Neuss. Jeder Dritte in Deutschland verdient wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie derzeit weniger als vor der Krise. Trotzdem liegt die Überschuldung der deutschen Haushalte laut dem neuen „Schuldneratlas“ auf einem historischen Tiefstand! Die Überschuldungsquote beträgt nun 8,9 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit der ersten Erhebung 2004.

Wie kann das sein? aktiv erklärt, was sich auf den ersten Blick paradox anhört.

Der Schuldneratlas der Auskunftei Creditreform ermittelt jährlich, wie hoch der Anteil der überschuldeten Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen ist. Er ordnet die Betroffenen Überschuldungstypen zu und analysiert nicht zuletzt die Gründe für die Überschuldung.

Wie schon im Vorjahr ist Corona die Ursache dafür, dass bei etwa einem Drittel der Bundesbürger weniger Geld in der Haushaltskasse ist. Ein wichtiger Grund: niedrigerer Verdienst durch Kurzarbeit.

Unsicherheit ließ die Sparquote stark steigen

Nach wie vor gibt es zudem Beschäftigte und Selbstständige, die aufgrund von Corona-Beschränkungen oder Hygiene- und Schutzmaßnahmen ihrem Beruf oder auch ihrem Nebenjob nicht so nachgehen können wie gewohnt. Entsprechende Einkommenseinbußen sind die Folge.

Gleichzeitig aber haben die Krise und insbesondere auch die Lockdown-Phasen die Kauflaune vieler Menschen gesenkt: Mit Blick auf eine plötzlich unsicherere Zukunft, aber auch, weil Läden geschlossen hatten, haben viele ihren Konsum zurückgeschraubt, auf Reisen verzichtet, Anschaffungen verschoben.

Etwa 200 Milliarden Euro seien seit Beginn der Pandemie schon zusätzlich gespart worden, schätzen die Creditreform-Experten. Und einen Teil des nicht ausgegebenen Geldes nutzten die Verbraucher, um ihre Schulden abzuzahlen.

Regelungen für Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld führten dazu, dass viele Menschen ihre Jobs behalten konnten

Ein ähnliches Phänomen hatte der Schuldneratlas schon während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 festgestellt. Und genau wie damals ist vor allem eines jetzt entscheidend dafür gewesen, dass trotz Wirtschaftskrise nicht viel mehr Menschen zahlungsunfähig wurden: die immensen Stützungs- und Hilfsmaßnahmen unseres Sozialstaats.

Dazu zählen vor allem die großzügig ausgeweiteten Regelungen für die Kurzarbeit und das Kurzarbeitergeld. Sie sorgen dafür, dass Firmen trotz Finanzschwierigkeiten ihre Mitarbeiter an Bord halten können. Die Corona-Hilfen für Selbstständige sind ebenfalls sehr wichtig, wie auch spezielle Hilfen für einkommensschwache Familien.

Und so ist die Überschuldung 2021 zurückgegangen – deutschlandweit, sowohl in West wie auch in Ost und in allen Altersgruppen.

Was allerdings auch klar ist: Wenn die Wirtschaft zu lange braucht, um wieder so richtig in Schwung zu kommen, dann wird die Zahl der Überschuldeten leider wieder steigen.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

 

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