Märkte

Feine Folie aus Kupferschrott


Gould Electronics behauptet sich mit Qualität

Eichstetten. Kupferfolie ist das Herz jeder Elektronik. Sie steckt in Leiterplatten und Batterien, die Handys, Computer oder Unterhaltungsgeräte antreiben. Die Firma Gould Electronics im südbadischen Eichstetten stellt pro Monat 2,5 Quadratkilometer davon her – das entspricht 875 Fußballfeldern.

Das Rohmaterial liefert Kupferschrott, wie etwa Kupferdraht, der zuvor in Kabeln steckte. Daraus macht Gould in einem energie-intensiven elektrolytischen Verfahren hauchdünne Kupferfolie, Tausendstel Millimeter fein.

In seiner 50-jährigen Firmengeschichte hat sich das Unternehmen zu einem der weltweit wichtigsten Produzenten entwickelt. Sein Umsatz liegt bei 65 Millionen Euro. Seit 2004 gehört Gould zur japanischen JX-Holding.

Von sechs Herstellern sind zwei übrig

„Unser Geschäft ist stark konjunkturabhängig“, sagt Geschäftsführer Thomas Zipfel. Bis Ende der 80er-Jahre war die Sowjetunion der wichtigste Absatzmarkt. Sie war nicht in der Lage, ihre Elektronik mit Kupferfolien zu versorgen. Mit ihrem Ende brach dieser Markt für Gould weg.

Als die europäische Elektronikproduktion im großen Stil nach Asien verlagert wurde, kamen auch die Kupferfolienfabriken unter Druck. Zipfel: „Von ehemals sechs europäischen Herstellern sind nur zwei übrig.“ Einer davon ist Gould Electronics.

Heute ist Asien der wichtigste Markt für Kupferfolien. Der größte Teil der Folienherstellung und 87 Prozent der weltweiten Leiterplattenfertigung finden dort statt. Auch die Mutter von Gould betreibt Werke in Japan und auf den Philippinen.

Wie kann sich also das badische Unternehmen bis heute behaupten und dabei sogar 50 Prozent seiner Produkte nach Asien verkaufen? „Wir beherrschen unser Geschäft. Unsere Folien sind nicht die günstigsten, aber von höchster Qualität“, erklärt Zipfel.

 

Obwohl das Material 70 Prozent der Produktionskosten ausmacht, sieht der Geschäftsführer darin keinen Nachteil. „Schwieriger sind die Preisschwankungen, denn die Kunden kaufen dann, wenn der Kupferpreis unten ist, ganz gleich, was wir dafür bezahlt haben“, sagt er.

Sorgen bereitet Zipfel der deutsche Atomausstieg. Der dürfte Gould etwa 10 bis 15 Prozent höhere Energiekosten bringen. Die kann die Firma aber nicht einfach auf die Preise aufschlagen.

Neue Märkte mit Zukunft

Momentan beschäftigt der Hersteller 165 Mitarbeiter. Als vor drei Jahren die Produktion von 900 auf 500 Tonnen pro Monat schrumpfte, musste die Belegschaft von 220 auf 150 angepasst werden. Jetzt geht es wieder aufwärts.

Denn Kupferfolien werden auch in Photovoltaik-Anlagen gebraucht und in Lithium-Batterien, die in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden.

Geschäftsführer Zipfel ist deshalb zuversichtlich: „Das sind neue Märkte mit Zukunft.“


 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang