Ein strammer Wind weht durch die Halle, die Richtung Osten offen ist. Das Thermometer steht trotz des blauen Himmels wie festgetackert bei sieben Grad, aber das hält hier im Dock von MV Werften niemanden von der Arbeit ab. Schließlich soll an dieser Stelle erstmals seit langer Zeit wieder ein richtiges Schiff entstehen – ganz so wie in alten Zeiten, nur größer. Viel größer. Die „Global 1“ wird Platz für fast 10.000 Passagiere haben und damit laut Werft das größte Kreuzfahrtschiff sein, das je in Deutschland gebaut wurde.

Die Dimension wurde schon bei der Kiellegung klar, die im vergangenen Herbst vor über 1.000 Gästen stattfand. Die erste Schiffssektion war 22 Meter lang, rund 26 Meter breit und 410 Tonnen schwer.

Die 2.500 Kabinen werden als Fertigmodule geliefert

Das Schiff selbst hat eine Länge von 342 Metern und entsteht in geteilter Bauweise an den MV-Standorten Rostock und Wismar. „Hier in Rostock bauen wir das 220 Meter lange Mittschiff“, erklärt Meister Andreas Beckmann. „Das wird im Anschluss nach Wismar verschifft, wo Bug und Heck sowie die Aufbauten montiert werden. Außerdem werden dort die 2.500 Kabinen eingesetzt, die unsere Schwesterfirma MV Werften Fertigmodule liefert.“

Beckmann ist ein alter Hase im Werftgeschäft. Der 50-Jährige arbeitet als Meister in der neuen Halle 11, die über 400 Meter lang ist und eine der modernsten Schweißanlagen Europas beheimatet.

„Auf dieser Laser-Hybrid-Anlage", sagt Beckmann, „verschweißen wir einzelne Stahlbleche zu großen Paneelen mit einer Maximalgröße von 25 Meter Länge und 16 Meter Breite. Künftig werden hier etwa 150 Personen pro Schicht arbeiten.“

Rund 600 Zulieferfirmen sind für das Unternehmen tätig

Aufgestockt wurde auch die übrige Belegschaft. Firmensprecher Stefan Sprunk: „Die Planung sieht vor, mittelfristig rund 3.000 Mitarbeiter zu beschäftigen. Diesem Ziel sind wir schon sehr nahe gekommen, da die Zahl der Arbeitsplätze mittlerweile auf 2.800 gestiegen ist.“

Weitere 3.000 Stellen sichert die Werftengruppe nach eigenen Angaben in den rund 600 Zulieferfirmen, die direkt oder indirekt am Bau der großen Schiffe beteiligt sind. Viele sind Mittelständler, die nicht nur attraktive Jobs bieten, sondern auch ausbilden und so dafür sorgen, dass es weiterhin ausreichend Fachkräfte in der Region gibt.

Aber auch die Werft selbst bildet aus. Stefan Sprunk: „Allein im Herbst 2018 haben wir bei uns insgesamt 117 neue Nachwuchskräfte begrüßt – so viele wie kein anderer Arbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern.“

Möglich wurde das durch eine umfangreiche Qualifizierungsoffensive, bei der das Unternehmen unter anderem von den Bildungsexperten der Verbände Nordmetall und AGV Nord und ihren Partnern des Verbunds nordbildung unterstützt wurde.

Digitale Technik gegen lange Warteschlangen

Das wirkt sich jetzt positiv aus, denn der Bau der „Global 1“ und ihres geplanten Schwesterschiffs ist eine große Herausforderung – auch wegen der vielen Innovationen, die man den Passagieren bieten will. „Die Global Class wurde vom Kiel aufwärts komplett für den asiatischen Markt konzipiert“, so Tan Sri Lim Kok Thay, der Vorstandschef des Werft-Eigners Genting. „Sie ist mit größeren Kabinen und spannenderen öffentlichen Areas als bisherige Kreuzfahrtschiffe ausgestattet.“

Auf neue Konzepte setzt man auch bei der Beförderung der Passagiere an Bord. Die Global-Class-Schiffe erhalten – zusätzlich zu den 28 Aufzügen, die die 20 Decks miteinander verbinden – acht große Rolltreppen. Das hat es so auf einem Kreuzfahrtschiff noch nicht gegeben. Und um lange Warteschlangen beim Ein- und Aussteigen und beim Zahlen zu verhindern, wird digitale Technik eingesetzt, die die Gäste per Gesichts-Scan erkennt und zuordnet.

Unten im Dock wird unterdessen emsig weitergearbeitet. Sprunk zeigt auf ein großes Bauteil, das gerade vom Kran eingehoben wurde. „Das ist ein Teil der Abgasreinigungsanlage von Alfa Laval“, sagt er. „Unser Schiff fährt mit modernen Dieselmotoren, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Außerdem werden wir ein eigenes Landstrom-System bauen lassen, um die Luftbelastung am Liegeplatz so niedrig wie möglich zu halten.“

Clemens von Frentz
Leiter aktiv-Redaktion Nord

Der gebürtige Westfale ist seit über 35 Jahren im Medienbereich tätig. Er studierte Geschichte und Holzwirtschaft und volontierte nach dem Diplom bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach arbeitete er unter anderem bei n-tv und „manager magazin online“. Vor dem Wechsel zu aktiv leitete er die Redaktion des Fachmagazins „Druck & Medien“. Wenn er nicht in den fünf norddeutschen Bundesländern unterwegs ist, trainiert er für seinen nächsten Marathon.

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