München. Es knackt tatsächlich, als Timo Bongartz mit seiner Gabel in die leuchtend grünen Salatblätter sticht. Er sitzt in der Teeküche des Münchner Start-ups Agrilution. Den Salat hat er vor wenigen Minuten erst aus dem in der Küchenzeile eingebauten Gewächshaus geerntet – knackfrisch.

Das Start-up Agrilution setzt mit seinem Hightech-Gewächsschrank auf den Anbau von Salat und Kräutern in den eigenen vier Wänden. Und Osram ist über seine Venture-Capital-Einheit Fluxunit mit an Bord.

Pflanzen wachsen dank Indoor-Anbau auch im Winter

Timo Bongartz, als Head of Smart Farming bei Osram verantwortlich für diesen Bereich, erklärt: „Wir erleben die Digitalisierung und Automatisierung des Anbaus.“

Das hat Vorteile: „Durch den Indoor-Anbau von Salat und Gemüse in kontrollierter Umgebung lässt sich ganzjährig und ortsunabhängig produzieren.“ Durch das geschlossene System reduziert sich der Einsatz von Wasser und Dünger auf ein Minimum. Pestizide entfallen ganz.

Damit alles gut wächst, braucht das System jedoch das richtige Licht. Und das liefert Osram mithilfe spezieller LEDs. Auf diesem Gebiet ist das Münchner Unternehmen Marktführer.

Mehr Vitamine in Tomaten durch Veränderungen im Spektrum des Lichts

Licht verhilft den Pflanzen nicht nur zu Wachstum – es hat auch generell Einfluss auf ihre Entwicklung. Die Lichtintensität wirkt sich auf Aussehen oder Inhaltsstoffe aus. Sie steigert Ertragsmengen und verkürzt Wachstumszeiten. „Durch Veränderung des Lichtspektrums können wir etwa den Vitamingehalt in Salaten und Kräutern steigern“, gibt Bongartz an. „Oder steuern, ob Basilikum mild oder kräftig schmeckt.“

Stellschrauben sind die Bestrahlungsstärke, die Länge der Fotoperioden und die unterschiedlichen Farbwellen, die Licht bilden. Mit der von Osram entwickelten Forschungsleuchte lassen sich beliebig viele Lichtszenarien programmieren. Das hilft etwa Kunden von Agrilution: Sie beziehen Saatmatten mit Pflanzensamen. Die Matten sind mit einem RFID-Chip gekennzeichnet. Stellt der Gärtner sie in seinen Gewächsschrank, erkennt der intelligente Schrank anhand des Codes, um welche Pflanze es sich handelt, und regelt Licht, Bewässerung und Temperatur automatisch.

„Smart Farming“ nach dem Vorbild von Agrilution bietet einen riesigen Wachstumsmarkt. „Das Potenzial ist enorm“, ist Bongartz überzeugt. Supermärkte könnten etwa frische Salate direkt im Laden anbauen. Und es könnte sogar im Weltall knackige Nahrung wachsen. Zumindest die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA interessiert sich dafür. Ihre Forschungsstelle für Lebensmittelproduktion (NASA Food Production Research) setzt die Leuchte von Osram im Kennedy Space Center in Florida ein. Wissenschaftler tüfteln dort an den idealen Lichtbedingungen zur Produktion von Salaten und Kräutern für Raumfahrt-Crews.

Die Erkenntnisse auf der Erde fließen in Pflanzenexperimente auf der Internationalen Raumstation ISS ein. Übrigens auch umgekehrt: Was man im All herausfindet, hilft, die Wachstumsbedingungen auf der Erde besser zu verstehen.

LED für automatisierte Farmen

„Unsere Vision ist die intelligente, automatisierte Farm von morgen“, sagt Bongartz. „Dafür arbeiten wir an einem ganzheitlichen System, das über das intelligente Lichtmanagement hinausgeht. Ziel ist die Gesamtvernetzung des Pflanzenbaus.“

Und wer weiß: Vielleicht pflücken wir in ein paar Jahren unseren Salat selbst – im Supermarktregal.

Alix Sauer
Leiterin aktiv-Redaktion Bayern

Alix Sauer hat als Leiterin der aktiv-Redaktion München ihr Ohr an den Herausforderungen der bayerischen Wirtschaft, insbesondere der Metall- und Elektro-Industrie. Die Politologin und Kommunikationsmanagerin volontierte bei der Zeitungsgruppe Münsterland. Auf Agenturseite unterstützte sie Unternehmenskunden bei Publikationen für Energie-, Technologie- und Mitarbeiterthemen, bevor sie zu aktiv wechselte. Beim Kochen und Gärtnern schöpft sie privat Energie.

 

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