Die Zahl ist so hoch, dass man sofort an einen Rechenfehler denkt: 3.236 Satelliten (!) will Amazon ins All schießen lassen, um dort ein Vorhaben zu realisieren, das unter dem Namen „Projekt Kuiper“ entwickelt wurde. Es soll abgelegene Regionen in aller Welt mit Breitband-Internet versorgen, und das zu so günstigen Preisen, dass auch weniger finanzstarke Einrichtungen und Bürger davon profitieren.

Für dieses ehrgeizige Ziel – rund 80 Starts sind geplant – braucht es so viele Trägerraketen, dass ein Anbieter allein kaum lieferfähig wäre. Daher wurde das Volumen auf verschiedene Unternehmen verteilt. Eines davon ist der Bremer Raketenbauer Arianespace, bei dem insgesamt 18 Starts geordert wurden. Damit ist „Kuiper“ für Arianespace der größte Auftrag seit Gründung des Unternehmens.

3.236 Internet-Satelliten will Amazon ins All schießen

Der Vertrag wurde während eines Symposiums im amerikanischen Colorado Springs bekannt gegeben. „Wir freuen uns, dass wir eine wichtige Rolle bei diesem Projekt spielen dürfen, das darauf abzielt, viele Millionen Menschen mit dem Internet zu verbinden“, so Arianespace-CEO Stéphane Israël. „Wir sind ungeheuer stolz darauf, dass Amazon die Ariane 6 für diese Aufgabe ausgewählt hat, und freuen uns über diesen Vertrauensbeweis für unsere neue Rakete.“

Tesla-Gründer Elon Musk hat ähnliche Pläne

Weitere 38 Starts sollen laut Amazon mit Trägerraketen der United Launch Alliance (ULA) von Boeing und Lockheed Martin stattfinden – zusätzlich zu den neun Starts, die bereits zuvor vereinbart waren. Mit dem Unternehmen Blue Origin, das von Amazon-Chef Jeff Bezos gegründet wurde, gibt es ebenfalls eine Vereinbarung: 12 Starts sind verbindlich gebucht, bis zu 15 weitere könnten bei Bedarf dazukommen.

Amazons Vorhaben sorgt auch deshalb für Aufsehen, weil der Konzern damit Tesla-Gründer Elon Musk massiv Konkurrenz macht. Musk baut mit seinem Unternehmen SpaceX seit Jahren das Netzwerk Starlink auf und hat mit seiner „Falcon 9“-Rakete schon über 2.000 Satelliten ins All befördert.

Noch ist der Aufbau nicht abgeschlossen, aber der Anbieter hat bereits über 250.000 Kunden, die einen Internetzugang via Starlink nutzen. Die Datengeschwindigkeit von Starlink ist dem Vernehmen nach ungefähr so hoch wie bei einem üblichen DSL-Anschluss über das Festnetz.

Die Amazon-Satelliten sollen in einer Höhe von rund 600 Kilometern stationiert werden. Die Genehmigung dafür hatte Kuiper Systems bereits im Sommer 2020 von der US-Regulierungsbehörde FCC erhalten. Die Hälfte der Satelliten soll bis Ende Juli 2026 platziert werden, der Rest bis Mitte 2029.

Das Investitionsvolumen liegt bei deutlich über 10 Milliarden Dollar. Wie viel davon an die Ariane-Betreiber geht, ist bislang nicht bekannt. Starten werden die 18 Raketen am europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.

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