Das Wichtigste auf einen Blick:
- Frankfurt am Main ist die reichste Kommune Deutschlands, gemessen an den Steuereinnahmen.
- Die Hessenmetropole ist rund sechsmal reicher als die bundesweit ärmste Kommune, der Landkreis Altenburger Land in Thüringen.
- Unter den zehn reichsten Städten und Kreisen findet sich die Hälfte allein in Bayern.
München ist bekannt für seine starke Wirtschaft und hohe Mieten. Frankfurt am Main als Metropole für Banken, Finanzen und den Euro. Und Hamburg hat unter den Bundesländern die höchste Millionärsdichte hierzulande, so das Statistische Bundesamt (Destatis).
Ob Stadt, Gemeinde oder Kreis: Welche Kommunen in Deutschland haben nun tatsächlich das meiste Geld? Den Sieger Frankfurt am Main haben wir schon verraten, doch bleibt vor allem die Frage zu klären: Wie kann man Reichtum und Armut in diesem Zusammenhang am zweckmäßigsten definieren? Außerdem gibt es einige spannende Entdeckungen in einem umfassenderen Ranking zu machen.
Je mehr Steuereinnahmen eine Kommune erzielt, desto größer ist ihr Handlungsspielraum
Die Gewerbesteuer ist die wichtigste originäre Einnahmequelle der Kommunen zur Bestreitung ihrer öffentlichen AusgabenQuelle: Statistisches Bundesamt
Der alle zwei Jahre neu erscheinende „Kommunale Finanzreport“ der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Neben Zuweisungen von Bund und Ländern bilden Steuern die wichtigste Einnahmekategorie der rund 400 Gesamtkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Den größten Anteil am Steueraufkommen 2024 hat die Gewerbesteuer in Höhe von 62,1 Milliarden Euro, gefolgt von Einkommen- (46,1 Milliarden), Grund- (14,5 Milliarden) und Umsatzsteuer (7,6 Milliarden) sowie von weiteren steuerähnlichen Zahlungen.
Hohe und stabile Steuereinnahmen sind ein zentraler Einflussfaktor für die haushaltspolitische Handlungsfreiheit von Kommunen. Einfache Rechnung: Je mehr Steuergelder diese bekommen, umso größeren Spielraum haben sie, um beispielsweise ihre Infrastruktur zu modernisieren, in Bildung und soziale Angebote zu investieren sowie sich als Wirtschaftsstand- und Wohnort oder gar als Reiseziel attraktiver zu machen.
Ranking: Frankfurt am Main ist die reichste Stadt Deutschlands, München der reichste Kreis
Nach dem Kommunalen Finanzreport 2025 der Bertelsmann-Stiftung auf Basis von Zahlen der Statistischen Ämter der Länder lag im Jahr 2023 die Hälfte der zehn reichsten Kommunen in Bayern, keine in Ostdeutschland (vergleiche Tabelle 1 am Ende dieses Artikels). In den Top Ten betragen die Steuereinnahmen jeweils über 2.400 Euro pro Einwohner gerechnet – der bundesweite Durchschnitt liegt bei 1.369 Euro.
Frankfurt am Main ist mit 4.584 Euro der absolute Spitzenreiter. Neben weiteren Großstädten wie München, Düsseldorf, Wolfsburg, Stuttgart, Köln und Leverkusen dominieren vor allem hessische und bayerische Städte sowie Landkreise im Ranking. Auf Platz zwei der Gesamtgruppe liegt mit 3.724 Euro Steuern pro Einwohner der Landkreis München mit seinen 29 Gemeinden.
Wie stark Kommunen insbesondere von Gewerbesteuern nach vorne katapultiert werden können, zeigt sich etwa im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth (Platz 9), der früher eher steuerschwach war. Doch seit 2020 sind in dem sehr ländlich, nahe der Grenze zu Tschechien gelegenen Kreis die Einnahmen außergewöhnlich hoch. Bedingt wird das durch die Steuerzahlungen der Siemens-Gruppe an die Stadt Kemnath. Diese hat einen der niedrigsten Gewerbesteuersätze Bayerns und gilt damit als regionale Steueroase.
Der Saalekreis in Sachsen-Anhalt kann eine ähnliche Erfolgsgeschichte vorweisen: Er liegt wegen seiner außergewöhnlich hohen Steuereinnahmen unter den ostdeutschen Kommunen auf dem ersten Platz. Grund: die starke industrielle Basis und die Ansiedlung bedeutender Unternehmen, insbesondere am Chemiestandort Leuna.
Deutschlands ärmste Kommunen liegen in den neuen Bundesländern – und in Rheinland-Pfalz
Die ärmste Kommune der Republik ist in Thüringen zu finden. Es ist bei 781 Euro Steuereinnahmen je Einwohner der Landkreis Altenburger Land mit ebenfalls 29 Gemeinden. Die 20 Schlusslichter des Rankings bilden fast ausschließlich ostdeutsche Landkreise sowie die beiden ostdeutschen Städte Suhl und Weimar (vergleiche Tabelle 2 am Ende dieses Artikels). Fast der ganze Osten unseres Landes ist noch immer relativ steuerschwach – nur acht der Landkreise dort lagen über dem Bundesdurchschnitt.
Auffällig: Die drei westdeutschen Kommunen unter den 20 ärmsten liegen alle in Rheinland-Pfalz, unter anderem Mainz. Am viertletzten Platz der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sieht man, dass Kommunen, die besonders von Steuereinahmen profitieren beziehungsweise abhängig sind, anfällig für wirtschaftliche Einbrüche sein können. Denn Mainz war im Jahr 2021 noch an die Spitze des Rankings geschossen – verursacht durch die enormen Gewinne, die die in der Stadt ansässige Firma Biontech im Zuge der Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 erreicht hatte.
So flossen allein in den Jahren 2021 und 2022 rund 3,3 Milliarden Euro Gewerbesteuer in die Stadtkasse. Die Einnahmen wurden für die Entschuldung der Stadt und die drastische Senkung des Gewerbesteuersatzes genutzt, um den Wirtschaftsstandort Mainz attraktiver zu machen. Doch der enorm positive Effekt hält heute nicht mehr an: Der niedrige Steuersatz in Kombination mit dem Rückgang des Impfstoff-Booms führte zu den niedrigen Steuereinnahmen im Jahr 2023 (797 Euro pro Einwohner). Aber für das Jahr 2025 hat der gefallene Shootingstar Mainz den Gewerbesteuersatz wieder angehoben.
Die 20 reichsten Kommunen Deutschlands
(nach Steuereinnahmen je Einwohner im Jahr 2023)
| Rang | Kommune | Kommunaltyp | Bundesland | Steuern (Euro) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Frankfurt am Main | Stadt | Hessen | 4.584 |
| 2 | München | Landkreis | Bayern | 3.724 |
| 3 | München | Stadt | Bayern | 3.503 |
| 4 | Düsseldorf | Stadt | Nordrhein-Westfalen | 3.486 |
| 5 | Coburg | Stadt | Bayern | 3.049 |
| 6 | Wolfsburg | Stadt | Niedersachsen | 2.959 |
| 7 | Erlangen | Stadt | Bayern | 2.860 |
| 8 | Stuttgart | Stadt | Baden-Württemberg | 2.823 |
| 9 | Tirschenreuth | Landkreis | Bayern | 2.701 |
| 10 | Köln | Stadt | Nordrhein-Westfalen | 2.482 |
| 11 | Regensburg | Stadt | Bayern | 2.474 |
| 12 | Ingolstadt | Stadt | Bayern | 2.462 |
| 13 | Böblingen | Landkreis | Baden-Württemberg | 2.441 |
| 14 | Main-Taunus-Kreis | Landkreis | Hessen | 2.438 |
| 15 | Dingolfing-Landau | Landkreis | Bayern | 2.432 |
| 16 | Wiesbaden | Stadt | Hessen | 2.397 |
| 17 | Mettmann | Landkreis | Nordrhein-Westfalen | 2.364 |
| 18 | Nürnberg | Stadt | Bayern | 2.268 |
| 19 | Hochtaunuskreis | Landkreis | Hessen | 2.210 |
| 20 | Leverkusen | Stadt | Nordrhein-Westfalen | 2.204 |
Quelle: Bertelsmann Stiftung/Statistische Ämter der Länder
Die 20 ärmsten Kommunen Deutschlands
(nach Steuereinnahmen je Einwohner im Jahr 2023)
| Rang | Kommune | Kommunaltyp | Bundesland | Steuern (Euro) |
|---|---|---|---|---|
| 396 | Altenburger Land | Landkreis | Thüringen | 781 |
| 395 | Mansfeld-Südharz | Landkreis | Sachsen-Anhalt | 781 |
| 394 | Elbe-Elster | Landkreis | Brandenburg | 789 |
| 393 | Mainz | Stadt | Rheinland-Pfalz | 797 |
| 392 | Hildburghausen | Landkreis | Thüringen | 826 |
| 391 | Oberspreewald-Lausitz | Landkreis | Brandenburg | 849 |
| 390 | Greiz | Landkreis | Thüringen | 873 |
| 389 | Kusel | Landkreis | Rheinland-Pfalz | 884 |
| 388 | Erzgebirgekreis | Landkreis | Sachsen | 888 |
| 387 | Kyffhäuserkreis | Landkreis | Thüringen | 888 |
| 386 | Weimar | Stadt | Thüringen | 890 |
| 385 | Altmarkkreis Salzwedel | Landkreis | Sachsen-Anhalt | 893 |
| 384 | Sächsische Schweiz-Osterzgebirge | Landkreis | Sachsen | 895 |
| 383 | Harz | Landkreis | Sachsen-Anhalt | 897 |
| 382 | Jerichower Land | Landkreis | Sachsen-Anhalt | 899 |
| 381 | Mecklenburgische Seenplatte | Landkreis | Mecklenburg-Vorpommern | 901 |
| 380 | Vorpommern-Rügen | Landkreis | Mecklenburg-Vorpommern | 904 |
| 379 | Märkisch-Oderland | Landkreis | Brandenburg | 906 |
| 378 | Suhl | Stadt | Thüringen | 912 |
| 377 | Trier-Saarburg | Landkreis | Rheinland-Pfalz | 913 |
Quelle: Bertelsmann Stiftung/Statistische Ämter der Länder

Jan-Hendrik Kurze ist der leitende Redakteur Online bei aktiv. Studiert hat er Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Berlin und Münster. Erste Erfahrungen mit Wirtschaftsthemen sammelte er im Berliner Stadtmarketing. In verschiedenen Kommunikationsbereichen – unter anderem bei ARD Digital, SAT.1 und beim Axel-Springer-Verlag – entdeckte er sein Faible für digitale Medien. Auf privaten Reisen hat er meist nur Augen für eine andere große Liebe: La Bella Italia.
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