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Schiff-Sanierung

„Otto Lauffer“: Ein historischer Dampfer wird wieder fit gemacht

Die 1928 gebaute „Otto Lauffer“ zählt zu den ältesten Museumsschiffen Deutschlands. Nun wird die frühere Dampfbarkasse der Hamburger Wasserschutzpolizei auf der Lauenburger Hitzler-Werft aufwendig restauriert.

Hamburger Original: Die 17 Meter lange Barkasse war 40 Jahre im Polizeidienst und wurde 2009 unter Denkmalschutz gestellt. Foto: Museumshafen

Hamburger Original: Die 17 Meter lange Barkasse war 40 Jahre im Polizeidienst und wurde 2009 unter Denkmalschutz gestellt. Foto: Museumshafen

Neuer Anstrich: Das Schiff wurde komplett entrostet, ausgebessert und danach originalgetreu lackiert. Foto: Augustin

Neuer Anstrich: Das Schiff wurde komplett entrostet, ausgebessert und danach originalgetreu lackiert. Foto: Augustin

Schiffsretter: Bjørn Nicolaisen vom Museumshafen Oevelgönne mit einem Modell des Dampfers. Foto: Augustin

Schiffsretter: Bjørn Nicolaisen vom Museumshafen Oevelgönne mit einem Modell des Dampfers. Foto: Augustin

100 Prozent Handarbeit: Allein das Verlegen des Holzes auf dem Deck dauerte viele Wochen. Foto: Museumshafen

100 Prozent Handarbeit: Allein das Verlegen des Holzes auf dem Deck dauerte viele Wochen. Foto: Museumshafen

Das Herzstück: Der neue Kessel wiegt sieben Tonnen und wurde nach alten Originalplänen von einem Spezialunternehmen in Husum gebaut. Foto: Museumshafen

Das Herzstück: Der neue Kessel wiegt sieben Tonnen und wurde nach alten Originalplänen von einem Spezialunternehmen in Husum gebaut. Foto: Museumshafen

Altes Schätzchen: Die Zwei-Zylinder-Dampfmaschine, mit der das Schiff beim Bau 1928 ausgestattet wurde, läuft immer noch. Foto: Museumshafen

Altes Schätzchen: Die Zwei-Zylinder-Dampfmaschine, mit der das Schiff beim Bau 1928 ausgestattet wurde, läuft immer noch. Foto: Museumshafen

Auf der Elbe: So wie einst soll die „Otto Lauffer“ bald wieder fahren. Foto: Museumshafen

Auf der Elbe: So wie einst soll die „Otto Lauffer“ bald wieder fahren. Foto: Museumshafen

Der Maschinist: Michael Jahn ist Kesselexperte beim Tüv Nord und engagiertes Mitglied beim Museumshafen Oevelgönne. Foto: Museumshafen

Der Maschinist: Michael Jahn ist Kesselexperte beim Tüv Nord und engagiertes Mitglied beim Museumshafen Oevelgönne. Foto: Museumshafen

Das Prinzip: Im Kessel (links) wird Wasser erhitzt, der Dampf treibt den Kolben (gelb) an. Illustration: Langen

Das Prinzip: Im Kessel (links) wird Wasser erhitzt, der Dampf treibt den Kolben (gelb) an. Illustration: Langen

Die Kleinanzeige im „Hamburger Abendblatt“ hatte nur wenige Zeilen, aber das reichte für die wichtigsten Details: „1 Dampfboot, 147 PS, zu verkaufen. Näh. Gänsemarkt 36, Zi. 19, Telefon 341016, Apparat 371“. Damit begann am 1. März 1968 die zweite Karriere einer alten Barkasse, die heute für viele Schiffsliebhaber ein „einzigartiges Juwel der Dampfschiff-Ära“ ist.

„Das Inserat stammte von der Finanzbehörde“, erzählt Bjørn Nicolaisen, Geschäftsführer des Museumshafens Oevelgönne. „Sie wollte einen ausrangierten Dampfer der Wasserschutzpolizei veräußern.“

So kam die Barkasse in den Besitz des Museums für Hamburgische Geschichte und (als Reverenz an den ersten Direktor des Hauses) zu ihrem neuen Namen „Otto Lauffer“, unter dem sie fortan einige Jahre lang als schwimmendes Unikat im Norden unterwegs war.

2003 war mit dem Fahren erst mal Schluss, da die Betriebserlaubnis für den Dampfkessel abgelaufen war. Zwei Jahre später übereignete das Museum die Barkasse daher dem Museumshafen Oevelgönne, der mit einer Sanierung begann.

Die gestaltete sich allerdings sehr schwierig, weil das Geld ausging. Umso größer war die Freude, als die Hamburger Bundestagsabgeordneten Matthias Bartke und Johannes Kahrs eine Finanzierung initiierten. Bjørn Nicolaisen: „Nun gibt es aus Bundes- und Landesmitteln eine Summe von 890.000 Euro, mit der wir das denkmalgeschützte Schiff von Grund auf restaurieren können.“

Eine Husumer Firma baute den Kessel originalgetreu nach

Viel Geld für die Reparatur eines nur 17,30 Meter langen Schiffs, aber jeder Cent davon wird gebraucht, denn die Auflagen des Denkmalamts sind strikt. Nicolaisen steigt auf das Baugerüst neben der Barkasse und klopft gegen die Wallschiene, die den Rumpf bei Berührungen mit der Kaimauer schützt. „Massivholz“, sagt er. „Maßanfertigung, Stück für Stück angepasst. Es dauerte ewig, bis wir einen Handwerker ausfindig gemacht hatten, der so was noch kann.“

Eine konventionelle Wallschiene aus Stahl oder Kunststoff wäre deutlich billiger gewesen, aber da hätten die Denkmalschützer nicht mitgespielt. Gleiches gilt für die Holzarbeiten am Deck und alle anderen Maßnahmen, mit denen das Schiff wieder fit gemacht wird.

Eine ganz besondere Herausforderung war der Austausch des Dampfkessels, wie Michael Jahn erzählt. Er kennt sich mit dem Thema bestens aus, denn er ist Kessel-Sachverständiger beim Tüv Nord und seit langer Zeit im Museumshafen engagiert.

„Wir hatten zwar noch die Originalpläne der Hamburger Stülcken-Werft von 1928“, so Jahn, „aber die meisten Unternehmen winkten sofort ab. Schließlich sollte der Nachbau so originalgetreu wie möglich erfolgen, und gleichzeitig mussten alle aktuellen Sicherheitsstandards berücksichtigt werden.“

Eigentlich ein Widerspruch in sich, aber die Schiffsfreunde hatten Glück: Im fernen Husum fanden sie die Firma Wulff & Umag Energy Solutions, die das scheinbar Unmögliche schaffte und einen passenden Dampfkessel baute, der im Januar 2017 eingebaut wurde.

Wer dabei sein möchte, kann Mitglied der Crew werden

Unterdessen gehen die Arbeiten der verschiedenen Gewerke in der Hitzler-Halle munter weiter. „Wir sind im Plan“, sagt Projektleiter Andreas Westphalen. „Wenn nichts dazwischen kommt, können wir Mitte des Jahres fahren.“ Der Hamburger Diplom-Ingenieur hat die Studie zur Restaurierung erstellt und koordiniert die Arbeiten.

Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist eine feste Crew. Jahn: „Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will. Den Maschinisten-Job übernehme ich, aber daneben gibt es noch viele andere Aufgaben.“ Seine Frau Monique käme dafür übrigens auch infrage; sie ist wie ihr Mann seit langer Zeit im Museumshafen aktiv und arbeitet als Crew-Mitglied auf dem Dampfschlepper „Woltman“. Als Heizerin.

Wer fahren will, muss erst mal einheizen

Zu den Klassikern des deutschen Films gehört „Die Feuerzangenbowle“, in der Lehrer Bömmel die Dampfmaschine erklärt. „Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch.“

Das ist etwas vereinfacht, aber im Prinzip nicht falsch. Das Größte an einer Dampfmaschine ist der mit Holz oder Kohle befeuerte Kessel, in dem Wasser erhitzt wird. Sobald es kocht, wird der entstehende Dampf durch Rohre zur eigentlichen Maschine geleitet, wo er einen Kolben antreibt – ähnlich wie die Verbrennungsgase in einem Benzin- oder Dieselmotor. Die Dampfmaschine der „Otto Lauffer“ bringt es so immerhin auf fast 150 PS und 250 Umdrehungen pro Minute.


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