Wendelstein. Nadine Dose hält sich eine Lupe ans Auge und blickt auf die kleine Glaslinse, die sie zwischen zwei Fingerspitzen hält. „Sieht gut aus“, urteilt sie dann – und legt die Linse in die Schachtel für den nächsten Arbeitsschritt.

Testen, immer wieder testen und nachmessen: Das ist eine zentrale Aufgabe der Feinoptikerin bei Sill Optics im mittelfränkischen Wendelstein. Das Unternehmen bei Nürnberg mit fast 250 Mitarbeitern stellt hochpräzise Linsen vor allem für die technische Optik her. Sie bündeln zum Beispiel Laserstrahlen punktgenau für verschiedene Anwendungen, sind aber auch in Teleskopen, Spektiven und Messgeräten zu finden.

Da kommt es auf größte Genauigkeit an, erklärt Dose: „Glas ist ein empfindliches, aber auch sehr veränderbares Material.“ Die Polierwerkzeuge, die hier das Glas schleifen, überprüft sie daher täglich: „Durch Temperaturschwankungen können sie sich verziehen.“ Dies sei eine stets neue Herausforderung. „Das macht den Job aber spannend. Und ich habe viel Verantwortung, da ich selber entscheide, wie ich jeweils vorgehe.“

Neue Verfahren und neue Technologien verändern immer wieder die Arbeit

Vor fast 19 Jahren startete Dose bei Sill Optics. Zu dem sehr seltenen Beruf der Feinoptikerin kam sie aufgrund einer Zeitungsannonce. „Ich hatte zwar keine genaue Vorstellung, wohin es beruflich gehen soll“, erinnert sich die 34-Jährige, „aber ich wollte immer etwas Exotisches machen. Das habe ich hier gefunden.“

Tatsächlich ist der dreieinhalbjährige Ausbildungsberuf so „exotisch“, dass nur wenige Berufsschulen in Deutschland diese Fachrichtung anbieten. Feinoptik-Azubis haben daher etwa viermal im Jahr Blockunterricht und wohnen während dieser Wochen in Azubi-Unterkünften. Für Azubis aus dem Freistaat steht die Glasfachschule Zwiesel im Bayerischen Wald zur Verfügung.

Klar, dass während der Ausbildung erst mal die Grundtechniken der Glasbearbeitung anstehen, zunächst also: Handarbeit. „Doch später im Job arbeiten wir mit Maschinen“, sagt Dose. Und die haben sich während der Jahre stark verändert: „Es gibt immer wieder neue Verfahren, neue Technologien.“

Durchaus auch mit positivem Effekt für die Firma. So hat etwa ein fortschrittlicheres Verfahren dazu geführt, dass Sill Optics heute Gläser auch beschichtet – und diesen Arbeitsschritt nicht mehr wie früher außer Haus gibt.

Ganz egal, wie groß eine optische Linse am Ende wird: Die Arbeitsschritte sind immer gleich. Zunächst formt eine Fräsmaschine den Glasrohling, dann folgt das „Läppen“, eine Art Feinschleifen. Schon hier, wie auch beim Polieren, kommt es auf Tausendstel Millimeter an! Die Feinoptikerin und ihr Team beaufsichtigen sechs Poliermaschinen, vor allem für kleinste Linsen. Danach prüfen sie jede einzelne Linse unter anderem mithilfe eines Interferometers: Die Linse muss das Licht genau wie vorgegeben brechen, eine „Nulllinse“ mit den exakten Parametern dient dafür als Vorbild.

An der filigranen Arbeit haben gerade auch Mädchen viel Spaß

Seit gut zehn Jahren gibt die routinierte Fachfrau ihre Kenntnisse an Azubis weiter. Zwölf angehende Feinoptiker hat Ausbilderin Dose derzeit unter ihren Fittichen, auch viele Frauen. „Eigentlich ist das ein idealer Job für Mädchen“, findet sie. Filigranes Arbeiten mit Fingerspitzengefühl liege vielen. Und obendrein: „Man verdient richtig gut.“

Das kommt ihr als passionierter Reiterin zugute: Sie hat sich vor Jahren ein eigenes Pferd gekauft. „Hier im Job die ruhige, präzise Arbeit – und sich dann mit dem Pferd austoben, das ist die perfekte Kombination“, sagt sie und lacht. 

3 Fragen...

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Das war Zufall: Ich suchte nach einem Ausbildungsplatz und habe mich auf eine Zeitungsanzeige von Sill Optics beworben. Und es hat sofort gepasst!

Was reizt Sie am meisten?

Kein Tag ist wie der andere. Selbst ähnliche Aufträge verlaufen je nach Wetter anders, weil die Temperatur die Polierwerkzeuge verändern kann.

Worauf kommt es an?

Sehr präzise zu arbeiten. Es geht bei uns um feinste Nuancen, da müssen wir immer wieder nachjustieren und nachmessen, ob alles stimmt.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

 

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