Abtsgmünd. Rund 19-mal im Jahr übernehmen Kinder die Lehrwerkstatt der Kessler & Co. GmbH & Co. KG. Angeleitet von Azubis hantieren sie an Schraubstöcken – mit Schutzbrillen, wie echte Mechaniker. Jedes Kind montiert seine eigene Zauberdrehscheibe.

Kooperation mit 19 Kindergärten in der Region

„Für die Kinder ist das der Wahnsinn“, erzählt Hubert Fuchs, Ausbildungsleiter bei Kessler. Seit über zehn Jahren kooperiert der ostschwäbische Achsen- und Getriebehersteller nun schon mit 19 Kindergärten in der Region. Coronabedingt ging seit Februar 2020 leider nichts mehr – aber hoffentlich in absehbarer Zeit wieder!

Duale Ausbildung für Schüler

An den Tag bei Kessler erinnern sich die kleinen Bastler noch lange. Manche kommen später als Azubis wieder – zum Beispiel im landesweit einzigartigen Programm „AbiPlus“, einer Kooperation mit dem Abtsgmünder St. Jakobus Gymnasium. Dahinter steckt eine schulbegleitende Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker.

Für sein Engagement in der dualen Ausbildung und der Berufsorientierung wurde der rund 800 Mitarbeiter starke Mittelständler vom Netzwerk SchuleWirtschaft 2020 mit dem ersten Preis im Wettbewerb „Das hat Potenzial!“ prämiert.

IHK-Prüfung nach der elften Klasse

Elf Gymnasiasten sind letztes Jahr in AbiPlus gestartet. Das Programm ist nicht ohne: Vier Jahre lang verbringen die Schüler die Hälfte ihrer Ferien, die Freitagnachmittage und viele Samstage im Betrieb. Jeden zweiten Samstag ist Berufsschulunterricht – in kleinen Gruppen und daher umso effektiver. Am Ende der elften Klasse treten sie dann zur IHK-Prüfung an.

Die Arbeitspraxis hilft auch in der Schule

Das Ergebnis dieses Modellversuchs ist völlig überraschend. Die Gymnasiasten absolvieren ihre IHK-Abschlussprüfung nicht nur mit dem besten Erfolg, sondern verbessern gleichzeitig auch ihre schulischen Leistungen: offenbar alles eine Frage der Motivation!

Ausbildungsleiter Fuchs betont: „Wir wollen leistungsbewusste Schüler fördern, ihnen Werte vermitteln wie Zuverlässigkeit, Eigenverantwortung, Engagement – auch wenn sie später nicht bei uns arbeiten.“ Die Arbeit an den Maschinen stärke außerdem das Selbstvertrauen.

Zerspanungsmechaniker mit Abi

Fuchs ist überzeugt: „Die persönliche Bildung ist genauso wichtig wie die fachliche.“ Für die Ausbilder bedeute das einen gehörigen Extra-Aufwand, räumt er ein. Aber: Zu sehen, wie die Schüler mit Begeisterung dabei sind, wie sie heranwachsen und reifen, sei für sich schon eine Belohnung. „Jedes Jahr sind wir richtig stolz auf die Schüler, die mit Abitur und einem Gesellenbrief die Schule verlassen.“