Alfeld. Mit Farbe ist Oliver Weist groß geworden. Der Vater hatte einen Malerfachbetrieb. Da lag der Berufsweg nahe: Malerlehre, anschließend Meister und Techniker machen, dann Selbstständigkeit. Heute ist Weist Chef der Firma weist + wienecke Oberflächenveredelung GmbH (WWO), die Metallteilen eine zweite Haut verschafft.

Das Unternehmen arbeitet für Maschinenbau und Medizintechnik. Und zählt seit Jahren die Deutsche Bahn zu seinen Kunden. So wuchs die Firma rasch. 1996 begann die Erfolgsgeschichte in einer kleinen gemieteten Halle mit 300 Quadratmeter Fläche. Heute zählt das Unternehmen 19 Mitarbeiter und fertigt in einer 1.800 Quadratmeter großen Produktionshalle in der Kleinstadt Alfeld bei Hildesheim.

Schutzschicht wird bei 180 bis 200 Grad eingebrannt

Weist setzt auf Pulverbeschichtung. „Die ist wirtschaftlich und umweltschonend“, sagt der Firmenchef. Beim Pulverbeschichten wird elektrostatisch aufgeladenes Kunststoffpulver auf Werkstücke aus elektrisch leitenden Metallen wie Stahl oder Aluminium aufgebracht und bleibt darauf haften. Durch anschließendes Einbrennen im Ofen bei 180 bis 200 Grad Celsius schmilzt das Pulver und vernetzt sich zu einer dauerhaften Oberfläche.

Eingesetzt werden solche Teile bei Schaltschränken, Haushaltsgeräten oder Maschinenverkleidungen. Auch Alufelgen oder Fahrwerksteile werden so beschichtet. Die Stücke können bis maximal drei Meter lang sowie zwei Meter hoch sein und schon mal 400 Kilogramm wiegen.

Schritte zur Digitalisierung brachten eine Auszeichnung

Die Beschäftigten bringen den Pulverlack mit Hand- oder Automatikpistolen auf. Nicht selten müssen sie bis zu zehn Mal am Tag die Farbe wechseln. Jedes Teil wird streng kontrolliert. Labormitarbeiter machen Bewitterungs- oder Kugelschlag-Tests, sie begutachten den Glanz oder prüfen mit einem Biegetest, wie gut die neue Haut haftet.

Weist setzt auf hohe Qualität und Termintreue. Sein Ziel ist, beim Kunden möglichst früh in die Konstruktion der Teile eingebunden zu werden. „Die Veredelung steht zwar oft erst am Ende der Fertigung“, erklärt Weist. „Aber sie ist deutlich mehr, als nur Farbe aufzutragen.“ Das brauche Beratung.

WWO (pulver-wwo.de) hat die Digitalisierung gestartet. Per Barcode etwa holen sich die Mitarbeiter Informationen zum Arbeitsauftrag. Dafür erhielt das Untenrehmen 2017 einen „Besser lackieren.Award“. Das ist, so Weist, der Oscar der Beschichtungsbranche.

Werner Fricke
Autor

Werner Fricke kennt die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie aus dem Effeff. Denn nach seiner Tätigkeit als Journalist in Hannover wechselte er als Leiter der Geschäftsstelle zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall. So schreibt er für aktiv über norddeutsche Betriebe und deren Mitarbeiter. Als Fan von Hannover 96 erlebt er in seiner Freizeit Höhen und Tiefen.

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