München. Die gute Nachricht: Trotz Corona-Pandemie und schwieriger Konjunkturlage setzen die Unternehmen in Bayerns Metall- und Elektro-Industrie (M+E) weiter auf Nachwuchssicherung. In diesem Jahr bieten sie fast genauso viele Ausbildungsstellen an wie 2020. Und branchenübergreifend stehen jedem Schulabsolventen rein rechnerisch immer noch 1,7 offene Ausbildungsstellen im Freistaat zur Verfügung!

Freilich gingen auch Rezession und die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht spurlos am Ausbildungsplatz-Angebot der bayerischen M+E-Industrie vorbei. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage der Arbeitgeberverbände bayme vbm. Danach sank die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für das Ausbildungsjahr 2020 um 13,6 Prozent, liegt aber immer noch ähnlich hoch wie im Boomjahr 2011. „Dies zeigt, dass die Betriebe ihre Verantwortung trotz Rezession ernst nehmen“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer von bayme vbm. „Sie setzen auf Nachwuchssicherung und bieten den jungen Menschen gute Perspektiven.“

Dieses Jahr sollen 91 Prozent der Auszubildenden übernommen werden

Selbst im Krisenjahr 2020 haben die Betriebe laut der Umfrage trotz der angespannten Lage fast 87 Prozent der Auszubildenden nach bestandener Prüfung befristet oder unbefristet übernommen – obwohl das Produktionsniveau um 12,9 Prozent unter dem Vorjahr lag und die Zahl der Beschäftigten in der bayerischen M+E-Industrie insgesamt um mehr als 25.000 Mitarbeiter gesunken ist. Obwohl sich der Stellenabbau – in langsamerem Tempo – auch 2021 fortsetzen wird, werden voraussichtlich knapp 9 von 10 Azubis übernommen.

Überhaupt spielt die wirtschaftliche Situation der Firmen nur eine sehr geringe Rolle bei der Übernahmefrage: Nur in 1,6 Prozent der Fälle steckte 2020 dieser Grund dahinter. Ebenso liegt der Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge für 2020 nur bei gut einem Viertel der Firmen an der konjunkturellen Flaute. Dagegen beklagt fast jede zweite, dass sie Stellen aufgrund fehlender Qualifikation der Bewerber nicht besetzen konnte.

„Die Umfrage zeigt, dass die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge noch höher sein könnte“, bekräftigt Brossardt. „Ungünstig wirkt sich vor allem der qualifikatorische Miss-Match aus.“ So bilden demnach auch 16,7 Prozent der befragten Unternehmen unter Bedarf aus. Immerhin: Mehr als 10 Prozent der Betriebe haben mehr Nachwuchs ausgebildet, als sie benötigen.

Suche nach Bewerbern wird immer schwieriger

Ein weiterer Grund, warum die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurückgegangen ist, liegt auch darin, dass sich auf einige Stellen zu wenige Interessenten beworben haben. Die Suche nach geeigneten Bewerbern wird in den kommenden Jahren noch schwieriger werden, prognostizieren die Verbände. „Zum einen bleibt die Zahl der Schulabsolventen maximal konstant“, begründet Brossardt. „Zum anderen werden konkurrierende Angebote wie etwa die schulische Ausbildung oder die Beamtenlaufbahn im mittleren Dienst verstärkt nachgefragt werden.“ Er warb für die Attraktivität der bayerischen M+E-Berufe, die sich auch finanziell bemerkbar macht: „Ein Auszubildender verdient im Durchschnitt über die gesamte Ausbildungszeit rund 1.111 Euro im Monat.“

Berufsorientierung läuft derzeit überwiegend digital

Auch im Ablauf der Ausbildung hat die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen. Viele Azubis arbeiteten aus dem Homeoffice, nahmen digital am Unterricht teil oder wurden in andere Abteilungen versetzt. Anders als festangestellte Kollegen waren die Auszubildenden jedoch kaum in Kurzarbeit – nur rund 1 Prozent von ihnen war davon betroffen.

Für die Anwerbung von Azubis haben coronabedingt drei Viertel der Betriebe zusätzliche, vor allem digitale Angebote bereitgestellt. Dazu zählen virtuelle Veranstaltungen, Online-Bewerbungsgespräche oder digitale Berufseignungstests. Um viele Jugendliche im Freistaat auf das gute Ausbildungsangebot der M+E-Industrie aufmerksam zu machen, haben die Verbände ihr digitales Angebot zur Berufsorientierung deutlich ausgeweitet. Einen Überblick und Informationen bietet die Plattform sprungbrett-bayern.de.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

 

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