Wenn in Deutschland jemand stirbt, der kein Testament gemacht hat, dann gilt die „gesetzliche Erbfolge“. Ihre Regeln stehen schon seit Kaisers Zeiten im Bürgerlichen Gesetzbuch! Zwar kann man sich dazu einen alten Grundsatz merken: „Das Gut rinnt wie das Blut.“ Aber oft rinnt es eben nicht nach unten, manchmal nimmt es weite Umwege – und in zwei Fällen kommt es auf die Blutsverwandtschaft gar nicht an.

Erstens natürlich, wenn es um den Ehepartner geht. Der erbt zunächst normalerweise die zum Haushalt gehörenden Gegenstände und die Hochzeitsgeschenke – das ist der sogenannte „Voraus“, der grundsätzlich nichts mit dem restlichen Nachlass zu tun hat.

Außerdem steht dem Ehegatten in den meisten Fällen die Hälfte des Erbes zu, allen Kindern zusammen die andere Hälfte. Bei kinderlosen Paaren erhöht sich der Erbteil des Ehepartners auf drei Viertel. Das andere Viertel steht hier den Eltern des Verstorbenen zu, seinen Geschwistern und schließlich deren Kindern – in dieser Reihenfolge.

Ohne Trauschein und Testament geht der Partner völlig leer aus

Nur wenn man weder Kinder noch Geschwister noch Eltern noch Großeltern hinterlässt, erbt der Ehepartner automatisch alles. In anderen Fällen muss man per Testament dafür sorgen! Über diese wenig bekannte Falle für kinderlose Paare hat AKTIV bereits berichtet.

Wissen sollte man auch, dass für Paare mit per Ehevertrag vereinbartem Güterstand andere Regeln gelten. Und natürlich, dass der überlebende Partner einer „wilden Ehe“, also einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, ohne Testament völlig leer ausgeht! Zu Kaisers Zeiten war so etwas ja noch nicht vorgesehen …

Der zweite Punkt, bei dem die Blutsverwandtschaft keine Rolle spielt: Adoptivkinder werden genauso behandelt wie leibliche Kinder. Und bei Letzteren sind inzwischen nichteheliche „Abkömmlinge“ den ehelichen Kindern gleichgestellt. Alle Kinder erben laut Gesetz „zu gleichen Teilen“.

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Wo es kaum Angehörige gibt, erbt womöglich der ungeliebte Cousin …

Was ansonsten gilt, können einfache Beispiele schnell verdeutlichen. Nehmen wir eine normale Familie: Papa, Mama und zwei Töchter, die ihrerseits je zwei Kinder haben. Eine Tochter stirbt schon vor dem Vater. Dessen Nachlass geht dann zur Hälfte an seine Frau, zu einem Viertel an die eine Tochter – und die Kinder der anderen Tochter erhalten je ein Achtel (es erbt aber nicht etwa der Mann der Tochter).

Wo es Kinder oder auch Enkel gibt, rinnt das Vermögen also stets nach unten: Die geliebte Schwester erbt ohne Testament gar nichts. Mangels eigener Nachkommen rinnt der Nachlass aber erst auf- und dann womöglich seitwärts! Stirbt zum Beispiel ein kinderloser Single ohne Geschwister, erben seine Eltern. Sind die schon verstorben, kommt es auf die Großeltern und deren Abkömmlinge an. Ist dann zum Beispiel ein ungeliebter Cousin der einzige lebende Verwandte, bekommt der: alles.

Kinder enterben – in aller Regel gelingt das nur zur Hälfte

Nur wenn es gar keine Verwandten gibt, erbt einfach der Staat. Wer nun sein Hab und Gut nicht einfach nach diesen gesetzlichen Vorgaben verteilt sehen will, der muss sich beizeiten um das unbequeme Thema des eigenen Ablebens kümmern.

Wissen sollte man auch, dass man Nachwuchs nicht etwa einfach „enterben“ kann: Kinder (wie übrigens auch der Ehegatte) haben fast immer Anspruch auf den Pflichtteil. Der ist halb so hoch wie der gesetzliche Erbteil. Setzt also ein dreifacher Vater, dessen Frau schon verstorben ist, seine Lieblingstochter zur Alleinerbin ein, bekommt sie am Ende trotzdem nur zwei Drittel des Erbes – auf je ein Sechstel können die anderen beiden Kinder Anspruch erheben.

Je mehr man zu hinterlassen hat, umso mehr lohnt es sich natürlich, Geld für anwaltliche Beratung auszugeben und ein „öffentliches Testament“ zu errichten. So ein Dokument ist dann im Fall des Falles schnell zu finden: über das Zentrale Testamentsregister, das seit 2012 von der Bundesnotarkammer geführt wird. Hier auf AKTIVonline lesen Sie mehr über das Zentrale Testamentsregister.