Zölle: Wer zahlt? Das müssen Sie jetzt wissen

Zölle haben sich als ein scharfes Instrument der US-Außenpolitik erwiesen. Zwar gibt es inzwischen einen Zolldeal. Doch dieser birgt Risiken für die deutsche Wirtschaft. Erfahren Sie hier, wer zahlt und wie die EU reagiert.

Stand:

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Zölle verteuern Waren und bremsen den freien Handel. Damit schaden sie langfristig Wirtschaftswachstum, Wettbewerb und Verbrauchern.
  • Die EU hat im Juli 2025 einen Zolldeal mit den USA abgeschlossen. Ein Handelskrieg ist damit abgewendet.
  • Aus Expertensicht sollten einige Aspekte nachverhandelt werden. Denn Risiken für Jobs sind immer noch möglich.

Zölle: Wem sie schaden, wem sie nützen

Wie funktionieren Zölle?

Zölle sind eine Art Extra-Steuer, die Waren ausländischer Firmen teurer macht. Dabei spricht man von Import-Zöllen.

Ein Beispiel: Der Staat erhebt auf ein ausländisches Produkt im Wert von 100 Euro einen 25-prozentigen Zoll. Dann muss der Käufer 125 Euro bezahlen. Davon kassiert der Staat 25 Euro.

Wie wirken sich Zölle auf die Wirtschaft aus?

Zölle verzerren den Wettbewerb zwischen den einheimischen und den ausländischen Produkten. Das führt zu schlechteren Ergebnissen für alle Beteiligten.

Zölle verursachen Bürokratie. Bürokratie macht Lieferketten ineffizienter, das heißt: aufwendiger, langsamer und teurer.

Zölle sorgen auch dafür, Waren umzulenken. Stehen Unternehmen vor Zollschranken, suchen sie sich neue Kunden und/oder Lieferanten in anderen Staaten.

Langfristig zeigt sich zudem: Wer ausländische Konkurrenz mit Zöllen fernhält, macht es den inländischen Firmen zu bequem. Sie haben dann wenig Anreiz, sich zu verbessern. In Staaten ohne freien Handel sinkt die Produktqualität.

Schließlich können neue Zölle zu Vergeltungsmaßnahmen der betroffenen Staaten führen. Daher droht allgemeiner Protektionismus mit üblen Folgen für die Weltwirtschaft.

Welche Vorteile und Nachteile haben Zölle?

Staaten versprechen sich von Zöllen folgende Vorteile:

  • Mehr Einnahmen für den Staat
  • Schutz der einheimischen Produzenten vor ausländischen Konkurrenten
  • Schutz vor billigen ausländischen Produkten, die das Herkunftsland auf unfaire Weise gefördert hat (Anti-Dumping-Zölle)

Zölle haben die folgenden Nachteile:

  • Käuferinnen und Käufer zahlen mehr.
  • Kaufen Betriebe verzollte Waren, geben sie die Zoll-Kosten möglichst an die eigenen Kunden weiter. Beides treibt die Inflation an.
  • Oft sind die einheimischen Produkte preiswerter, nur weil sie zollfrei sind. Sie sind aber nicht unbedingt besser. Kaufen Kunden sie dann nur wegen des Preisvorteils, bekommen sie schlechtere Ware, als eigentlich möglich wäre.

Was bedeutet Protektionismus?

Protektionismus sind die Maßnahmen, mit denen der Staat einzelne Wirtschaftsbereiche vor ausländischer Konkurrenz schützt.

Wichtige Beispiele für protektionistische Maßnahmen sind:

  • Zölle
  • Höchstmengen für bestimmte Einfuhren
  • Komplizierte Vorgaben für technische Produkte
  • Komplizierte Anmeldeformalitäten für Einfuhrgüter

Das Gegenteil von Protektionismus ist Freihandel.

Was bedeutet Freihandel?

Freihandel ist der Austausch von Waren und Dienstleistungen ohne Zölle und andere Handelsbeschränkungen. Das Ziel ist, Wohlstand und Lebensqualität der beteiligten Länder zu erhöhen.

Die Idee des Freihandels geht wesentlich auf den Briten David Ricardo zurück. Er kam schon vor rund 200 Jahren zu dem Schluss, dass Handelshemmnisse schädlich sind. Freierer Handel dagegen führe zu besserer Arbeitsteilung und zu Kostenvorteilen. Davon profitierten alle.

Ein Beispiel: Angenommen, in Irland kostet die Produktion von einem Kilo Schafwolle 100 Euro und die Produktion eines Kilo Orangen 4 Euro. In Spanien kostet dagegen die Herstellung eines Kilo Wolle 200 Euro, die eines Kilo Orangen aber nur 2 Euro. Dann ist es sinnvoll, dass die Länder sich spezialisieren. Tauschen sie ihre jeweils günstigeren Waren ohne Zölle aus, bekommen die Verbraucher in beiden Ländern die jeweiligen Produkte zu einem besseren Preis.

Der Handelskrieg mit den USA

Welche Zölle erheben die USA? 

Am 2. April 2025 hatte US-Präsident Donald Trump Zölle auf fast alle Importe in die USA verhängt. Er sprach von einem „Tag der Befreiung“ für die USA. Pauschal sollte ein Aufschlag von 10 Prozent gelten. Für zahlreiche Länder ist ein höherer Wert angesetzt worden – für die Staaten der EU 20 Prozent.

Nach monatelangen Verhandlungen einigten sich die EU und die USA am 27. Juli 2025 auf einen Handelsdeal. Es ist per EU-Verordnung seit dem 1. Juli 2026 in Kraft.

  • Für die meisten EU-Exporte in die USA gilt seitdem ein Zollsatz von höchstens 15 Prozent, auch für Autos und Autoteile.
  • Die EU schafft im Gegenzug sämtliche Zölle auf US-Industriegüter ab.
  • Weiterhin in Kraft sind besondere Zölle auf bestimmte Güter: Für Stahl und Aluminium aus der EU gelten je nach Produktgruppe Aufschläge von 15 bis 50 Prozent.  

Für den Fall, dass die USA sich nicht an die Vereinbarungen halten, gibt es einen Schutzmechanismus. Danach kann die EU ihre Zugeständnisse zurücknehmen.

Wer zahlt die Erhöhung der Zölle in den USA?

Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Donald Trump einen Handelskonflikt angefangen. Die US-Denkfabrik American Action Forum hat errechnet: Dieser kostete die US-Verbraucher rund 57 Milliarden Dollar (52 Milliarden Euro) jährlich.

Zölle verteuern die Waren in den USA. US-Verbraucher werden nun mehr bezahlen müssen. Oder sie steigen auf alternative einheimische Produkte um. Deren Produktion ist in der Regel teurer – und die Qualität womöglich schlechter.

Ob der Konsum auch für Europäerinnen und Europäer teurer wird, hängt von den Gegenmaßnahmen der EU ab. Verlangt sie auf US-Produkte wie Whiskey oder Motorräder Zölle, dann werden diese mehr kosten als jetzt.

Möglich ist zudem, dass EU-Unternehmen, die unter den US-Zöllen leiden, dies durch höhere Preise in Europa ausgleichen. Dann zahlen europäische Verbraucher auch für diese europäischen Produkte mehr.

Ein weiterer Trend: Chinesische Hersteller weichen auf Europa aus. Kommen chinesische Waren dann günstig auf unseren Markt, bedeutet dies mehr Wettbewerb. Und unter Umständen niedrigere Preise.

Warum hat Trump die Zölle gegen Europa erhöht?

Der US-Präsident stört sich am Handelsdefizit der USA. Als Grund für dieses Defizit sieht er „unfaire Handelsbedingungen“. Denen will er mit Zöllen ein Ende setzen.

Experten nennen für die Zölle noch weitere Zwecke: Die Zölle sollen

  • US-Firmen vor Konkurrenz schützen,
  • Einnahmen erzielen, mit denen sich dann zum Beispiel Steuersenkungen finanzieren lassen würden,
  • als Verhandlungsmasse dienen, um Zugeständnisse in anderen Politikfeldern zu erzwingen.

Was bedeuten Handelsdefizit und Handelsüberschuss?

Von einem Handelsdefizit spricht man, wenn die Einfuhren (Importe) eines Landes die Ausfuhren (Exporte) übersteigen.

Das Handelsdefizit der USA lag 2025 bei 931 Milliarden Dollar. Das heißt: Um diesen Betrag überstieg der Wert der US-Importe den der US-Exporte.

Denn die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner verbrauchen mehr Waren, als sie selbst herstellen. Genau dies ist der Grund für das Handelsdefizit.

Denn schaut man nicht auf die Waren, sondern auf Dienstleistungen, so zeigt sich: Hier exportieren die USA mehr, als sie einführen. Bei Dienstleistungen erzielen die USA somit einen Handelsbilanzüberschuss. Insgesamt gleich er das Minus aus dem Warenhandel aber nicht aus.

2024 lag das US-Handelsdefizit bei 885 Milliarden Dollar. Im Vergleich von 2024 zu 2025 wird deutlich: Die US-Zollpolitik hat am US-Defizit im Warenhandel nichts geändert. Im Gegenteil: Es ist sogar etwas größer geworden. Das Plus im Handel mit Dienstleistungen ist gleich geblieben.

Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt daher zu dem Schluss: Die US-Zollpolitik hat ihre Ziele nicht erreicht. Sie ist gescheitert.

Welche Auswirkungen hat der Handelsstreit auf die deutsche Wirtschaft?

Zusätzliche Zölle treffen die deutsche Exportindustrie. Das gilt vor allem für die Bereiche Pharma, Autos und Maschinen. Sie machen einen Großteil aller deutschen Exporte in die USA aus.

Der Handelsdeal vom Juli 2025 hat einen Zollkrieg abgewendet. Die Außenhandelsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft, Samina Sultan, stellt fest: Von diesem Deal profitiert die Exportnation Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern besonders. Mehr noch: Der Zolldeal verschafft der EU auf dem US-Markt einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz aus Asien.

Im Februar 2026 hat das Oberste Gericht der USA allerdings die meisten Zölle der US-Regierung für rechtswidrig erklärt. Je nachdem, wie diese das Urteil umsetzt, könnte dies die Importe aus Asien und anderen Regionen wieder erleichtern.

Dennoch sind die von der EU ausgehandelten Zölle eine Verschlechterung gegenüber der Lage vor dem Beginn des Zollstreits. „Ein Deal mag die Unsicherheit für Unternehmen leicht senken – doch US-Zölle von 15 Prozent schaden der deutschen Wirtschaft“, sagte die Außenhandelschefin des Ifo-Instituts Lisandra Flach dem Handelsblatt.

Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat errechnet: Die vereinbarten Zölle von 15 Prozent und die 50-Prozent-Zölle auf Stahl und Alu könnten Deutschlands Bruttoinlandsprodukt um 0,15 Prozent geringer ausfallen lassen. Das wären rund 6,5 Milliarden Euro weniger. 

Welche Zölle erhebt die EU gegen die USA?

Die EU hat Gegenmaßnahmen beschlossen. Dazu gehörten Zölle auf Autos und Autoteile aus den USA. Die Gegenmaßnahmen sind allerdings ausgesetzt, weil es einen Handelsdeal gibt.

Halten sich die USA nicht an diese Vereinbarung, greift ein Schutzmechanismus. Die EU kann die Zollvergünstigungen für US-Waren dann komplett oder zum Teil aufheben.

Dieser Mechanismus soll auch dann starten, wenn zu viele US-Einfuhren die Produzenten in der EU bedrohen. Die EU-Kommission überwacht daher die US-Einfuhren.  

All dies ist in zwei EU-Verordnungen geregelt. Deren Vorgaben gelten bis Ende 2029. Sollen sie weiter Bestand haben, muss die EU sie entsprechend verlängern.

Nützliches Wissen

Was bedeutet Handelskrieg?

Handelskriege sind Auseinandersetzungen zwischen Staaten oder Staatengemeinschaften. Das Ziel ist meist, wirtschaftliche und politische Interessen durchzusetzen. Das Mittel sind meist Zölle. 

Podcast-Tipp: „Trumps Zoll-Hammer“ – jetzt reinhören!

Droht Deutschland ein Handelskrieg? In der neuesten Folge des aktiv-Podcasts „Das Wirtschaftsteil“ loten wir aus, warum Zölle die Daumenschraube der Wirtschaft sind, wie sie funktionieren, was sie bewirken. Hören Sie die Folge „Trumps Zoll-Hammer“ jetzt überall, wo es Podcasts gibt – hier klicken: ao5.de/wirtschaftsteil

Können Zölle meinen Arbeitsplatz gefährden?

Die vereinbarten 15-Prozent-Zölle für EU-Einfuhren in die USA machen Produkte teurer, als sie es vor Beginn des Zollstreits waren.

Zwar gelten jetzt immerhin geregelte Rahmenbedingungen. Zumindest solange sich alle Beteiligten an den Zolldeal halten. Dennoch sieht der Verband der Automobilindustrie (VDA) im 15-Prozent-Aufschlag für Pkws und deren Teile eine „spürbare Herausforderung für die deutsche Automobil-Industrie“.  

Hinzu kommt: Lkws, Lkw-Teile und Busse unterliegen Extra-Zöllen, wie die Außenwirtschaftsorganisation Germany Trade and Invest meldet. Hier wünscht sich der VDA dringend eine Verbesserung.

Solche Abweichungen vom Zolldeal findet zum Beispiel Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer schädlich. Er warnte, „dass mit den Trump-Zöllen zusätzliche Impulse von Verlagerungen der Automobil-Industrie aus Deutschland heraus ausgehen“. Denn Zölle verschlechterten die Wettbewerbschancen deutscher Hersteller. Dies könne Jobs kosten.

Wie schützt die EU sich und ihre Bürger vor den Folgen der US-Zölle?

Der Zolldeal vom 27. Juli 2025 war ein wichtiger Schritt: Er ist eine neue Basis für den EU-US-Handel.

Darüber hinaus hat die EU eine ganze Reihe von Freihandelsabkommen geschlossen. Dazu gehören Vereinbarungen über Zollerleichterungen und Kooperationen mit großen und wichtigen Partnern wie

  • Indien,
  • Indonesien,
  • Mexico,
  • den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das jüngste Abkommen schloss die EU im Frühjahr mit Australien. Es sieht auch eine Verteidigungspartnerschaft vor. EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: „Diese Abkommen schaffen dauerhafte, vertrauensvolle Strukturen, um Frieden und Sicherheit durch Stärke zu unterstützen, Wohlstand durch regelbasierten Handel zu fördern und gemeinsam globale Institutionen zu unterstützen. Wir setzen uns für den Aufbau einer saubereren, digitaleren Zukunft für unsere Bürgerinnen und Bürger, Arbeitnehmer und Unternehmen ein. Und wir senden ein starkes Signal an den Rest der Welt, dass Freundschaft und Zusammenarbeit in Zeiten von Turbulenzen am wichtigsten sind.“

Langfristig gilt: Die EU sollte sich auf ihre Stärken besinnen und diese ausbauen. Ganz vorn steht da für Fachleute die Vollendung des Binnenmarkts: Bankenunion – Digitalunion – ein gemeinsamer Markt für Energie und Dienstleistungen. „Das ist das Wichtigste, was wir gegen Trump tun können“, sagt Expertin Claudia Schmucker. Sie ist Leiterin des Zentrums für Geopolitik, Geoökonomie und Technologie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. „Es nutzt uns selbst und macht uns gleichzeitig für andere attraktiver, weil wir nicht mehr so zersplittert sind.“ “

Mehr zum Thema