Sarstedt. Lässig lehnen sich Vivien Lauenstein und Victor Drews auf den neuen Plattenwärmetauscher ihres Arbeitgebers. Während die 21-jährige Lauenstein noch am Anfang ihrer Ausbildung steht, hat Drews seine bereits vor einigen Wochen abgeschlossen. Jetzt ist der 19-Jährige bei der Firma Kelvion in Sarstedt nahe Hildesheim technischer Produktdesigner. Das Unternehmen fertigt seit fast 100 Jahren Wärmetauscher für die Industrie.

Drews hat seine junge Kollegin richtig neugierig gemacht – neugierig auf „Coaching in der Ausbildung“. Diesem Programm des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall verdankt der junge Mann ein wenig, dass bei seiner Ausbildung alles gut lief. Eines der angebotenen Module heißt Projektmanagement. Da lernen die jungen Leute Methoden und Kniffe, um sich selbst besser zu organisieren und eigenständig zu arbeiten.

Ohne das Coaching wäre mir die Abschlussarbeit schwerer gefallen

„Das hat mir sehr dabei geholfen, meine Abschlussarbeit anzufertigen“, erzählt Drews. „Ohne dieses Projektmanagement-Modul wäre mir das deutlich schwerer gefallen.“

Genau darum geht es bei Coaching in der Ausbildung, kurz CiA: Den Jugendlichen Kompetenzen zu vermitteln, die normalerweise nicht zur Ausbildung gehören, ohne die es aber im Berufsleben womöglich schwer wird. Und ohne die es manchmal auch zum Abbruch der Lehre kommt. „Wir haben zum Beispiel trainiert, einen Vortrag oder eine Präsentation zu halten“, berichtet Drews. „Das war echt klasse und hat mir sehr geholfen.“ Gecoacht werden die Jugendlichen durch Trainer aus Wirtschaft, Bildung oder vom Arbeitgeberverband.

Ein Highlight war der Besuch der IdeenExpo in Hannover

Bei den acht meist eintägigen Modulen werden soziale Kompetenzen wie Team-, Kommunikations- und Kritikfähigkeit geschult sowie Leistungsbereitschaft, Disziplin, Eigenverantwortlichkeit und Belastbarkeit gefördert. Aber auch den Umgang mit der eigenen Gesundheit, mit Geld und Finanzen sowie die Lebensplanung nehmen die Einheiten in den Blick.

Zudem können sich die Jugendlichen zu Beginn jedes Moduls über das unterhalten, was sie gerade in ihrer Ausbildung oder im Unternehmen besonders beschäftigt. So lernen sie, ihre eigene Situation zu reflektieren und gleichzeitig ihre Altersgenossen bei deren Fragen und Themen zu unterstützen.

Ein Highlight während seiner Ausbildungszeit war für Produktdesigner Drews die IdeenExpo in Hannover. „Das war echt cool. Wir haben Schülerinnen und Schülern dort die Metallberufe in unserem Unternehmen vorgestellt“, berichtet der junge Mann. „Mit den Auszubildenden der anderen Unternehmen gemeinsam auf der Messe zu sein, war ein unglaubliches Erlebnis. Anstrengend zwar, aber superspannend.“ Ausbilderin Martina Boeksch erinnert sich noch gut: „Victor Drews kam total zufrieden von der Messe zurück. Man spürte, dass ihm das großen Spaß gemacht hatte.“

Berufsanfänger formulieren ihre Ziele für die nächsten zehn Jahre

Klar hofft die Auszubildende Vivien Lauenstein auf ähnliche Erlebnisse. Bei der IdeenExpo könnte das klappen, denn die steigt ja in diesem Jahr wieder. Bereits jetzt freut sich die junge Frau auf das Coaching mit Tipps zu privaten Finanzen, Versicherungen und für die Gesundheit. „Da haben wir vor dem Abitur eigentlich viel zu wenig gelernt.“ Vom Sommer an wird Lauenstein bei den Coaching-Tagen mit dabei sein.

Übrigens: Beim ersten Treffen, also zu Beginn ihrer Ausbildung, formulieren die jungen Berufsanfänger ihre Wünsche und Ziele für die nächsten zehn Jahre. Für Victor Drews war das damals klar: Facharbeiter machen, Auto kaufen, Familie gründen. Das erste Ziel hat er heute erreicht. Jetzt, mit dem Abschluss in der Tasche, will er erst einmal bei Kelvion bleiben. So kann er seine anderen Ziele angehen.

So geht „Coaching in der Ausbildung“

Das Ziel: Das Programm soll Azubis wichtige Kompetenzen für eine erfolgreiche Lehre vermitteln. Es ist ein Angebot des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall.

Der Ablauf: Es gibt acht Module, die sich über drei Lehrjahre verteilen.

Die Teilnehmer: Jeweils 16 Plätze gibt es. Die Teilnahme ist kostenlos.

Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

 

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