber die Zuwachsraten sind zweistellig.

Die Produkte vom Niederrhein sind edel – und manche computergesteuert

„Bei uns werden die fertigen Maschinen erhitzt, um ihre Funktion zu prüfen“, sagt Beenen. „Geröstet wird aber nur beim Kunden.“ Er habe den Röster-Führerschein gemacht, um die Maschinen „in Aktion zu sehen“. Bekannte wollen von ihm oft ein paar Kaffeemaschinen-Tipps. „Dabei denken die meisten an die normalen Haushaltsgeräte. Ich mache denen dann klar, dass bei uns alles eine Nummer größer ist und dass man auf unseren Automaten keinen Kaffee aufbrüht.“

Für die teils computergesteuerten Ladenröster kann sich der 37-Jährige vollauf begeistern: Kaffee trinkt er jedoch erst seit einem Jahr. Auf den Geschmack kam er durch einen Kollegen. Jetzt gönnt et sich jeden Morgen seinen Espresso, ganz stark, mit Zucker. Es bleibt meistens bei dem einen Tässchen. Einen Muntermacher braucht der Familienvater am Morgen eh nicht: Er ist von Natur aus Frühaufsteher und fängt schon um sechs Uhr mit der Arbeit an. „Bei uns kann jeder innerhalb der Gleitzeit kommen und gehen. Hauptsache, die Termine werden eingehalten und die Stundenzahl stimmt. Das ist sehr familienfreundlich.“

Mit Spannung und Vorfreude erwartet der gelernte Reparaturschlosser die neue Röster-Generation: „Ich weiß bisher nur, dass das Design verändert ist und mehr Farbe ins Spiel kommt.“

Er will sich bald auch mal an einen Filterkaffee oder Latte Macchiato wagen. Und überlegt sogar, einen Barista-Kurs im Trainingszentrum zu buchen. Fortgeschrittene lernen etwa, wie man die empfindlichen Siebträgermaschinen behandelt, Milch richtig aufschäumt und Bilder aus Kaffee und Milch zeichnet. Latte Art heißt die Kunst, Cappuccino und Co. mit Motiven zu verzieren. Vielleicht kommt Beenen noch auf den Geschmack ...

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Mein Vater war Schlosser, und ich bin halt so reingerutscht. Ich hatte schon als Kind Spaß am Schweißen und habe Verschiedenes aus Metall gebaut.

Was reizt Sie am meisten?

Es ist schön, zu sehen, was man herstellt. Ein Endprodukt, das funktioniert, macht Freude.

Worauf kommt es an?

Dass alles ordentlich montiert ist, keine Kratzer. Mit einem Wort: perfekt. Der Kunde soll Spaß an der Maschine und nichts zu meckern haben.